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Frankreichs Präsidenten : Das süße Leben der ungekrönten Könige

Auch er hat mit den Annehmlichkeiten des Amtes seinen Frieden gemacht: Frankreichs 24. Präsident François Hollande im Élysée-Palast Bild: AFP

Frankreichs Präsidenten schwelgen seit jeher im Luxus. Kontrolliert werden ihre Ausgaben bislang nicht. François Hollande will nun sparen - ein bisschen.

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          Einer der geheimsten Orte des Élysée-Palastes liegt gleich neben dem unterirdischen Kommandozentrum der französischen Atomstreitmacht: der Weinkeller. 15.000 Flaschen der edelsten französischen Reben lagern hier, Châteaux Petrus, Figeac, Ausone und Yquem, feine Burgunderweine und erlesene Champagner „Millésimes“. Über das Kellergewölbe herrscht seit 2007 eine Frau. Chef-Sommelière Virginie Routis wählt die Weine aus, die beim Präsidenten auf den Tisch kommen, bei hohen festlichen Anlässen wie an gewöhnlichen Arbeitstagen. Viel darf Virginie Routis nicht verraten, nur dass alle Weine aus Frankreich kommen – und heute weniger kosten müssen als früher.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Gerade ist Präsident François Hollande von den Prüfern des staatlichen Rechnungshofes (Cour de Comptes) gelobt worden, weil er in seinem ersten Amtsjahr sechs Millionen Euro gespart hat, nicht nur beim Wein, auch bei der Beköstigung seiner Gäste, beim Blumenschmuck, bei Reisen und anderen Spesen. Aber richtig eng hat Hollande den Gürtel nicht schnallen müssen. Mit einem Jahresbudget von 102,9 Millionen Euro darf er immer noch mehr als doppelt so viel wie die Königin von England ausgeben.

          De Gaulle war die Ausnahme

          „Château“ - Schloss nennen die Franzosen den Amtssitz ihrer Präsidenten, und lange durften diese dort auch so walten wie Könige ohne Krone. Bis 2008 unterlagen die Ausgaben des Präsidenten keinerlei Kontrolle. Die wechselnden Mehrheiten im Parlament genehmigten den Haushalt, ohne groß zu fragen. Es schickte sich einfach nicht, dem republikanischen Monarchen ins Portemonnaie zu schauen. Der Gründervater der Fünften Republik, Charles de Gaulle, hielt es nicht für nötig, seine Ausgaben überprüfen zu lassen, und es war bei ihm auch nicht notwendig. Der General ließ sich die Stromrechnungen seiner Privatgemächer im Elysée vorlegen und bezahlte diese aus eigener Tasche. Und wenn er mit seiner Frau, die von den Franzosen als Landesmutter zärtlich „Tante Yvonne“ genannt wurde, am Wochenende die Großfamilie ins Elysée zum Essen einlud, dann beglich er selbstverständlich die Kosten aus seiner Privatschatulle.

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          Aber seine Nachfolger sollten nicht alle so erhaben dem höfischen Zeremoniell im mit schweren Kronleuchtern, goldverzierten Säulen und alten Gobelins, Pilastern, Damast und Marmor geschmückten Palast widerstehen wie der General. De Gaulle war die Ausnahme in dem nicht gerade für seine Sittenstrenge bekannten Palast, in dem die Franzosen am „Tag des Kulturerbes“ noch den Salon der Madame de Pompadour besichtigen können. Zwar steht dort nicht mehr das Bett, auf dem die königliche Mätresse einst Ludwigs XV. harrte, aber ein großer Wandteppich markiert den Ort. Später wählte Napoleon I. den Raum zum Schlafgemach, dessen Deckenfries erotische Motive der griechischen Mythologie zeigt. François Mitterrand lud wenige Tage nach dem Fall der Berliner Mauer die europäischen Staats- und Regierungschefs in den Salon Pompadour ein - um vom historischen Ort aus die Zukunft des europäischen Kontinents zu besprechen.

          Vorschriften gibt es nicht, nur Traditionen

          Bis heute muss sich der Präsident wie ein Auserwählter fühlen, dem stets ein schwarzgewandeter Lakai mit Goldkette um den Hals und weißen Glacéhandschuhen vorauseilt, um laut vernehmlich zu verkünden: „Monsieur le Président de la République“. Journalisten, die ihm gerade Schlagzeilen wie „Hollande - ein Unfähiger!“ gewidmet haben, erheben sich ehrfurchtsvoll, wenn der Präsident zu einer Pressekonferenz erscheint. Auch die Minister stehen selbstverständlich auf, wenn „Monsieur le Président de la République“ den Saal betritt. Hollande, der sich im Wahlkampf vorgenommen hatte, „normal“ zu bleiben, findet zusehends Gefallen an den Ehrerweisungen. Zum Nationalfeiertag ließ er sich bei einem Interview vor der frisch mit dem Sandstrahler gereinigten Gartenfront des Elysée-Palastes in Szene setzen, obwohl er als Kandidat geschworen hatte, auf die monarchische Kulisse verzichten zu wollen.

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