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Franziskus : Auf den Spuren des Patrons

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Franz in Assisi: Papst Franziskus hat bei einem Besuch im Geburtsort des heiligen Franz von Assisi vor Gleichgültigkeit gegenüber der Not anderer Menschen gewarnt Bild: dpa

Der Papst besucht Assisi, wo vor 800 Jahren der Heilige Franz wirkte, und findet Parallelen. Er warnt vor Gleichgültigkeit gegenüber der Not anderer Menschen und ruft zu mehr Bescheidenheit auf.

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          Das kleine umbrische Städtchen Assisi ist für den Besuch des Papstes zu klein. Eigentlich leben nur 30.000 Menschen in dem Ort mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer, seinen Häusern und Gassen, die das Geschehen um den Franziskus, der dort 1181 geboren wurde, wie Gegenwart erscheinen lassen. Aber an diesem Freitag wollen bald viermal so viele Pilger Papst Franziskus sehen, der zum Gedenktag des Namenspatrons gekommen ist.

          So stehen auf den Plätzen Leinwände und übertragen die Bilder, wie der Papst zum Auftakt eine Klinik für behinderte Kinder besucht und dort fast jedem Kind über den Kopf oder die Wange streicht; wie er dann in San Damiano nebenan eintrifft, wo der Heilige Franziskus ein Bekehrungserlebnis hatte. Dann spricht der Papst im Bischofshaus, in dem der Legende nach der Heilige demonstrativ sein Patriziergewand ablegte und zum Bettelmönch wurde.

          „Mögen die bewaffneten Konflikte aufhören“

          Weiter geht es in die Krypta zum Grab des Heiligen, wo der Papst mit Blumen erscheint, um in Stille zu beten. Als Höhepunkt seines eintägigen Pastoralbesuches feiert der Papst auf dem Franziskus-Platz mit etwa 50.000 Gläubigen die Messe. Er sei nach Assisi gekommen, um Gott dafür zu danken, was er mit jenem „Poverello“, jenem armen Mönch Franziskus gemacht habe, um der Welt ein Beispiel zu geben, sagt der Papst während der Messe. Die Begegnung mit Jesus habe den Sohn des reichen Tuchhändlers dazu gebracht, ein gutsituiertes Leben ohne Sorgen aufzugeben, um sich mit der „Herrin Armut“ zu vermählen.

          Zu klein für den Besuch des Papstes: 50.000 Menschen erwarten in Assisi den „Lehrer, der kein Pauker“ ist
          Zu klein für den Besuch des Papstes: 50.000 Menschen erwarten in Assisi den „Lehrer, der kein Pauker“ ist : Bild: AP

          Franziskus sei auf radikale Weise bereit gewesen, „Christus nachzuahmen, sich mit dem zu ‚bekleiden‘, der reich war und arm wurde, um uns durch seine Armut reich zu machen“. Damit wendet sich der Papst an die Politiker in der ersten Reihe, unter denen Ministerpräsident Enrico Letta sitzt: „Mögen die bewaffneten Konflikte aufhören, die die Erde mit Blut tränken; mögen die Waffen schweigen und überall Hass der Liebe weichen. Auch fordert der Papst dazu auf, die Schreie jener Menschen im Heiligen Land oder in Syrien zu hören, „die weinen, leiden und sterben aufgrund von Gewalt, Terrorismus oder Krieg“.

          Es gehe „um eine gründliche Neuordnung“

          Man scheint diese Schreie zu hören; denn die Stimme des Papstes ist leise hauchend; und wenn er schweigt, legt sich Stille über den Platz vor der Kirche, mit deren Bau schon zwei Jahre nach Franziskus’ Tod im Jahr seiner Heiligsprechung 1228 begonnen wurde. Der franziskanische Friede sei „keine Gefühlsduselei“. Er sei auch keine Art pantheistische Harmonie mit den Energien des Kosmos, mahnt der Papst auf dem Platz, auf dem seine Vorgänger Johannes Paul II. 1986 und Benedikt XVI. 2011 zu interreligiösen Treffen mit Religionsführern aus aller Welt zusammenkamen.

