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Gibraltar-Streit : Nichts sehen, nichts kaufen, nichts versteuern

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Affentanz: Ein schwanzloser Berber-Makake überblickt von einer Festung aus Gibraltar. Wie den menschlichen Bewohnern der Kronkolonie wird auch den als sehr gefräßig geltenden Affen von spanischen Besuchern eine gewisse Unartigkeit vorgeworfen Bild: Getty Images

Mit seinen Spitzen gegen Gibraltar tut sich Spanien keinen Gefallen. Die an Krisen gewöhnten Bewohner der britischen Kronkolonie schwelgen unterdessen in Patriotismus.

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          Verständnislos schauen die schwanzlosen Berber-Makaken von ihrem vorgeschobenen Posten auf die Sommerkrise von Gibraltar. Dabei haben sie alle Streitpunkte im Blickfeld. Da sind vier Meter unter türkisfarbenem Wasser die eisengespickten Betonblöcke, welche die Regierung der britischen Kronkolonie Ende Juli versenken ließ, um spanischen Fischern die Arbeit zu erschweren. Da sind vor der Küste die schwimmenden Tankstellen, die den „llanitos“, wie sie sich selbst auf Andalusisch nennen, Millionen einbringen. Dann sind da die zwei, wie feiste Daumen ins Meer ragenden Buhnen, mit denen der Strand von Sandy Bay „stabilisiert“ werden soll. Auf einer der Buhnen stehen die Kräne still, weil Spanien gerade den Import von Sand und Steinen verboten hat. In der Ferne sehen die frechen und gefräßigen Affen die Warteschlangen im kleinen Grenzverkehr, mit denen die Spanier vor allem ihre eigenen Pendler behindern.

          Seit fünf Wochen geht nun schon die politische Guerrilla zwischen zwei europäischen Ländern, die sich nicht über den von Spanien im Jahr 1713 verlorenen territorialen Zipfel einigen können. Wer die Grenze nach gebührender Wartezeit endlich passiert hat, findet sich in einem postkolonialen Bilderbuch wieder. Oben sind die Antennen der Militärs, die Affen und eine maurische Festung. Unten steht vor dem Stadion der Königin Victoria ein Willkommensdenkmal, das Gibraltar als „Wiege der Geschichte“ preist.

          Es herrscht Vollbeschäftigung

          Zu Recht - denn schon in der Winston Churchill Avenue rollen Doppeldeckerbusse, stehen, im Zeitalter der Mobiltelefone verwaiste, rote Telefonzellen und warten Zigaretten-, Schnaps- und Parfümläden mit Vorzugspreisen ohne die spanische Mehrwertsteuer auf Kundschaft. Es gibt zwar zwei Sprachen und zwei Währungen, aber doch Rechtsverkehr und die gleiche Uhrzeit. An den Ampeln bleiben die meisten Leute, wenn sie nicht Spanier sind, bei Rot stehen. Manche ziehen sich aus Automaten einen Stadtplan, der entweder ein Pfund oder einen Euro kostet. Das ist hier der einzige europäische Freundschaftspreis im Verhältnis eins zu eins.

          Was sich in dem steinernen Wurmfortsatz des spanischen Festlandes auftut, ist ein seit Jahrhunderten schillernder internationaler Mikrokosmos. Die Verlängerung der Winston Churchill Avenue, wo auf den Balkons der Wohnblocks zwischen trocknender Wäsche ein patriotisches Fahnenmeer von „Union Jacks“ zu sehen ist, beginnt rasch die Main Street. Dort flaniert ein Teil der jährlich bis zu zehn Millionen Touristen durch die Souvenirshops. Chief Minister Fabian Picardo, der Englisch so fließend wie Spanisch spricht, residiert nicht in „Number 10“, sondern in „Number 6“. Und wer aus La Línea kommt, wo die andalusische Arbeitslosenrate von durchschnittlich 35 Prozent noch einmal um fünf Prozent übertroffen wird, glaubt sich im Vorhof des ewigen Wohlstandes.

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