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Hollande im Vatikan : Franz trifft Franz

  • -Aktualisiert am

In den heiligen Hallen: Präsident Hollande und Papst Franziskus im Vatikan Bild: AFP

Der Papst hat Frankreichs Präsidenten Hollande im Vatikan empfangen. Es sei ein herzliches Treffen gewesen, heißt es – aber der Kirche passt vieles in Paris nicht.

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          Für Papst Franziskus war die Audienz für Frankreichs Präsident François Hollande am Freitag wichtig. Nur Tage nachdem ihm Frankreichs Bischöfe ihren Ärger an dem ihrer Meinung nach kirchenfeindlichen Laizisten ausgebreitet hatten, wollte Franziskus selbst mit „Franz aus Paris“ sprechen. Dafür wandte er dem Vernehmen nach seinen ganzen Charme auf. Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der Chef der Glaubenskongregation, musste auf seine Audienz warten, weil Franziskus das – auf die üblichen 30 Minuten festgelegte – Treffen etwas ausdehnte. Hollande hingegen hatte zunächst, so hörte man, mehr von einer „diplomatischen Pflicht als dem Versuch der Annäherung“ gesprochen.

          Vor dem Abflug hieß es dann aber im Élysée-Palast, „der Dialog mit dem Papst ist eine starke Botschaft“ für Frankreichs Katholiken, und beim Gespräch fand Hollande wohl so viel Gefallen an Franziskus, dass er sich mit dem Wort verabschiedete: „Bis bald.“ Bisher gibt es nur wenig Verbindendes zwischen den beiden Franzen. Sie trafen sich am Freitag, dem katholischen Gedenktag für Franz von Sales. Das mag Zufall gewesen sein. Hollande brachte ein Buch über den heiligen Franziskus von Assisi mit, wofür sich der Papst mit dem Hinweis bedankte: „Das ist auch Ihr heiliger Patron.“ In den dürren Worten des vatikanischen Pressesaals war von einem „herzlichen Treffen“ die Rede, bei dem „der Beitrag der Religion für das Allgemeinwohl“ im Mittelpunkt gestanden habe.

          Erster Besuch seit Amtsantritt

          Papst und Präsident wollten die „guten Beziehungen“ durch die Verpflichtung vorantreiben, den „regelmäßigen Dialog zwischen Staat und Kirche“ fortzusetzen. Dabei solle „konstruktiv bei den Fragen gemeinsamen Interesses“ zusammengearbeitet werden. Konkret ist im päpstlichen Kommuniqué von der „Würde der menschlichen Person“ die Rede, von den „aktuellen Fragen um die Familie, die Bioethik, den Respekt für religiöse Gemeinschaften und die Pflege von religiösen Kultplätzen“. Es sei um Armut und Entwicklung gegangen, Migration und Umwelt. Auch Syrien war Thema: Hollande bat Franziskus, das syrische Oppositionsbündnis einzuladen.

          Es war der erste Besuch Hollandes beim Papst – ganze zwei Jahre nach Amtsantritt. Einst schmückten sich Frankreich und seine Kirche dagegen mit dem Titel der „ältesten Tochter der Kirche von Rom“ und dachten dabei an Kirchenväter wie Irenäus von Lyon im 2. Jahrhundert. Hollandes konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte noch die Würde des Ehrenkanonikers von St. Johannes im Lateran übernommen, das den französischen Königen seit 1604, seit der erzwungenen Konversion Heinrich IV. von Frankreich und Navarra zum Katholizismus, zustand. Sarkozy hatte von einer „positiven Laizität“ Frankreichs gesprochen, denn trotz Trennung von Staat und Kirche bleibe die Religion im Denken und Herzen eines jeden. Religion sei Hilfe und nicht Gefahr für Staat und Gesellschaft.

          Hollande hingegen nutzt in den Augen der französischen Bischöfe die „Laizität als Kampfbegriff“ gegen die Kirche. So sagte jetzt der Sprecher der Bischofskonferenz Bernard Podvin im Radio Vatikan, Hollande ist zwar für die „strikte Trennung von Religion und Staat, also gegen eine Einmischung“ untereinander, aber er wolle die Religionsausübung auch nicht schützen. Durch die Rom-Visite hoffe er auf Veränderungen, „damit Religionsfreiheit auch tatsächlich gewahrt bleibt“. Die Kirche werde nicht ernst genug genommen, sagte Podvin. Konkret geht es um den Schutz der Ehe.

          Die Bischöfe kritisieren die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die trotz des massenhaften Protestes von Katholiken rechtlich zugelassen wurde. Jetzt stimmte die Nationalversammlung einem Gesetz zu, wonach Frauen in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft straffrei abtreiben können, auch wenn sie nicht „in einer Notlage“ sind. Außerdem ist die Kirche gegen ein Gesetz, das Sterbehilfe teilweise legalisieren soll. Auch der persönliche Lebensstil Hollandes dürfte Franziskus wenig gefallen. Vor zwei Wochen wurde die Liebesaffäre des Präsidenten mit der Schauspielerin Julie Gayet bekannt. Hollande ist mit der geschiedenen Journalistin Valérie Trierweiler liiert, aber nicht verheiratet.

          Nach dem Besuch im Vatikan heißt es nun aber an der Kurie, Hollande werde sich in nächster Zukunft wohl mehr um die Kirche bemühen. Das geschehe schon im Blick auf die Wahlen für das Europaparlament. Aber das werde wohl mehr eine taktische Wende bleiben, es sei denn, „der charismatische Papst hat diesen Ketzer gewonnen, und Hollande kommt tatsächlich bald wieder. Die Türen sind offen.“ Hollande wurde vom französischen Pater Georges Vandenbeusch begleitet, der von Islamisten der Gruppe Boko Haram mehr als einen Monat lang in Kamerun festgehalten und zum Jahresende befreit worden war. Er sei „sehr glücklich“, ihn zu treffen, sagte der Papst und schloss den Pater fest in seine Arme.

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