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Das Ende der Troika : Sie hatten noch so viel vor

Können noch lange warten: Karyatiden auf der Akropolis Bild: Interfoto

Nun soll die Troika schuld sein an Griechenlands Krise. Sind da wirklich nur hochbezahlte Eierköpfe mit Kontrollzwang am Werk? Und wenn ja, wäre das so schlimm?

          6 Min.

          Es war eine Sturzgeburt. Im Frühjahr 2010 musste plötzlich alles ganz schnell gehen in der Eurozone. Griechenland stand, wie heute immer noch, vor dem Staatsbankrott und brauchte sehr schnell sehr viel Geld – fürs Erste einhundertzehn Milliarden Euro. Die stets hilfsbereiten Steuerzahler der Eurozone legten zusammen. Allerdings stellten ihre Staaten Bedingungen an ihren neuen Megaschuldner in Athen. Sie wollten kontrollieren, dass die griechische Regierung Ausgaben kürzt und den Staat reformiert, damit der eines Tages seine Schulden zurückzahlen kann. Aus dieser Not heraus wurde die Troika geboren. Das Trio aus dem Internationalen Währungsfonds, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank sollte zu eine Art Nebenregierung und zu einem Rechnungshof mit ständiger Interventionsvollmacht werden. Die Hauptaufgabe: festlegen, was mit den Hilfsgeldern getan werden darf und was nicht.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Von Beginn an wurde viel gespottet über diese neue Konstruktion. Die Troika, das seien doch nur einige hochbezahlte Eierköpfe mit Business-Administration-Studium in Harvard oder an der London School of Economics, die alle paar Monate nach Athen reisen, im Luxushotel „Grand Bretagne“ oder im „Hilton“ einchecken, ihre Expertenlaptops aufklappen und Zahlenkolonnen in Exceltabellen hämmern, um auszurechnen, wie es um Griechenland steht. So behaupten es bis heute Naivlinge. Und in der Sache haben sie sogar recht. Die Troika, das sind einige hochbezahlte Eierköpfe mit Business-Administration-Studium in Harvard oder an der London School of Economics, die alle paar Monate nach Athen reisen, im Luxushotel „Grand Bretagne“ oder im „Hilton“ einchecken, ihre Expertenlaptops aufklappen und Zahlenkolonnen in Exceltabellen hämmern, um auszurechnen, wie es um Griechenland steht. Mit anderen Worten: Die Troika ist das Beste, was Griechenland passieren konnte.

          Neue Sichtweise nach Wahlsieg von Alexis Tsipras

          Doch nun ist sie nach kurzem, schwerem Leiden von uns gegangen. Das europäische Sündenbockspringen nach dem Wahlsieg von Alexis Tsipras und seinem „Bündnis der radikalen Linken“ in Griechenland hat nämlich zu der Entscheidung geführt, dass die Troika schuld zu sein habe an der griechischen Misere. In der Darstellung von Tsipras und seines Finanzministers Giannis Varoufakis wirkt es so, als sei die Troika 2010 gewaltsam in ein blühendes Land eingedrungen und habe es in ein ruiniertes, am Boden liegendes Gemeinwesen verwandelt. Zwar wäre die Troika nie entstanden, wenn Griechenland nicht schon vorher ein ruiniertes, am Boden liegendes Gemeinwesen gewesen wäre und Hilfe gebraucht hätte.

          Doch weil Tsipras und Varoufakis verkündet haben, keinesfalls die „katastrophale“ und „barbarische“ Sparpolitik der Troika fortführen zu wollen, scheint man sich in der EU wenigstens mit einer Umbenennung, womöglich auch mit einer neuen Zusammensetzung des Triumvirats der Spar- und Reformkommissare abgefunden zu haben. „Wir müssen das nicht mehr Troika nennen, weil das in Griechenland ein bisschen belastet ist. Da kann man ja Rücksicht drauf nehmen“, sagt Wolfgang Schäuble. Auch andere Finanzminister der Eurozone meiden das böse Wort seit kurzem. „Troika“ ist wie „Neger“ – war früher üblich, aber heute sagt man so nicht mehr. Die Troika heißt jetzt „Expertengruppe“ oder „die Institutionen“. Die griechische Regierung kann das als Erfolg verkaufen.

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