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Freiheitliche Partei Österreichs : Sonnenwenden, Totenreden

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Trauerfeier am Tag der Befreiung

Auch die burschenschaftliche Zeitschrift „Aula“ ist eine Plattform, auf der sich FPÖ-Politiker und Neonazis treffen. Regelmäßig finden sich in dem Magazin Beiträge von FPÖ-Politikern neben Artikeln aus rechtsextremen und neonazistischen Blättern. In einer Ausgabe von 2003 versicherte Strache in einem Interview, die „Aula“ finde in ihm immer einen verlässlichen Ansprechpartner. Er hielt Wort: In der Ausgabe vom September 2006 durfte etwa der deutsche Neonazi Rigolf Hennig, der gerade eine Haftstrafe wegen „schwerer Verunglimpfung des Staates“ absaß, das Ende Israels prophezeien. In unmittelbarer Nähe zu seinem Artikel erschienen Interviews mit Strache und dem Vorsitzenden der FPÖ Steiermark Gerhard Kurzmann. Ende 2011 gratulierte Strache der Zeitschrift zum 60. Jahrestag. Wenige Monate zuvor schrieb ein „Aula“-Autor einen Artikel mit dem Titel „Lügt Klüger?“. Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger hatte anlässlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Mauthausen eine berührende Rede im österreichischen Parlament gehalten. Der Autor des Artikels nannte die Insassen des KZ „kriminelle Elemente“ und die aus dem KZ Befreiten eine „Landplage“.

Nicht nur auf dem Papier treffen FPÖ-Elite, Burschenschafter und Neonazis aufeinander. Auch bei unzähligen Feiern, wie dem Sonnenwendfest. Oder dem Fest am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, den Burschenschafter, Neonazis und Teilen der FPÖ aber gemeinsam als eine Art Tag der Trauer begehen, an dem sie der Helden gedenken. Jedes Jahr und ganz offiziell auf dem Wiener Heldenplatz. 2004 hielt Strache die „Totenrede“, 2011 war er ebenfalls als Redner vorgesehen. Er reagierte jedoch rechtzeitig auf das kritische Medienecho und sagte ab. Andreas Mölzer, FPÖ-Abgeordneter im Europaparlament, kritisierte Straches Absage daraufhin auf seinem Blog: „Wir müssen ihrer gedenken... Es ist vielleicht nicht opportun, aber es ist moralische Verpflichtung! Und das ist gut so!“

Schweigen macht das Schreckliche salonfähig

Artikel über Neonazis, Rechtsradikale und andere Ewiggestrige werden früher oder später langweilig, weil man beim Lesen irgendwann dichtmacht. Abstumpft, um das Schreckliche nicht an sich ranzulassen. Wahrscheinlich ist diese Abstumpfung auch schuld daran, dass kein Politiker von Format im Namen der Republik aufschrie, als Strache letztes Jahr eine antisemitische Karikatur auf seiner Facebook-Seite postete. Oder als ein Foto auftauchte, auf dem der Partei-Vorsitzende den unter Nazis als Alternative zum Hitler-Gruß beliebten Kühnen-Gruß zu machen scheint. Strache behauptete, er habe nur drei Bier bestellt.

Wahrscheinlich waren die Repräsentanten der Republik alle zu abgestumpft, um zu reagieren, als 2007 rauskam, dass Strache als junger Mann in Deutschland in martialischer Aufmachung an sogenannten Wehrsportübungen teilgenommen hatte, wie sie für die damalige Neonazi-Szene typisch waren. Vielleicht ist es aber auch Ignoranz und nicht Abstumpfung, wer weiß das schon. Es spielt auch keine Rolle. Erst das Schweigen macht das Schreckliche salonfähig.

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