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Großeinsatz in Belgien : Terroristen wollten offenbar Polizisten ermorden

Zwei belgische Polizisten am Freitag in Verviers Bild: AFP

Die belgische Polizei hat bei ihrer Großrazzia Kalaschnikows, Sprengstoff und Uniformen entdeckt. Offenbar stand eine  Terrorzelle kurz davor, Anschläge auf die Sicherheitskräfte zu verüben. 13 Verdächtige wurden festgenommen.

          Bei der Großrazzia gegen radikale Islamisten hat die belgische Polizei 13 Personen festgenommen. Wie die  Staatsanwaltschaft in Brüssel am Freitag mitteilte, haben die Sicherheitskräfte in der ostbelgischen Stadt Verviers, in der am Vorabend bei einem Schusswechsel zwei mutmaßliche Terroristen erschossen wurden, Schusswaffen, darunter vier Sturmgewehre vom Typ AK 47, elektronisches Gerät, hohe Bargeldsummen sowie Polizeiuniformen entdeckt.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Eric Van der Sypt, wertete dies als deutliches Anzeichen dafür, dass Polizisten Ziel eines unmittelbar bevorstehenden und jetzt vereitelten Terroranschlags in Belgien seien. Es handele sich um „Anschläge mit dem Ziel, Polizisten auf offener Straße und in Wachen zu töten“, sagte der Sprecher.

          Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass unter den festgenommen Personen mehrere seien, die zuvor in Syrien als Dschihadisten gekämpft hätten und nun nach Belgien zurückgekehrt seien.

          Im Zusammenhang mit der Großrazzia stehe auch die Festnahme von zwei belgischen Staatsangehörigen in Frankreich. Sie sollen nun nach Belgien ausgeliefert werden. Der Sprecher widersprach jedoch Berichten, wonach das belgische Vorgehen Teil einer international abgestimmten Großrazzia in mehreren Ländern sei. Es gebe zwar ständig Kontakte mit den Behörden anderer Länder; aber im vorliegenden Fall sei die belgischen Dienste schon seit mehreren Wochen – schon vor den jüngsten Pariser Anschlägen, schon Hinweise auf die Aktivitäten der „terroristischen operativen Zelle“ nachgegangen.

          Insgesamt ist es nach Angaben der belgischen Behörden am Donnerstagabend zu 12 Haussuchungen, vor allem in Brüssel, gekommen. 12 Personen wurde in der Hauptstadt festgenommen, eine weitere nach dem Schusswechsel in Verviers.

          Die ebenfalls am Freitag bekanntgewordene Festnahme von zwei Syrien-Kämpfern auf dem Brüsseler Flughafen soll nicht in Zusammenhang mit dem polizeilichen Vorgehen in Verviers und Brüssel stehen. Nach der Entscheidung, fortan in Belgien zur zweithöchsten von insgesamt vier Sicherheitsstufen überzugehen, waren schon am Donnerstag die Schutzvorkehrungen vor Gerichts- und Polizeigebäuden verschärft worden. Mehrere örtliche Polizeidienststellen entfernten vorsorglich Fotos von Mitarbeitern von ihren Webseiten.

          Die belgische Regierung beschloss am Freitag eine Reihe von -  schon vor den Pariser Anschlägen – ins Auge gefassten strengeren Sicherheitsmaßnahmen. Dazu gehört, wie auch in Deutschland und anderen EU-Ländern bereits geplant oder beschlossen, die Möglichkeit, den Reisepass aber auch den Personalausweis mutmaßlicher Terrorismusverdächtiger abzunehmen. Geplant ist auch, Dschihadisten mit doppelter Staatsangehörigkeit die belgische leichter zu entziehen. Die Sicherheitsdienste sollen ferner in die Lage versetzt werden, verdächtige Personen leichter telefonisch abzuhören. In den Gefängnissen des Landes sollen außerdem radikalislamische Straftäter künftig von den übrigen Insassen stärker isoliert werden. Die belgische Armee soll eine größere Rolle bei der Garantie der inneren Sicherheit des Landes übernehmen können. 

          Premierminister Charles Michel warnte jedoch bei der Bekanntgabe des Maßnahmenpakets  vor „Panik und Psychose“.  Derzeit habe die Regierung keinerlei Kenntnis konkreter Anschlagspläne.  Er fügte jedoch hinzu: „Wir wissen, dass es ein Nullrisiko nicht gibt – weder in Belgien noch in anderen Ländern.“

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