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Flugzeugunglück in Ägypten : Viele Versionen eines Absturzes

Viele Fragen, keine Antworten: Was brachte den Airbus wirklich zum Absturz? Bild: dpa

Die Spekulationen über die Absturzursache eines russischen Flugzeugs in Ägypten gehen weiter. In einer russischen Zeitung wird gar über eine Bombe an Bord des Fluges 9268 spekuliert.

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          Auch am Montag gedachte Russland der 224 Menschen, die am Samstagmorgen beim Absturz von Flug 9268 über dem Sinai ums Leben kamen. Viele Moskauer legten Blumen und Plüschtiere auf den Gedenkstein an der Kremlmauer, welcher der Rolle Leningrads im Zweiten Weltkrieg gewidmet ist – aus dem heutigen Sankt Petersburg und ihrer Umgebung stammen die meisten Opfer des Absturzes. Die Leichname von 140 Opfern trafen am frühen Montagmorgen in einer Maschine des Katastrophenschutzministeriums aus Kairo in Sankt Petersburg ein. Eine zweite Maschine sollte noch am Montagabend folgen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Auch die Spekulationen über die Ursache des Absturzes gingen am Montag weiter. Vor die Presse trat Alexander Smirnow, der stellvertretende Vorsitzende der Fluggesellschaft Kogalymavia, deren kleine Flotte seit 2012 unter der Marke Metrojet fliegt. Die Verantwortlichen des Unternehmens, zu dem der fragliche Airbus 321 gehörte, stehen seit Samstag unter großem Druck – insbesondere durch die Strafverfolger des Ermittlungskomitees, die umgehend nach Bekanntwerden der Absturznachricht begannen, wegen Verstößen gegen Luftfahrtsicherheitsregeln zu ermitteln. Mehrfach ist kleineren Fluglinien nach Unglücksfällen in Russland die Lizenz entzogen worden; Kogalymavia darf seine vier verbleibenden Airbus-321-Maschinen vorerst nicht mehr einsetzen.

          Angaben wurden nach und nach dementiert

          Von Seiten des Unternehmens hatte es schon am Wochenende geheißen, die Maschine sei in Ordnung, der Pilot erfahren gewesen. Smirnow schloss nun einen „technischen Defekt“, Ermüdungserscheinungen am Material und Pilotenfehler aus. Dies richtete sich auch gegen Vermutungen, die das Ende von Flug 9268 auf eine Beschädigung der Heckflosse des 18 Jahre alten Flugzeugs bei einem Landeanflug auf Kairo im Jahr 2001 zurückführten. „Die einzige erklärbare Ursache wäre eine mechanische Einwirkung auf das Flugzeug“, sagte Smirnow. Somit implizierte er einen Terroranschlag.

          Die Meldungen über den Absturz waren widersprüchlich. Zunächst war von ägyptischer Seite rasch von einem „technischen Defekt“ die Rede, ein Terroranschlag wurde ausgeschlossen. Die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtete, die Besatzung habe sich über Motorstörungen beschwert. In Ägypten wurde zunächst behauptet, der Pilot habe um eine Notlandung ersucht. All diese Angaben wurden nach und nach dementiert, teils durch ägyptische, teils durch russische Offizielle. Das galt am Montag auch für die Analyse der Flugschreiber. Am Sonntag hieß es noch, die beiden „Black Boxes“ würden bereits in Kairo entziffert. Das bestritt der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow.

          Der nach Kairo gereiste Leiter der russischen Flugaufsicht Rosawiazija, Alexander Njeradko, sagte am Montag im russischen Staatsfernsehen, die Entzifferung gehe erst los, wenn alle beteiligten Seiten vor Ort seien – Fachleute aus Russland und Ägypten, vom Hersteller Airbus aus Deutschland und Frankreich sowie aus Irland, wo das Flugzeug registriert war. Njeradko und sein Kollege Viktor Sorotschenko vom Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitee äußerten sich ebenfalls beide zum Absturz, ohne Ermittlungsergebnissen vorgreifen zu wollen. Sorotschenko machte mit Blick auf die Trümmer einen Umkreis von 20 Quadratkilometern aus, Njeradko eine Ellipse von acht Kilometern Länge und vier Kilometern Breite. Sorotschenko äußerte, der Airbus sei noch in der Luft auseinandergebrochen, Njeradko sprach von einer „Zerstörung der Flugzeugkonstruktion in großer Höhe“. Das ließ nach wie vor unterschiedliche Versionen zum Absturzhergang denkbar erscheinen.

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