          Der Weg der Armut: Franziskus ruft zu mehr Bescheidenheit auf
          Der Weg der Armut: Franziskus ruft zu mehr Bescheidenheit auf : Bild: AFP

          Dieses Mal sind mit dem Papst jene acht Kardinäle des neuen Rates gekommen, mit denen Franziskus in den vergangenen drei Tagen über eine Reform der Kurie beraten hat. Hinter dem Altar steht der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Anfang Dezember und im Februar soll der Rat wieder tagen. Es gehe „um eine gründliche Neuordnung“ der Kurien-Verwaltung, hatte Vatikansprecher Federico Lombardi gesagt – und nicht nur um leichte Veränderungen der bisherigen Kurienordnung „Pastor bonus“ von 1988.

          Die Kirche müsse die Angst loswerden, Tore öffnen

          Im Bischofshaus hatte der Papst zuvor den Klerikern ins Gewissen geredet: Vor allem die Kirche müsse wie Franziskus einen „Weg der Armut“ gehen. Gläubige, die in der Hoffnung auf eine bequeme Religion nicht zum Verzicht bereit seien, nannte Franziskus „Zuckerbäcker-Christen mit schönen Torten, aber keine wahren Christen“. Der mondäne weltliche Mensch stehe dem Geist der Seligpreisung entgegen. „Die geistliche Mondänität tötet die Seelen, tötet die Kirche“, äußerte der Papst in freier Rede.

          Der Papst und jene acht Kardinäle, mit denen Franziskus über die Reform der Kurie beraten hat
          Der Papst und jene acht Kardinäle, mit denen Franziskus über die Reform der Kurie beraten hat : Bild: AP

          Die Kirche müsse sich jedes Handelns enthalten, das nicht für Gott und von Gott sei; sie müsse die Angst loswerden, Tore öffnen und den Ärmsten, den Bedürftigen, den Fernen und Menschen ohne Perspektiven begegnen, sagte der Papst.

          Am Morgen hatte es noch geregnet. Es ist schon Herbst in Umbrien. Aber jetzt scheint für Augenblicke sanft die Sonne, als der Papst nach der Messe im offenen Wagen in den Bischofspalast zur Speisung mit Armen zurückfährt, wo er an den Einsatz der Kirche für verfolgte Juden während der deutschen Besatzung 1943 und 1944 erinnert. Damals habe Bischof Giuseppe Placido Nicolini von Assisi etwa 300 Juden geholfen und sie in den Klöstern der Stadt versteckt.

          Jugendlichen aus dem nahen Todi, die den Papst kurz sehen konnten, wie er in seinem offenen weißen Wagen vorbeifuhr, erinnern sich nicht an den Film „Assisi underground“, der diese Geheimaktion 1985 auf die Leinwände brachte. Aber sie sind ergriffen von dem Papst heute, der „so bescheiden“ sei. Er sei ein „Lehrer, ohne Pauker zu sein“, sagt Claudio. Er habe sich vor kurzem mit den Eltern die Fresken von Giotto in der Basilika angeschaut, die Franziskus so lebendig zeigten – wie er sich die feinen Stoffe vom Leib gerissen hat und der Bischof ihm ein Tuch um den Leib halten muss, damit er nicht nackt dasteht, oder als Heiligen, wie er zu den Vögeln predigt.

          „Das hat uns bewegt, weil wir in der Familie den Eindruck hatten, dieser Franziskus auf den Fresken sei so ähnlich wie dieser Papst heute. Der Name, den sich der Kardinal aus Argentinien gegeben hat, passt“, sagt Claudio. Sein Klassenkamerad fügt an, er wolle eigentlich mit der katholischen Kirche und dem Glauben nichts zu tun haben. „Aber dieser Papst erreicht auch mich, von Mensch zu Mensch.“

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