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Griechenland-Wahl : „Syriza steht für die Rückkehr zur Korruption“

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Der griechische Soziologe Michael Kelpanides Bild: Henning Bode

Der griechische Soziologe Michael Kelpanides fürchtet, dass Griechenland mit einer Syriza-Regierung „den letzten Rest von Respekt und Glaubwürdigkeit im Westen verlieren wird“. Ein Gespräch über den rasanten Aufstieg einer Splitterpartei zur stärksten politischen Kraft.

          Herr Kelpanides, künftig wird das „Bündnis der radikalen Linken“ (Syriza) des bisherigen Oppositionsführers Alexis Tsipras in Athen die Regierung dominieren. Syriza lehnt die Sparpolitik ab. Was wird das für Konsequenzen haben für Griechenland und für Europa?

          Durch das Übergewicht der Parteien, die die Sparpolitik ablehnen, hat sich eine prekäre Konstellation ergeben. Alexis Tsipras muss jetzt seine Fähigkeiten als Seiltänzer unter Beweis stellen. Viel Spielraum hat er nicht. Er weiß genau, dass Griechenland außerhalb der Währungsunion nicht lebensfähig ist. Andererseits hat er sich als Volkstribun profiliert und hohe Erwartungen geweckt, die leicht in politische Frustration umschlagen können.

          Was für Erwartungen hat Tsipras geweckt?

          Zum Beispiel die Erwartung, dass Griechenland unabhängig von anderen Staaten und dem Zwang der Kapitalmärkte handeln könne. Ähnliches behauptete 1981 schon der griechische Sozialistenführer Andreas Papandreou, den Tsipras zu imitieren versucht. Tsipras nährte auch die Erwartung, dass Griechenland die politische Agenda in Europa bestimmen könne. Auf diese Weise schmeichelte er zwar dem Nationalismus der Griechen, weshalb ihm ein Drittel der Wähler ihre Stimme gaben. Aber sein Dilemma ist nun: Je realistischer er handeln wird, desto mehr werden Gruppen seiner Klientel abfallen. Hält er dagegen an demagogischen Maximalforderungen fest, läuft er Gefahr, dass es den Europäern irgendwann zu viel wird und sie Griechenland fallenlassen.

          Droht ihm nicht, wenn er Kompromisse macht, auch ein Aufstand vom linken Flügel Syrizas, also der radikalen Radikalen?

          Ja, weil Syriza keine gefestigte Partei ist, sondern ein Konglomerat linker Gruppierungen, das von orthodoxen Stalinisten bis zu anarchistischen akademischen Linken reicht. Wie will Tsipras solchen Gruppen sagen, dass man sich jetzt von einem Tag auf den anderen den europäischen Realitäten anpassen muss? Die ideologischen Gruppen innerhalb von Syriza denken wenig pragmatisch. Sie kommen sich nach ihrem Wahltriumph nun mit ihrem überhöhten Siegesbewusstsein vor wie die Bolschewiki nach der Oktoberrevolution. Da sie sich bisher kaum am parlamentarischen Spiel des Kompromisses beteiligt und auch das „Hören auf den Anderen“ nicht gelernt haben, werden sie versucht sein, die längst toten Marxschen Dogmen, die sie in ihren linken Seminaren studiert haben, wieder zum Leben zu erwecken. Da sie dies in der Wirtschaftspolitik nicht tun können, werden sie sich im Bildungssystem und in der Kulturpolitik austoben und dort viel Porzellan zerschlagen.

          Wie erklären Sie sich den Aufstieg Syrizas von einer Splitterpartei zur stärksten politischen Kraft des Landes in nur vier Jahren?

          Tsipras hat einen weiteren Schuldenschnitt versprochen und so getan, als läge es in der Macht von Syriza, dies durchzusetzen. Wie sich nun zeigt, ist mehr als ein Drittel der Wähler auf diese Versprechen reingefallen. Man muss aber betonen, dass die lohn- und gehaltsabhängigen Mittelschichten, die durch die Krise hart getroffen wurden, diejenigen sind, die die Zeche bezahlen. Sie wurden irregeleitet und glauben, Syriza könne ihnen die Rettung bringen. Syriza beutet vor allem die Unzufriedenheit von entlassenen oder unzufriedenen Staatsdienern aus, die ihre Stellen in der überbesetzten öffentlichen Verwaltung dem Nepotismus ihrer Abgeordneten-Patrone verdankten und ausgesorgt zu haben glaubten. Ihnen hat Syriza fest versprochen, sie wieder einzustellen.

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