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Frankreich : Umstrittener General Aussaresses gestorben

  • Aktualisiert am

Paul Aussaresses (1918-2013) Bild: AFP

Paul Aussaresses war der erste französische General, der Folter und Exekutionen während des Algerien-Kriegs zugab und rechtfertigte. Nun ist er im Alter von 95 Jahren gestorben.

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          Der für Folter im Algerienkrieg berüchtigte französische General Paul Aussaresses ist tot.  Aussaresses starb bereits am Dienstag im Alter von 95 Jahren, wie ein französischer Veteranenverband am Mittwoch mitteilte. Seine Ehefrau sagte der Nachrichtenagentur AFP, der pensionierte General sei nach einem Krankenhausaufenthalt in einer Kurklinik gestorben.

          Aussaresses hatte 2001 mit seinen Memoiren „Spezialdienste - Algerien 1955/57“ in Frankreich für Empörung gesorgt. Der General beschreibt und verteidigt darin die Folterpraktiken im Algerienkrieg (1954 bis 1962) und schildert seine Beteiligung. Folter sei von den politisch Verantwortlichen in Frankreich „toleriert, wenn nicht sogar empfohlen“ worden. Folterpraktiken seien „legitim, wenn die Dringlichkeit es gebietet“. Wegen Verherrlichung von Folter wurde er deswegen zu einer Geldstrafe von 7500 Euro verurteilt und 2005 vom damaligen Staatschef Jacques Chirac aus der französischen Ehrenlegion ausgeschlossen.

          In einem Interview mit der Zeitung „Le Monde“ sagte Aussaresses einmal, er habe eigenhändig 24 algerische Gefangene getötet. Diese Taten konnten wegen einer Amnestie von 1968 nicht verfolgt werden. Bei dem von beiden Seiten mit außerordentlicher Grausamkeit geführten Krieg wurden rund eine halbe Million Algerier und 30.000 Franzosen getötet, mindestens die Hälfte der algerischen Opfer waren Zivilisten. Der Krieg endete 1962 mit der Unabhängigkeit Algeriens.

          Aussaresses war 1918 in Südfrankreich geboren worden. 1941 meldete er sich zum französischen Geheimdienst und baute später eine bewaffnete Einheit des Auslandsgeheimdienstes mit auf. Aussaresses war im Kolonialkrieg in Indochina im Einsatz und wurde später nach Algerien geschickt, wo er nach eigenen Worten eine „Todesschwadron“ im Kampf gegen die Unabhängigkeitsbewegung anführte. Später unterrichtete der hoch dekorierte Offizier unter anderem Militärangehörige in den Vereinigten Staaten.

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