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Festung Brégançon : Ein nackter Präsident auf dem Balkon

Nur über einen schmalen Steg zu erreichen: Fort Brégançon bei Bormes-les-Mimosas Bild: AFP

Die Festung Brégançon diente den französischen Staatsoberhäuptern lange als Sommerresidenz – bis François Hollande in Badehose fotografiert wurde. Der hat die Residenz  nun für Besucher geöffnet.

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          Die erste Nacht muss entsetzlich gewesen sein. Mücken fielen über den General her. Die Hitze war drückend, und dann stieß er sich auch noch den Schädel wund am viel zu kurzen schmiedeeisernen Bettgestell. Aber Charles de Gaulle blieb bei seinem Entschluss. Nachtruhe hin oder her, er bestimmte die Festung Brégançon zur „Sommerresidenz der französischen Präsidenten“. Das erzählt Marine, die seit kurzem Besucher durch das einstmals gut abgeschirmte Sommerrefugium der Republik an der Côte d’Azur führt, und sie schmückt dabei jeden Mückenstich und jede Beule aus.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Genau ein halbes Jahrhundert liegt der Aufenthalt de Gaulles in der mittelalterlichen Festung auf dem erhaben ins Meer ragenden Felsen mit Panoramablick auf die Inseln Porquerolles und Port-Cros und die Küste zwischen Toulon und Hyères zurück. Der Gründervater der V. Französischen Republik kehrte niemals ins Fort Brégançon zurück, berichtet Führerin Marine lächelnd. Ihm sei es vielleicht sogar ganz recht gewesen, die Trutzburg im Mittelmeer seinen Nachfolgern zu überlassen.

          Die präsidiale Festung symbolisiert eine der Errungenschaften der französischen Wirtschaftswunderjahre, den langen Sommerurlaub, der auch dem obersten Staatschef vergönnt war. Seit dem Ende „der dreißig Glorreichen“, wie die Wachstumsjahre im Volksmund heißen, haben die Präsidenten ihren Platz an der Sonne aber allmählich verloren. Schon Nicolas Sarkozy wurde gelegentlich kritisiert, wenn er mit Wasserski über das Mittelmeer bretterte, statt Frankreichs Reformprozess zu beschleunigen.

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          François Hollande aber verbrachte in Brégançon den ersten und schlimmsten seiner Präsidentensommer. Die Fotos von ihm und seiner damaligen Lebensgefährtin Valérie Trierweiler als „président normal“ am Strand im August 2012 ernüchterten die Franzosen schlagartig. Diesem gewöhnlichen, faulenzenden Urlauber mit Sonnenbrand, Schweißflecken und Speckröllchen hatten sie die Geschicke ihres Landes anvertraut? Hollandes Beliebtheitsquote sank schlagartig, auch die Parteifreunde spotteten über die Aufnahmen des Präsidenten, die an Sempés Ferienzeichnungen erinnern. Seither will Hollande in Brégançon keinen Urlaub mehr verbringen und sich schon gar nicht in Badehose zeigen. Zum 70. Jahrestag der Anlandung der alliierten Truppen in der Provence am 15. August kehrte er zwar auf ein Arbeitsessen mit seinem Premierminister in die Festung zurück. Aber beide trugen einen Anzug, und der kleine präsidiale Privatstrand am Fuße der Klippen blieb unbenutzt.

          Im Elektrobus durch ausländisches Staatsgebiet

          Stattdessen dürfen seit sechs Wochen erstmals Besuchergruppen den steilen geteerten Weg hinauf zur Festung erklimmen und Terrassen, Gärten und die sommerlichen Gemächer ihrer Präsidenten besichtigen. Diese Form der Demokratisierung hat Hollande trotz etlicher Hindernisse durchgesetzt. Denn der Weg zum Fort Brégançon, das mehrere Jahrhunderte nur über See zu erreichen war, führt durch ausländisches – luxemburgisches – Staatsgebiet. General de Gaulle trat den begehrten Flecken Land zwischen den berühmten Riviera-Ortschaften Le Lavandou und Bormes-les-Mimosas seinerzeit an die luxemburgische Großherzogin Joséphine Charlotte ab – gegen einen geheimen Kaufpreis. De Gaulle sicherte Frankreich lediglich ein „Passierrecht“, das im Fall der von Sicherheitsbeamten begleiteten Präsidenten und ihrer hohen Gäste keinerlei Anstoß erregte. Aber für die Besuchergruppen musste sich das staatliche „Centre des monuments nationaux“, das auch Sehenswürdigkeiten wie den Mont Saint-Michel oder den Arc de Triomphe verwaltet, etwas einfallen lassen.

          Die Festungsbesucher werden durch eine Sicherheitsschranke in einen Elektrobus geschleust, der nahezu geräuschlos die 700 Meter luxemburgischen Territorien durchquert. Beim späteren Aufstieg zu Fuß fällt der Blick auf den Privatstrand des Großherzogs von Luxemburg, der mindestens dreimal so lang und breit wie jener der französischen Präsidenten ist. Die Festung aber hat sich trotz etlicher Umbauarbeiten ihren abweisenden, unwirtlichen Charakter bewahrt. Der junge Napoleon Bonaparte verbrachte den Winter während der Belagerung von Toulon 1793/94 dort und entschied als Erster Konsul 1799, die Festung mit 23 Kanonen aufzurüsten. Erst 1875 wurde die Entwaffnung der Festung beschlossen. Im Ersten Weltkrieg wurde sie wieder in eine Kaserne umgewandelt, 1919 aber endgültig zur „Sehenswürdigkeit“ erklärt. Ein Privatmann, Robert Bellanger, ein ehemaliger Marinestaatsminister, mietete die Festung nach dem Zweiten Weltkrieg als Sommersitz und sanierte sie. Doch erst dem Staat gelang es nach jahrelangen Renovierungsarbeiten, die Festungsruine zu einem halbwegs komfortablen Feriendomizil auszubauen.

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