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François Hollande wird 60 : Konfliktscheu und humorvoll

2012 war Hollande auf dem Gipfel seiner Popularität: Die Anhänger der Sozialistischen Partei feierten ihren Präsidentschaftskandidaten Bild: AFP

François Hollande führt Frankreich mit viel Humor und Ausdauer, aber wenig Entscheidungsfreude und Konfliktfähigkeit. Der unerschütterlich Optimist sitzt Konflikte am liebsten aus. Heute ist sein 60. Geburtstag.

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          Wenn er gar nicht mehr weiter weiß, zitiert François Hollande seinen berühmten Landsmann Edmond Rostand: „Nachts ist es schön, an das Licht zu glauben.“ Der siebte Präsident der V. Republik bleibt ein unerschütterlicher Optimist trotz einer verheerenden Bilanz nach gut zwei Jahren Regierungszeit. Obwohl er „den Wandel - jetzt“ versprach, hat der Sozialist nur wenig an den strukturellen Missständen Frankreichs geändert.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Er hat so ziemlich alle Ziele verfehlt, die er sich gesteckt hatte: die europäischen Haushaltsvereinbarungen zu respektieren, die Arbeitslosigkeit zu verringern, Wachstum und Wohlstand für alle. Als ein Scheiternder, dessen Versprechen nur noch müden Spott hervorrufen, ist er zur tragischen Figur geworden. Obwohl er es möglichst vielen Franzosen recht machen will, ist er der unbeliebteste Präsident der Nachkriegszeit. Früh schon warnten politische Beobachter, die Wahl Hollandes in das höchste Staatsamt sei „ein riesiges Missverständnis“.

          Im Mai 2012 wollte eine Mehrheit der Franzosen eine zweite Amtszeit Nicolas Sarkozys verhindern. Hollande wurde als geringeres Übel gewählt. Er war als Überraschungskandidat bei den Vorwahlen der Sozialisten angetreten, nachdem Dominique Strauss-Kahn sich selbst in New York aus dem Rennen geworfen hatte. Die Mutter seiner vier Kinder, seine frühere Lebensgefährtin Ségolène Royal, stichelte damals, Hollande sei für den Elysée-Palast ungeeignet. „Können die Franzosen eine Sache nennen, die er in dreißig Jahren politischen Lebens vollbracht hat?“, fragte sie. Auch Laurent Fabius spottete: „Ehrlich, können Sie sich Hollande als Präsidenten vorstellen? Sie träumen wohl!“

          Er kam mit allen gut aus

          Hollande war bar jeder Regierungserfahrung, als er vor zwei Jahren die Staatsführung übernahm. Seine Anfänge wirkten dann auch wie die eines Dilettanten, der sich ungläubig von den eigenen Heilsversprechen leiten lässt. Hollande erweckte den Anschein, er könne Frankreich aus der Krise führen, indem er Reiche und Unternehmen schröpfte, das Renteneintrittsalter senkte, Zehntausende neuer Stellen im öffentlichen Dienst schaffte und die Sozialleistungen erhöhte. Dann leitete er die große Umkehr ein: Seit Januar umschmeichelt er die Unternehmer, verspricht Steuer- und Abgabensenkungen und predigt Reformen. Er bezeichnet sich als Sozialdemokraten - der Begriff war in seiner Partei lange ein Schimpfwort.

          Seine frühere Partnerin Segolene Royal ließ später kaum ein gutes Haar an ihm Bilderstrecke
          Seine frühere Partnerin Segolene Royal ließ später kaum ein gutes Haar an ihm :

          Selbst in seiner Wahlheimat, der ländlichen Corrèze, ist Hollande nicht mehr wohlgelitten. Dabei verdankt er dem herben Landstrich an den Ausläufern des Zentralmassivs seine politische Karriere. Im Wahlkreis Chiracs erhielt der junge Absolvent der Kaderschmiede Ena Anschauungsunterricht, wie man mit Wählern redet und Kühe tätschelt. Kabinettsposten in Paris blieben seiner Lebensgefährtin Ségolène Royal vorbehalten. Hollande fand sich mit der Rolle des „Schlaffis“ ab, der seine Parteifreunde mit Witzen zum Lachen brachte, aber im großen Postengeschacher meist leer ausging. Nur an der Parteispitze mochten sie ihn nicht missen, weil er mit allen gut auskam.

          Frankreich führt er ein wenig so, wie er die Sozialistische Partei leitete: mit viel Humor und Ausdauer, aber wenig Entscheidungsfreude und Konfliktfähigkeit. In einen Rivalenkampf mit seinem vor Kraft strotzenden Premierminister Manuel Valls lässt er sich nicht treiben. Hollande sitzt Streitigkeiten am liebsten aus. „Constance et circonstances“, Beständigkeit und Gelegenheiten, so hat er sein Lebensmotto einmal zusammengefasst. An diesem Dienstag wird François Hollande sechzig Jahre alt.

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