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Franziskus : Der Papst als Seelsorger

  • -Aktualisiert am

Papst Franziskus beim Weltjugendtag am 28. Juli in Rio Bild: AP

Papst Franziskus hat mit der Reform der Kurie gerade erst begonnen und erst wenige Personalentscheidungen gefällt. Er hat die „Marke Kirche“ aber bereits aufpoliert.

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          Allzu viele Personalentscheidungen hat Papst Franziskus bisher kaum gefällt. Auch ohne sie verwandelte er in nur einem halben Jahr die von Krisen geschüttelte Kurie aber zu einem Hort froh stimmender Botschaften. Keine Werbeagentur hätte das Image der traditionsreichen „Marke Kirche“ schneller aufpolieren können. Das Haus Gottes habe sich in Barmherzigkeit und Offenheit allen Menschen zu öffnen, die die Kirche suchten, sagte er jüngst im Gespräch mit dem Chefredakteur der Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“. Der Papst will keine neue Theologie. Er will aber eine gnädige Kirche, die sich über „kleine Dinge und engstirnige Regeln“ hinwegsetzt.

          Mit dem Hinweis, dass gute Entschlüsse langsam reifen müssten, beginnt der Jesuit mit der Reform der Kurie. Als Kardinalstaatssekretär folgt auf den 78 Jahre alten Kardinal Tarcisio Bertone, dem Skandale und Kommunikationsprobleme unter Benedikt XVI. angelastet wurden, der 58 Jahre alte bisherige Nuntius in Caracas, Pietro Parolin. Als Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre hat er Erzbischof Gerhard Ludwig Müller bestätigt. Der erst seit 2010 amtierende Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Mauro Piacenza, wurde weggelobt und durch den Präsidenten der Päpstlichen Diplomatenakademie, Beniamino Stelle, ersetzt. Am kommenden Dienstag kommen die acht Kardinäle aus aller Welt zum ersten Mal zusammen, die kollegial eine Reform der Kurien erarbeiten sollen.

          Die Medien berichten nahezu täglich

          Vor allem durch die Flüchtlingswellen aus Afrika und dem Nahen Osten gedrängt, trat der Papst als Mahner für den „bedrängten Bruder“ hervor. Er besuchte die Insel Lampedusa, an der viele Flüchtlingsschiffe aus Nordafrika stranden, und auf Sardinien Cagliari, wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist. Wegen des Kriegs in Syrien verordnete Franziskus der Kirche jüngst einen Tag des Fastens und Betens für den Frieden.

          Längst vergessen scheint die Krise um die gestohlenen Dokumente vom Schreibtisch Benedikts XVI. im „Vatileaks-Skandal“, selbst wenn die Seilschaften noch im Dienst sind. Gegen Missbrauchsfälle war auch Benedikt mit „Null-Toleranz“ vorgegangen. Bis zu seinem letzten Amtstag haben diese Verbrechen das Bild der Kirche aber verdunkelt. Die internen Ermittlungen gegen den ehemaligen Nuntius in Santo Domingo, Erzbischof Josef Wesolowski, ist nur noch Nebenthema. Wesolowski hatte sich am Strand von Santo Domingo junge Knaben dienstbar gemacht.

          Die Kurie verdankt ihren Imagewandel der hohen Präsenz des Papstes aus Argentinien. Nahezu täglich berichten die Medien über ihn, und die Zahl der Pilger bei den Generalaudienzen wächst. Ihre Zahl stieg in diesem Jahr auf 130 Millionen und liegt damit 35 Prozent über dem Vergleichszeitraum von 2012; so war es zuletzt in den besten Jahren von Papst Johannes Paul II. Der Zustrom kommt auch den Vatikanischen Museen zugute, die zehn Prozent mehr Besucher zählten.

          Der Papst verlässt den Vatikan gern und häufig

          Beliebt ist Papst Franziskus zudem, weil er mit seinem Vorgänger brüderlich umgeht. Kaum zur Kenntnis wird genommen, dass er weitgehend dessen Theologie vertritt. Bei Benedikt XVI. hatte sie vielen als „reaktionär“ gegolten. So übernahm Franziskus dessen Entwurf zur Glaubensenzyklika „Lumen Fidei“ („Licht des Glaubens“), die Benedikt wegen seines Rücktritts nicht mehr als päpstliches Dokument edieren konnte; er änderte ein paar Sätze am Anfang und fügte den siebzig Seiten Benedikts eigene zwanzig hinzu. Weltweit wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft. Unter Franziskus’ Namen wurde die Enzyklika zur meistgelesenen seines Vorgängers Benedikts.

          Das Licht des Glaubens strahlt bis in die sozialen Netzwerke. Über Facebook erreiche Franziskus mehr als zehn Millionen Menschen, über Twitter mindestens 60 Millionen, und er habe neun Millionen „Follower“, teilte der Präsident des päpstlichen Medienrates, Erzbischof Claudio Maria Celli, mit.

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