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Gerüchte über Erkrankung : Was ist los mit Putin?

Stammt dieses Bild eines Treffens von Putin mit dem Gouverneur von Karelien von Mittwoch oder doch von vergangener Woche? Bild: AP

Kaum werden vom Kreml Termine abgesagt, schießen in Russland die Gerüchte über die Gesundheit des Präsidenten ins Kraut. Dabei steht Putins körperliche Verfassung auch für den Zustand des Landes. „Er hat die ganze Zeit Besprechungen“, sagt sein Sprecher.

          Putin kaputt!?“ heißt ein empfehlenswertes Buch des Soziologen Mischa Gabowitsch, das 2013 im Suhrkamp-Verlag erschien. Darin ging es um die Proteste gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und die Wahlfälschungen im Land. In Russland würde man sagen, auf den Titel jetzt Bezug zu nehmen, sei eine direkte Provokation

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Mit Blick auf die Spekulationen über die körperliche Verfassung des Präsidenten, erklärte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow am Donnerstag, Putin sei bei bester Gesundheit. Allerdings könne er nicht sagen, wann das Staatsoberhaupt seinen nächsten öffentlichen Auftritt haben werde, sagte Peskow: „Er hat die ganze Zeit Besprechungen.“

          Seit Tagen wird über den Gesundheitszustand Putins spekuliert. Schon am Mittwoch hatte Peskow dagegen bestätigt, dieser sei „absolut wohlauf“. So berichtete es jedenfalls das Nachrichtenportal Lenta.ru. Es fügte hinzu, „Gerüchte über eine Krankheit des russischen Präsidenten erscheinen regelmäßig auf den Seiten westlicher Massenmedien“. Ein eleganter Umweg, um die Gerüchte auch auf den Seiten russischer Massenmedien zu verbreiten. Russische Internetnutzer spekulieren sowieso auch gern in sozialen Netzwerken.

          Am Mittwochabend erschien auf der Website der russischen Zeitung „RBK daily“ ein Artikel, der Putins öffentliche Auftritte seit einer Woche aufzählte. Und fand, dass da seit dem 5. März, dem Donnerstag voriger Woche, nichts war. Am jenem Tag sprach Putin vor Pressevertretern. An seiner Seite war Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi. „RBK“ will herausgefunden haben, dass danach auf Putins Agenda nur ein Treffen gestanden habe, bei dem „ihn nicht nur Beamte sehen konnten“. Und zwar ein Treffen mit Frauen am Frauentag. Das aber sei schon am 5. März aufgezeichnet worden, so das Blatt. Danach seien nur noch nichtöffentliche Treffen abgehalten worden.

          Oder vielleicht auch nicht abgehalten. Mit dem Sicherheitsrat, mit dem Finanz- und dem Verteidigungsminister zum Beispiel. Ein Treffen mit einem Gouverneur am Dienstag soll nicht stattgefunden haben, so „RBK“, auch wenn der Pressesprecher des Gouverneurs leugne, dass der Gouverneur gar nicht in den Kreml gefahren sei. Am Mittwoch soll sich Putin laut seinem Pressedienst mit einem anderen Gouverneur getroffen haben. Aber „RBK“ zitierte eine Quelle, die dem Gouverneur nahestehe, mit der Aussage, das Treffen habe schon am 4. März stattgefunden, und zitierte einen Pressebericht aus der betreffenden Region über das Treffen vom 5. März. Peskow sagte dem „RBK“, die Treffen mit den Gouverneuren hätten an den angegebenen Tagen stattgefunden, das Treffen mit den Frauen nicht am Frauentag, aber am Vorabend des Frauentags.

          Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte eine Quelle zur Begründung der Absage eines Treffens der Präsidenten Russlands, Weißrusslands und Kasachstans in Astana am Donnerstag und Freitag mit der Aussage, es scheine, dass Putin „erkrankt“ sei. Das parierte dann Peskow mit seiner Aussage von der Gesundheit Putins. Aus anderer Quelle hieß es, das Treffen in Astana sei nur verschoben worden. Peskow sprach laut der Nachrichtenagentur Tass davon, dass, sobald im Frühling die Sonne erscheine, allerlei „Zuspitzungen“ einsetzten; der Kreml reagiere darauf „ruhig und geduldig“.

          Putin, der Outdoor-Allrounder: 2009 schwamm der damalige Ministerpräsident wie der Blitz durch einen See in Sibirien. Bilderstrecke

          Gerüchte über Erkrankungen des russischen Präsidenten machen immer wieder die Runde. 2012 war ein besonders reichhaltiges Jahr in dieser Hinsicht. Nicht nur Medien und Internetnutzer beteiligten sich. Auch der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenka sprach im November in einem Interview von einer Judoverletzung Putins. Der Präsident selbst sagte im Dezember bei seiner großen Jahresendpressekonferenz, die Aussagen über seine angebliche Erkrankung nutzten „politischen Gegnern, die versuchen, die Legitimität, die Arbeitsfähigkeit der Regierung in Zweifel zu ziehen“.

          Damit sprach Putin selbst die Verbindung von Fitness und Macht an. Erstere ist in seinem stark personalisierten Herrschaftssystem zweifellos wichtiger als in einer Demokratie. Ebenfalls im Jahr 2012 schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Putins Körper sei ein „Politikum“ und und verwies auf die zahlreichen, vom Kreml selbst verbreiteten Bilder des kraftstrotzenden Präsidenten bei Sport und Jagd. „Die Demonstration seiner Muskeln war auch eine Demonstration seiner Macht“, hieß es da, „einer Macht, deren Quelle nun aber nicht mehr in Staatsamt und Verfassung lag, sondern in seiner eigenen Kraft“.

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