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Flugzeugabschuss in der Ukraine : Niederländisches Königspaar trifft Angehörige von Opfern

  • Aktualisiert am

Schwerer Gang: König Willem-Alexander and Königin Máxima auf dem Weg zu einem Treffen mit Angehörigen in Nieuwegein Bild: Reuters

Der niederländische König Willem-Alexander und Königin Maxima haben sich mit Angehörigen von Opfern des Fluges MH17 getroffen, um ihnen persönlich Trost zuzusprechen. Die Begegnung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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          Das niederländische Königspaar ist mit Angehörigen von Opfern des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine zusammengetroffen. Auch Ministerpräsident Mark Rutte und andere Mitglieder der Regierung nahmen an der Begegnung teil. Unter den 298 Todesopfern des malaysischen Passagierflugzeugs waren 193 niederländische Staatsbürger. Bei dem Treffen in Nieuwegein bei Utrecht waren keine Medienvertreter zugelassen.

          Nahe der ostukrainischen Stadt Tores hatten am Vormittag drei niederländische Forensiker und mehrere OSZE-Mitarbeiter den Zug in Augenschein genommen, in dem in fünf Kühlwaggons die Opfer des abgeschossenen Flugzeugs aufbewahrt werden. Sie hätten zunächst zwei der fünf Kühlwaggons geöffnet, in denen die Leichname in Plastiksäcken liegen. Augenzeugen berichteten, die Säcke lägen wahllos durcheinander, aus einigen ragten Gliedmaßen heraus.

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          Dennoch hätten die Fachleute befunden, die Aufbewahrungssituation sei derzeit akzeptabel, da die Leichname nun durchgehend gekühlt würden. Auch war keine Rede von einem durchdringenden, sondern von einem „leichten“ Verwesungsgeruch. Wohin der Zug nun gebracht werden soll, ist nach Angaben der Inspekteure am Ort weiter unklar. Die Türen sollten jedenfalls versiegelt werden, berichtete der niederländische Forensiker Peter van Fieten. Das Team wollte anschließend die Absturzstelle nahe der Ortschaft Grabovo besichtigen.

          Die ukrainische Regierung teilte derweil mit, sie sei bereit, die Leitung der Ermittlungen niederländischen Experten zu überlassen. Die meisten Opfer stammten aus den Niederlanden, daher könne das Land auch die Koordinierung der Ermittlungen übernehmen, sagte Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk am Montag. Kiew sei auch bereit, „alle Leichen nach Amsterdam zu überstellen“, um fachgerechte Autopsien zu ermöglichen. Von 272 gefundenen Leichnamen befänden sich inzwischen 251 in dem Kühlzug.

          Aufruf Putins an Separatisten

          Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin die prorussischen Separatisten in der Ostukraine in einer Videobotschaft aufgerufen, den internationalen Experten Zugang zur Absturzstelle der mutmaßlich abgeschossenen malaysischen Passagiermaschine zu geben. „Alles muss getan werden, um die Sicherheit der internationalen Experten am Ort der Tragödie zu gewährleisten“, sagte Putin am Montagmorgen. Er unterstütze die Initiative, die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) an den Ermittlungen der Absturzursache von Flug MH17 zu beteiligen. Am Absturzort seien zwar bereits Vertreter der Ukraine und aus Malaysia am Werk. „Das genügt aber nicht“, sagte Putin.

          Der ukrainische Präsident Poroschenko (rechts) und der niederländische Botschafter in der Ukraine,  Kees Klompenhouwer,  legen vor der holländischen Botschaft in Kiew Blumen nieder Bilderstrecke

          Putin wiederholte zugleich seine Vorwürfe gegen die ukrainische Regierung und wies damit eine russische Verantwortung von sich: „Wenn diese die Waffenruhe nicht beendet und ihre militärische Offensive gegen die Separatisten nicht wiederaufgenommen hätte, wäre es auch nicht zu dem Absturz gekommen.“ Der Kreml habe alle Konfliktseiten mehrfach aufgerufen, die Gefechte einzustellen und sich an den Verhandlungstisch zu setzen. „Russland unternimmt alles, damit der Konflikt zu Gesprächen mit friedlichen und ausschließlich diplomatischen Mitteln übergeht.“

          Putin, der einen dunklen Anzug mit schwarzer Krawatte trug, sprach abermals von einer „Tragödie“, die von keiner Seite politisch ausgeschlachtet werden dürfe. „Solche Ereignisse sollten die Menschen nicht spalten, sondern sie einen“, forderte er.

          Heftige Kämpfe in Donezk

          Unterdessen wurde aus der Ostukraine gemeldet, Soldaten der Regierung versuchten, in die von prorussischen Separatisten kontrollierte Stadt Donezk einzudringen. Ein Anführer der Separatisten sagte am Montagvormittag, es gebe Kämpfe in der Innenstadt in der Nähe eines Bahnhofs. Ein Sprecher der ukrainischen Armee sagte, die Militäroperation sei in einer „aktiven Phase“. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, rings um den Bahnhof seien mehrere Artilleriegeschosse eingeschlagen. Augenzeugen berichteten, Separatisten des Bataillons „Wostok“ verlegten Kampf- und Schützenpanzer ins Zentrum. Die Straßen in der Gegend seien von den prorussischen Separatisten abgesperrt worden, Zivilisten flöhen in Panik zu Fuß und in Minibussen aus der Kampfzone.

          Offenbar wollen die Regierungssoldaten mit ihrer Offensive versuchen, eine seit Monaten am Flughafen eingeschlossene Gruppen ukrainischer Soldaten zu befreien. Vom Donezker Bahnhof aus sei der Flughafen nicht weit, die Soldaten wollten anscheinend einen Landweg von Westen her eröffnen,hieß es weiter.

          Erler: Angewidert von den Vorgängen am Absturzort

          Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, kritisierte die Separatisten scharf: „Ich bin angewidert von dem, was da vor Ort passiert“, sagte Erler am Montag dem Sender Radioeins. Er betonte, dass Russland bislang nichts zur Aufklärung der Tragödie beigetragen habe. „Ständig gibt es mündlichen Zusagen“, zuletzt wieder vom russischen Präsidenten Putin gegenüber dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte. „Aber an der Situation vor Ort ändert sich nichts – das ist eine Provokation.“

          Weitere Sanktionen könnten ein wirksames Druckmittel gegen Russland sein, sagte Erler. Die Wirtschaftslage in Russland sei ohnehin schwierig, neben einer Abwertung des Rubels gebe es „eine massive Kapitalflucht und einen praktischen Stopp der ausländischen Direktinvestitionen durch die Krise“, sagte Erler. „Wenn dazu jetzt noch Maßnahmen gegen einzelne Großkonzerne in Russland kommen, dann wird das die russische Wirtschaft bis hin zu den einzelnen Menschen zu spüren bekommen.“

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