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Krieg in der Ukraine : Gefechte nehmen wieder zu

Mit Gottes Segen: Zum orthodoxen Osterfest am vergangenen Sonntag segnet ein Priester ukrainische Soldaten in der Nähe von Luhansk. Bild: dpa

Auch am orthodoxen Osterfest hat es in der Ostukraine Gefechte zwischen Separatisten und der Armee gegeben. Die OSZE weist beiden Seiten Schuld am Ausbruch der Scharmützel zu.

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          Vor einem Treffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine am Montagabend in Berlin sind die Gefechte im Osten der Ukraine wieder intensiver geworden. Ein Kiewer Militärsprecher meldete am Montag einen gefallenen sowie fünf verletzte Regierungssoldaten, und die von Russland unterstützten Separatisten im Industriegebiet Donbass teilten mit, die Zahl ihrer Verletzten habe sich am Wochenende im Vergleich zu den vergangenen Tagen verdreifacht. Die Beobachtermission der OSZE in der Ukraine zählte am Sonntag allein um den Flughafen der Regionalmetropole Donezk 1166 Detonationen. Auch in der Umgebung der Hafenstadt Mariupol gab es Artilleriegefechte, wenn auch von geringerer Intensität.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nach Darstellung der OSZE sind die Gefechte um Donezk möglicherweise von Kämpfern des ukrainischen „Rechten Sektors“ begonnen worden, während bei Mariupol die ersten Schüsse offenbar von den Separatisten abgefeuert wurden. Die Beobachter berichteten, sowohl russische als auch ukrainische Offiziere, Mitglieder eines „Gemeinsamen Zentrums für Kontrolle und Kooperation“ (JCCC), das seit Monaten in der Region operiert, hätten ihnen berichtet, dass die Kämpfe um Donezk mit einem Vorstoß des „Rechten Sektors“ begonnen hätten. Danach hätten beide Seiten auch Artillerie mit einem Kaliber von mehr als 100 Millimetern eingesetzt – also Waffen, die nach dem geltenden Minsker Waffenstillstandsabkommen längst abgezogen sein sollten.

          Die Separatisten hätten aus Wohngebieten heraus gefeuert, beide Konfliktparteien hätten besiedeltes Gelände unter Feuer genommen. Bei Mariupol beobachtete die OSZE zunächst Mörserfeuer der Separatisten auf ukrainische Stellungen. Erst danach habe die Armee den Beschuss erwidert.

          Der russische Präsident Wladimir Putin mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill.
          Der russische Präsident Wladimir Putin mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill. : Bild: dpa

          Während die Kämpfe andauerten, besuchten die Präsidenten Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, jeweils Gottesdienste zum orthodoxen Osterfest – Putin in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale und Poroschenko in der Kiewer Wladimir-Kathedrale. Das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats, Filaret, sagte während des Gottesdienstes, er sei „gewiss, dass Gott uns den Sieg über den Aggressor geben wird“. Der Moskauer Patriarch Kyrill beschenkte Putin sowie Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew nach dem Gottesdienst mit Ostereiern. Priester im Kampfgebiet segneten die Soldaten wie in unserem Bild in der Nähe von Luhansk.

          Der ukrainische Präsident Poroschenko zum orthodoxen Osterfest in der Wladimir-Kathedrale.
          Der ukrainische Präsident Poroschenko zum orthodoxen Osterfest in der Wladimir-Kathedrale. : Bild: Reuters

          Im Vorfeld des Berliner Außenministertreffens sagte Bundesaußenminister Steinmeier in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“, die neusten Kämpfe zeigten, „dass die Gefahr einer erneuten Eskalation nicht gänzlich gebannt ist“. Deshalb sei es jetzt wichtig, die „nächste Etappe“ bei der Umsetzung der Minsker Waffenstillstandsbeschlüsse vom Februar 2015 zu beginnen. Nun gehe es darum, in den von Separatisten besetzten Gebieten wie vereinbart Lokalwahlen vorzubereiten und den „humanitären Zugang“ sowie den Wiederaufbau in der Ostukraine voranzubringen.

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