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Niederlande in Trauer : Königspaar nimmt die toten Landsleute in Empfang

Ein ganzes Land in Trauer: Niederländische Soldaten tragen eines der ersten Opfer des Flugzeugabsturzes im Sarg über das Rollfeld in Eindhoven. Bild: REUTERS

Die ersten Opfer der Flugzeugkatastrophe in der Ost-Ukraine sind zurück in der Heimat. Nach Tagen der Ungewissheit landete ein Transportflugzeug der niederländischen Luftwaffe mit 40 Leichnamen in Eindhoven.

          Das stundenlange Warten hat ein Ende. Um 15.47 Uhr landet auf dem Eindhovener Flughafen eine niederländisches Transportflugzeug vom Typ Herkules C130 auf. Drei Minuten später folgt eine ebenfalls im ukrainischen Charkiw gestartete australische Boeing des Typs C17-Globemaster.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Als beide Flugzeuge auf einem abgeschiedenen Teil des Flughafens zum Stillstand gekommen sind, marschieren Soldaten auf. Kurz darauf erfüllt der ebenso traurige wie erhabene Klang einer Trompete das Vorfeld. Dann folgt eine Minute vollkommener Ruhe.

          Es ist ein stilles und doch emotionsgeladenes Gedenken an die 298 Männer, Frauen und Kinder, die am vergangenen Donnerstag beim vermutlichen Abschuss der Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH 17 über die Ostukraine ums Leben gekommen sind.

          Jetzt haben die beiden Transportmaschinen die sterblichen Überreste von 40 Passagieren, die auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur waren, wieder in die Niederlande zurückgebracht. Die Laderampen sind abgesenkt.

          Acht Männer tragen gemessenen Schrittes jeweils einen hellen Sarg auf ihren Schultern und schieben ihn anschließend behutsam in einen der wartenden dunklen Leichenwagen. Weniger später wird die Kolonne über die abgesperrte Autobahn in das rund 100 Kilometer nördlich gelegene Hilversum fahren. Dort soll die Identifizierung der Opfer beginnen.

          Fast wie erstarrt verfolgen die Zuschauer, darunter König Willem-Alexander, König Máxima, Ministerpräsident Mark Rutte sowie ein Großteil der niederländischen Regierungsmitglieder, aber auch Gäste aus Herkunftsländern der Opfer im Stehen die Heimkehr der toten Landsleute. Ein paar Meter weiter verfolgen mindestens 1000, sorgsam aus dem Blickwinkel der Kameras ferngehaltene Hinterbliebene die traurige Heimkehr.

          193 Tote stammen aus den Niederlanden. Unter den Opfern sind auch vier deutsche Frauen. Einträchtig weht eine schwarz-rot-goldene Fahne neben anderen, ebenfalls auf Halbmast gesetzten Flaggen in der Nachmittagssonne.

          Dieser 23. Juli ist nicht nur in Eindhoven, sondern auch anderswo im Land ein besonderer Tag. Erstmals seit mehr als fünf Jahrzehnten erleben die Niederlande einen offiziellen „Tag der nationalen Trauer“.

          Einen entsprechenden Gedenktag hatte es zuletzt im Dezember 1962 anlässlich der Trauerfeier für die damals verstorbene frühere niederländische Königin Wilhelmina gegeben.

          Noch am Montag hatte Ministerpräsident Rutte im Parlament auf Anregungen zu einem offiziellen Gedenktag mit dem Hinweis reagiert, dies sei in den Niederlanden nicht üblich. Am Dienstagabend kündigte er dann doch überraschend an, dass der Mittwoch offiziell zum Trauertrag ausgerufen worden sei.

          Über den Meinungsumschwung Ruttes wird in den Niederlanden spekuliert. Die Zeitung „De Volkskrant“ schrieb, möglicherweise habe die für alle Teilnehmer bewegende Begegnung des Regierungschefs mit Hinterbliebenen der Opfer am vergangenen Montag eine Rolle gespielt.

          Möglicherweise ist sein Sinneswandel auch der Mediendemokratie geschuldet. Über den Internetdienst Twitter dringen schon seit Tagen Bürger auf eine „Form kollektiver Trauer“, hieß es in der Zeitung.

          Windmühlräder stehen still

          Tatsächlich hat manche Initiative, zum Beispiel ein abendlicher Schweigemarsch in der Amsterdamer Innenstadt, ihren Ursprung im Internet gefunden. Auch in anderen Städten finden spontan organisierte Gedenkveranstaltungen statt.

          Es sind mehr als nur als Symbole der Betroffenheit. Überall im Land stehen landestypische Windmühlen symbolisch kurz still. Der Königliche Fußballverband hat zu einer Schweigeminute bei allen Spielen aufgerufen. Hörfunk- und Fernsehsender passen ihr Sendeschema an, geplante Werbeblöcke werden aus den Programmen genommen.

          Auch am Amsterdamer Flughafen Schiphol, wo die Unglücksmaschine vor sechs Tagen zur Mittagszeit gestartet ist, wird auf Anzeigentafeln und in einer Schweigeminute der Opfer gedacht. Am Vortag hat Ministerpräsident Rutte die Hoffnungen gedämpft auf eine rasche Identifizierung aller Leichname gedämpft.

          In manchen Fällen könne es schnell gehen, in anderen Fällen über Wochen oder gar Monate dauern. Das Warten hat in Eindhoven am Mittwochnachmittag ein vorläufiges Ende gefunden, die Trauer noch lange nicht.

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