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Vorwahlen in Frankreich : Der dritte Mann

Empfiehlt sich den französischen Republikanern als Präsidentschaftskandidat: François Fillon Bild: AFP

Kurz vor den Vorwahlen der französischen Republikaner holt François Fillon in Umfragen auf. Er lobt Donald Trump und die Atomkraft – und kritisiert Deutschland.

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          Wen schickt die bürgerliche Rechte gegen Marine Le Pen ins Präsidentenrennen? Bislang schien es, als kämen für die Entscheidungsschlacht im nächsten Frühjahr nur zwei Aspiranten in Frage, der frühere Premierminister Alain Juppé, 71 Jahre alt, oder der 61 Jahre alte frühere Präsident Nicolas Sarkozy. Doch kurz vor der ersten Runde der Vorwahlen, die die Partei Les Républicains (LR) dazu an diesem Sonntag abhält, hat sich mit François Fillon überraschend ein dritter Mann für die Endauswahl empfohlen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Aus der dritten Fernsehdebatte am Donnerstagabend ging der ehemalige Premierminister (2007 bis 2012) als Sieger hervor, meldeten einhellig die Meinungsforscher nach mehreren Zuschauerbefragungen. Die politischen Kommentatoren sprechen von einem „Phänomen Fillon“. Der Ehrgeiz des 62 Jahre alten Fillon, in den Elysée-Palast einzuziehen, war von seinem früheren Vorgesetzten Sarkozy mit Spott bedacht worden. Lange lag Fillon in Umfragen abgeschlagen zurück. Doch die jüngsten Erhebungen zeigen, dass der Abstand zwischen Juppé, Sarkozy und Fillon nur noch ein paar Prozentpunkte beträgt. Der Ausgang des ersten Wahlgangs ist wieder vollkommen offen. Wenn am Sonntag keiner der sieben Kandidaten auf Anhieb mehr als 50 Prozent der Stimmen erzielt, findet am 27. November eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplazierten statt.

          Punkten mit Journalistenschelte

          Fillon punktete im Fernsehen mit Journalistenschelte: „Sie unterbrechen uns, obwohl wir fundamentale Themen anschneiden. ... Sie sind nur auf Spektakel aus, nicht auf Inhalte.“ Sein wirtschaftliches Reformprogramm ist am radikalsten, er will 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst einsparen und die Arbeitszeit für alle Franzosen auf 39 Wochenstunden anheben. Der frühere Präsident Valéry Giscard d’Estaing jubelte am Freitag: „François Fillon ist ernsthaft und ehrlich“, er wäre ein guter Präsident für Frankreich.

          Republikgründer Charles de Gaulle träumte von den Präsidentenwahlen als „Zusammentreffen eines Mannes mit dem Volk“. Er war es, der die Direktwahl per Referendumsentscheid im Oktober 1962 einführte. Fillon tritt in den Vorwahlen als Erbe de Gaulles auf, der zurückkehren will zu dieser Tradition. Inbrünstig forderte er die Franzosen auf, an diesem Sonntag „nach ihren Überzeugungen“ abzustimmen und nicht, um einen Kandidaten zu verhindern oder einen Wunschgegner nach vorn zu bringen. Auch sollten sie sich unabhängig „von den Umfragen und den Medien“ entscheiden.

          Noch ist völlig unklar, wer an der Vorwahl von LR teilnimmt. Wahlberechtigt sind alle Franzosen, die auf den Wählerlisten eingetragen sind. Sie müssen zwei Euro pro Wahlgang entrichten und eine „Charta des politischen Wechsels“ unterschreiben. „Ich teile die republikanischen Werte des bürgerlichen Lagers und der politischen Mitte, und ich setze mich für einen Politikwechsel ein, damit das Wiedererstarken Frankreichs vollbracht werden kann“, liest sich der Wortlaut der Charta. Mehr als 10.000 Wahllokale haben an diesem Sonntag von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Um Betrug vorzubeugen, kann nicht per Briefwahl und per Vollmacht abgestimmt werden. Letzteres ist bei der Präsidentenwahl möglich. Ein elektronisches Abstimmungsverfahren steht nur den Auslandsfranzosen zur Verfügung. Mehr als 58.000 Auslandsfranzosen haben sich für die Abstimmung angemeldet.

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