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Bürgermeister vom Rom : Marino bleibt doch im Amt

  • -Aktualisiert am

Ignazio Marino zeigt auch weiterhin in Rom, wo es lang geht. Bild: AP

Seinen Rücktritt hätte er nur noch vollziehen müssen, doch Ignazio Marino hat es sich anders überlegt. Nach seiner Ankündigung hatte er so viel Unterstützung erfahren, dass er nun doch im Amt bleiben will.

          Der Bürgermeister von Rom, Ignazio Marino, hat am späten Donnerstagnachmittag seinen am 12. Oktober eingereichten Rücktritt zurückgenommen, der an diesem Sonntag rechtskräftig geworden wäre. Nach römischem Stadtrecht hat der Bürgermeister 20 Tage Bedenkzeit, um einen eingereichten Rücktritt nochmals aufzuheben. Nun ist Marino wieder Bürgermeister mit allen Machtbefugnissen. Vergeblich hatte Matteo Orfini, der amtierende Parteichef der sozialdemokratischen PD in Rom und Vertraute von PD-Chef und Ministerpräsidenten Matteo Renzi versucht, Marino in seiner ursprünglichen Absicht zu bestärken, den Rücktritt umzusetzen; denn er sei nun im Stadtparlament ohne Mehrheit. Tatsächlich drohen PD-Dezernenten nun mit ihrem „massenhaften Rücktritt“ und PD-Räte mit einer „demütigenden Misstrauensabstimmung“ im Stadtparlament.

          Sofort nach seinem Rücktritt vom Rücktritt traten auch schon vier PD-Dezernenten zurück, darunter der erste Vizebürgermeister Marco Causi, der Marino bisher die Treue hielt. Doch der Bürgermeister, der lange Zeit als isoliert gegolten hatte, fand jüngst immer mehr Unterstützer über seine linke Parteibasis hinaus im Roms Bürgertum. Marino wird zugutegehalten, erfolgreich gegen die Stadtmafia zu kämpfen. Seine Anhänger setzen sich im Internet und fast täglich mit Sympathiekundgebungen vor dem Kapitol für ihn ein. Überall in der Stadt hängen Zettel: „Wer gegen Marino ist, ist für die Mafia Capitale“.

          Der nationale Antikorruptionskommissar Raffaelle Cantone hatte sich am Mittwoch indirekt auch auf Marinos Seite gestellt, als er Mailand als „moralische Hauptstadt“ Italiens lobte, während es der Hauptstadt an „Antikörpern gegen die Kriminalität“ fehle. PD-Chef Renzi hatte hingegen den „Traumtänzer hinter dem Mond“, wie sich der Regierungschef ausdrückte, schon vor Monaten fallen gelassen. Der Mann könne nicht regieren. Renzi lehnt bisher auch ein Gespräch mit Marino ab: Es gibt keine Verhandlungen und kein Treffen, sagte er erst am Mittwoch wieder: „Ich habe Wichtigeres zu tun, als geschlossene Akten nochmals zu öffnen.“

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