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Wahlkampf in Frankreich : Fillon im Rennen um Kandidatur der Konservativen vorne

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Die beiden Kandidaten für die Stichwahl der Konservativen: François Fillon und Alain Juppé Bild: AP

Nach der letzten Fernsehdebatte liegt Francois Fillon im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Konservativen vorne – obwohl sein Rivale Juppé in dem Duell für eine ähnliche Politik eintrat.

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          Am Sonntag nominiert die bürgerliche Rechte ihren Präsidentschaftskandidaten und nach der letzten Fernsehdebatte am Donnerstag liegt François Fillon vorne – zumindest in einer Internetumfrage des Marktforschungsunternehmens Elabe im Auftrag des Fernsehsenders BFMTV. 57 Prozent sprachen sich für den 62 Jahre alten Fillon aus. Bei den Anhängern der konservativen Parteien lag die Zustimmung zu ihm sogar bei 71 Prozent. Fillon hat also gute Chancen, am Sonntag zum Kandidaten gekürt zu werden.

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          Rund 8,5 Millionen Zuschauer verfolgten am Donnerstagabend die Fernsehdebatte, die von drei Moderatoren präsentiert wurde. Von der aggressiven Stimmung, die vor der ersten Stichwahl am 20. November unter den Kandidaten der Konservativen geherrscht hatte, war kaum noch etwas zu spüren. Die ehemaligen Premierminister gaben sich bei ihrem Aufeinandertreffen staatsmännisch. Und zeigten, dass sie für eine ähnliche Politik stehen, wenn auch mit „zwei Methoden“, wie die französische Zeitung „Le Monde“ in einem Leitartikel schreibt.

          Beide Kandidaten präsentierten bei der fast zweistündigen Fernsehdebatte ähnliche Vorhaben für die Zukunft Frankreichs, vor allem in den Bereichen Wirtschaft und Soziales. Beide kritisierten die Politik des amtierenden Präsidenten François Hollande heftig und wollen das Land, das er nach seiner fünfjährigen Amtszeit hinterlässt, grundlegend reformieren. Beide kündigten Einsparungen im Haushalt an, wollen das Renteneintrittsalter von 62 auf 65 Jahre anheben und die Arbeitszeit verlängern – für die Zeitung „Le Figaro“ „drakonische Maßnahmen“.

          Doch in der Art und Weise, wie die beiden Kandidaten Reformen umsetzen wollen, zeigten sich am Donnerstagabend die Unterschiede zwischen beiden. Während Fillon für radikale Veränderungen in der französischen Politik und Gesellschaft warb, plädierte Juppé für ein sanfteres Vorgehen, um das von der jüngsten Krise gebeutelte Frankreich nicht zu überfordern. Etwa beim Thema Gesundheit: Während Fillon die französische Gesundheitsversorgung „entstaatlichen“ will und eine Beschränkung auf die „zentralen Risiken“ forderte, kündigte der 71 Jahre alte Juppé an, das bestehende System nicht antasten zu wollen. Denn das sei schon in den vergangenen Jahren „beschnitten worden“.  

          Fillon: „mein Projekt ist radikaler“

          Fillon warf seinem Rivalen Juppé deshalb vor, keine grundlegenden Reformen zu planen. „Er bleibt im System, will es nur verbessern. Mein Projekt ist radikaler und vielleicht auch schwieriger“, sagte der 62 Jahre alte Konservative. Fillon will unter anderem 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen und die Staatskassen um 100 Milliarden Euro entlasten. Unternehmen stellt er niedrigere Steuern in Aussicht. Juppé erwiderte, es sei völlig unrealistisch, im öffentlichen Dienst so viele Stellen zu streichen. Polizei und Pflegepersonal seien ohnehin unterbesetzt. Der Bürgermeister von Bordeaux will nur halb so viele Stellen im Staatsdienst streichen und setzt die möglichen Haushaltseinsparungen etwas niedriger an.

          Fillon warf seinem Rivalen zu große Zaghaftigkeit vor. Juppé entgegnete, er wolle das bestehende Sozialmodell verbessern und nicht „zerstören“. Er plädierte außerdem für ein Frankreich der Vielfalt, während sich Fillon für eine traditionelle Familienpolitik und gegen Multikulturalismus aussprach. Einwanderer müssten sich assimilieren, so Fillons Forderung.

          Auch beim Thema Russland vertraten die beiden eine gegensätzliche Meinung. Während Fillon eine enge Zusammenarbeit mit Russland ankündigte und die westliche Sanktionspolitik als „gescheitert“ bezeichnete, sprach sich Juppé gegen eine Annäherung an Putin aus.

          Welcher Politikstil die konservativen Wähler mehr überzeugt, wird sich am Sonntag zeigen. Die Stichwahl ist wieder für alle Franzosen offen, nicht nur für Parteimitglieder der Konservativen. Die erste Runde am vergangenen Sonntag hatte Fillon mit gut 44 Prozent überraschend deutlich für sich entschieden. Juppé kam auf knapp 29 Prozent, der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy schied mit gut 21 Prozent aus.

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