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Vereitelter Anschlag in Paris : „Jetzt zielen die Terroristen auf die Christen“

Die Kirche von Saint-Cyr in Villejuif war eines der Ziele des mutmaßlichen Terroristen. Bild: AFP

Seit Januar sind in Frankreich nach Angaben des Premierministers Valls fünf Anschläge verhindert worden. Die jüngsten Attentatspläne, die jetzt bekannt wurden, offenbaren eine neue Dimension des Terrors.

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          Fünf Terroranschläge sind seit den Pariser Attentaten im Januar in Frankreich durch die Sicherheitsbehörden vereitelt worden. Das hat Manuel Valls am Donnerstagmorgen im Radiosender „France Inter“ gesagt. Für den französischen Premierminister hat sich das Bedrohungsszenario dramatisch verändert: „Zum ersten Mal“ trachteten die Terroristen danach, die christliche Mehrheit, „die Katholiken Frankreichs“ ins Mark zu treffen. „Sich an einer Kirche zu vergehen, das bedeutet sich an einem Symbol Frankreichs zu vergehen“, sagte Valls bei einem Besuch in der katholischen Gemeinde Saint-Cyr in Villejuif, einem im Süden von Paris gelegenen Vorort.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der nur durch einen Zufall gefasste mutmaßliche Terrorist, ein 24 Jahre alter algerischer Informatikstudent, plante nach Erkenntnissen der Ermittler ein Blutbad während der Sonntagsmesse in der Kirche von Saint-Cyr sowie in der benachbarten Gemeinde Saint-Thérèse in Villejuif. Die Polizei fahndet unter Hochdruck nach seinen Komplizen. „Im Januar sollte die Meinungsfreiheit, die Ordnungskräfte und die Juden getroffen werden, jetzt zielen die Terroristen auf die Christen“, sagte der Premierminister.

          Premierminister Manuel Valls (links) und Innenminister Bernard Cazeneuve besuchten am Mittwoch die Kirche Sainte Thérèse in Villejuif bei Paris, die Ziel eines versuchten Anschlags war.

          Der mutmaßliche Terrorist erhielt nach Erkenntnissen der Ermittler seine Order aus dem Ausland, vermutlich aus Syrien. Er soll in Kontakt mit Al Qaida und der Terrororganisation „Islamischer Staat“ gestanden haben. Nach Angaben der Polizei verweigert der junge Mann nach ersten wirren Ausführungen im Verhör jegliche Aussage. In seiner Wohnung in einem staatlichen Studentenwohnheim im 13. Arrondissement von Paris wurden jedoch belastendes Material, unter anderem genaue Pläne der beiden Kirchen und islamistische Propaganda sichergestellt.

          45.000 katholische Kultstätten im Land

          „Was am vergangenen Sonntag hätte passieren können, ist für uns alle ein Schock“, sagte der Premierminister. Bislang stehen die meisten christlichen Kirchen, anders als alle jüdischen Einrichtungen und Synagogen im Land, nicht unter besonderem Schutz. Nur touristische Stätten wie die Kathedrale Notre Dame de Paris und die Basilika Sacré Coeur in Paris werden im Rahmen des Anti-Terror-Plans „Vigipirate“ von Polizei und Soldaten bewacht. „Bei 45.000 katholischen Kultstätten im ganzen Land ist es unmöglich, vor jede Kirche zwei Polizisten aufzustellen“, sagte der Sprecher der Katholischen Bischofskonferenz, Olivier Ribadeau Dumas. „Wir dürfen der Angst nicht nachgeben und müssen ruhig bleiben“, sagte er weiter.

          Valls führte aus, in Frankreich seien nach aktuellen Erkenntnissen 1573 Franzosen in Terrornetzwerke verstrickt. 442 Franzosen kämpften im syrischen Bürgerkriegsgebiet. „Die Bedrohung war noch nie so groß. Wir waren in unserer Geschichte noch nie mit dieser Art von Terrorismus konfrontiert“, sagte Valls.

          Valls verteidigt neues Geheimdienst-Gesetz

          Der Premierminister verteidigte ein umstrittenes Gesetz, mit dem Nachrichtendienste mehr Möglichkeiten auch zur Überwachung bekommen sollen. Gleichzeitig gestand er ein, ein neues Attentat könne nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. „Nein, sicher nicht“, sagte Valls. Frankreich werde für Werte wie Freiheit und Demokratie angegriffen. Deswegen müsse der Krieg gegen den Terrorismus geführt werden.

          Der stellvertretende Vorsitzende des Front National (FN), Florian Philippot, hielt der Linksregierung vor, nicht hart genug durchzugreifen. Der mutmaßliche Terrorist sei den Behörden schon im vergangenen Jahr aufgefallen. Er habe aber nur einen Aktenvermerk erhalten. „Ein Aktenvermerk nützt nichts, nur eine Ausweisung ist effizient“, sagte Philippot.

          Französische Streitkräfte sind Teil einer internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat und bekämpfen seit mehr als zwei Jahren Islamisten in Mali und der Sahel-Zone. Seit Januar, als bei einem Attentat auf „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt 20 Menschen getötet wurden, gilt im Großraum Paris die höchste Alarmstufe.

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