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Gegen den Islamismus : Das Manifest der Zwölf

  • Aktualisiert am

Der indo-britische Schriftsteller Salman Rushdie gehörte zu den Unterzeichnern des „Manifests der Zwölf“. Bild: dpa

2006 veröffentlichten mehrere prominente Intellektuelle, Schriftsteller und Journalisten ein Manifest gegen den Islamismus - bereits damals war die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ ins Visier der Radikalen geraten. FAZ.NET dokumentiert den Text.

          Schon vor mehr als acht Jahren zog sich die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ den Zorn militanter Islamisten zu. Nach den Protesten aus der muslimischen Welt und Terrordrohungen gegen den Zeichner der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, die Karikaturen des Propheten Mohammed abgedruckt hatte, entschlossen sich die französischen Kollegen zu einem mutigen Schritt. Sie druckten eigene Karikaturen ab, in denen gegen den Islamismus mit satirischen Mitteln mobilisiert wurde.

          Der indo-britische Schriftsteller Salman Rushdie, die aus Somalia stammende niederländische Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali, die im französischen Exil lebende iranische Schriftstellerin Chahla Chafiq, der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy, Antoine Sfeir, in Frankreich lebender libanesischer Autor, Politologe und Journalist und weitere Intellektuelle, Schriftsteller und Journalisten gehören zu den Unterzeichnern eines Manifestes „gegen den neuen Totalitarismus: den Islamismus“, das am 1. März 2006 in „Charlie Hebdo“ und wenige Tage später in der deutschen Zeitung „Die Welt“ veröffentlicht wurde.

          Wir dokumentieren das damalige Manifest in deutscher Übersetzung:

          „Nachdem die Welt den Faschismus, den Nazismus und den Stalinismus besiegt hat, sieht sie sich einer neuen weltweiten totalitären Bedrohung gegenüber: dem Islamismus.

          Wir Schriftsteller, Journalisten, Intellektuellen rufen zum Widerstand gegen den religiösen Totalitarismus und zur Förderung der Freiheit, Chancengleichheit und des Laizismus für alle auf.

          Die jüngsten Ereignisse nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen zeigt die Notwendigkeit des Kampfes für die universellen Werte. Dieser Kampf kann nicht mit Waffen, sondern muß auf dem Feld der Ideen gewonnen werden. Es handelt sich nicht um ein Aufeinanderprallen der Kulturen oder einen Gegensatz von Okzident und Orient, sondern um einen weltweiten Kampf der Demokraten gegen die Theokraten.

          Wie alle Totalitarismen nährt sich der Islamismus aus der Angst und der Frustration. Auf diese Gefühle setzen die Haßprediger, um mit ihren Bataillonen eine Welt der Unfreiheit und Ungleichheit zu erzwingen. Wir aber sagen laut und deutlich: Nichts, nicht einmal Verzweiflung, rechtfertigt Massenverdummung, Totalitarismus und Haß. Der Islamismus ist eine reaktionäre Ideologie. Überall, wo er sich breit macht, zerstört er Gleichheit, Freiheit und Laizismus. Wo er erfolgreich ist, führt er nur zu einer Welt des Unrechts und der Unterdrückung: Der Frauen durch die Männer und aller anderen durch die Integristen.

          Wir lehnen den „kulturellen Relativismus“ ab, der im Namen der Achtung der Kulturen und der Traditionen hinnimmt, daß den Frauen und Männern der muslimischen Kultur das Recht auf Gleichheit, Freiheit und Laizität vorenthalten wird.

          Wir weigern uns, wegen der Befürchtung, die „Islamophobie“ zu fördern, auf den kritischen Geist zu verzichten. Dies ist ein verhängnisvolles Konzept, das die Kritik am Islam als Religion und die Stigmatisierung der Gläubigen durcheinanderbringt.

          Wir plädieren für allgemeine Meinungsfreiheit, damit sich der kritische Geist auf allen Kontinenten gegen jeden Mißbrauch und gegen alle Dogmen entfalten kann.

          Wir richten unseren Appell an die Demokraten und freien Geister aller Länder, damit unser Jahrhundert eines der Aufklärung und nicht eines der Verdummung wird.“

          Ayaan Hirsi Ali, Chahla Chafiq, Caroline Fourest, Bernard-Henri Lévy; Irshad Manji, Mehdi Mozaffari, Maryam Namazie, Taslima Nasreen; Salman Rushdie, Antoine Sfeir, Philippe Val, Ibn Warraq Aus dem Französischen von Jochen Hehn.

          Mit freundlicher Genehmigung der „Welt“

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