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Frankreich : Lehrer an der Front gegen den Extremismus

Logo und Maskottchen der Jugendzeitung „Mon quotidien“ zeichnete noch der Chefredakteur von Charlie Hebdo, Charb: Am Donnerstag war Präsident François Hollande in der Redaktion zu Gast. Bild: AFP

Mit „Werteunterricht“ von der Grundschule bis zum Abitur will Frankreich für seine Überzeugungen kämpfen. Das hat Staatspräsident Hollande angekündigt. Die Lehrer sieht er dabei „an vorderster Front“.

          „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ steht in großen Lettern an den Fassaden der meisten französischen Schulgebäude, und diese Devise  soll künftig auch in den Köpfen der Lehrer und Schüler allgegenwärtig sein. Das hat François Hollande im großen Saal der Sorbonne-Universität verlangt und zu einer großen Offensive für die Werte der Republik in allen Klassenzimmern aufgerufen. Nach den Terroranschlägen seien die Lehrer „an vorderster Front“, sagte der Präsident. Die traditionellen Neujahrswünsche an die „Bildungswelt“  hörten sich plötzlich nicht mehr wie eine Pflichtübung an. Das Vokabular des Präsidenten erinnerte an den „Krieg gegen den Terrorismus“, den Premierminister  Manuel Valls in der Nationalversammlung ausgerufen hatte.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Hollande will, dass „Reservisten“ die Werte-Arbeit der Lehrer unterstützen. Gemeint hat der Präsident wohl eher Freiwillige, die Zeit für ein ehrenamtliches Engagement an besonders schwierigen Schulen haben. Vom Schuljahresbeginn im nächsten September an wird ein sogenannter Werteunterricht in die Lehrpläne aufgenommen. „Von der Grundschule bis zum Abitur“ sollten die Schüler beständig aufgeklärt werden über  Rassismus, Antisemitismus, Vorurteile und alle Formen von Diskriminierung, sagte der Präsident. Niemand solle die Schule verlassen,  ohne über seine Rechte und Pflichten als Staatsbürger Bescheid zu wissen.

          Hollande: Noten bleiben nötig

          Dazu zählt insbesondere der Respekt vor der Laizität, der seit 1905 gesetzlich verankerten Trennung von Religion und Staat. An jedem 9. Dezember soll künftig an allen Schulen ein „Tag der Laizität“ begangen werden. Selbst in den Lehrerprüfungen soll künftig bewertet werden, ob die Lehramtskandidaten die Werte der Republik ausreichend verinnerlicht haben. Zugleich plädiert Hollande dafür, die Autorität der Lehrer zu stärken. So sei es nicht akzeptabel, dass Schüler sich anmaßten, Unterrichtsinhalte in Frage zu stellen oder religiös begründete Sonderregelungen forderten. Den Vorstoß seiner Bildungsministerin Najat Vallad-Belkacem, die Noten abzuschaffen, wies der Präsident bei der Gelegenheit entschieden zurück. „Die Schule muss weiterhin benoten“, sagte Hollande, „aber sie darf nicht verletzen und ausgrenzen“, so der Präsident.

          Schon ein gutes Jahrzehnt ist es her, dass eine Gruppe von französischen Lehrern unter dem Titel „Die verlorenen Gebiete der Republik“ das vergiftete Unterrichtsklima  in den Vorstädten anprangert hatte. Die Autoren beschrieben damals, wie sich Schüler weigerten, über den Holocaust oder über den israelisch-palästinensischen Konflikt unterrichtet zu werden, aber auch über die Evolutionsgeschichte oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Sie schilderten, dass in vielen Klassenzimmern Jungen aus Einwandererfamilien die Mädchen zu unterdrücken versuchten, ihnen Kleiderregeln aufzwängen und daran hinderten, sich durch Fleiß und Disziplin in der Schule zu bewähren.

          Parallelgesellschaften mit eigenen Regeln

          Im Jahr 2004 stellte ein Bericht der nationalen Schulinspektion eine Vielzahl von Verstößen gegen das Laizitätsgebot in den Klassenzimmern fest. „In bestimmten Vierteln sind Parallelgesellschaften entstanden. Religiöse Organisationen bearbeiten die Schüler oftmals seit der Grundschule und bringen sie gegen die Schule, die Lehrer und den Unterrichtsstoff auf“, schrieb der Berichterstatter Jean-Pierre Obin damals. In der Sozialistischen Partei war der Bericht damals als rechte Propaganda kritisiert worden.

          Präsident Hollande will aber auch außerhalb der Klassenzimmer die Jugend über die Risiken religiösen Fanatismus' aufklären. Am Donnerstag übernahm er mehrere Stunden die Rolle des Chefredakteurs der täglich gedruckten Jugendzeitung „Mon quotidien“, die sich an Teenager von zehn bis vierzehn Jahren richtet. Der von den Terroristen ermordete Chefredakteur von Charlie Hebdo, Charb, hatte das Logo und das Maskottchen von „Mon quotidien“ gezeichnet.

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