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Frankreich : Flüchtlingslager von Calais wird ab Montag aufgelöst

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Dämmerung im Flüchtlingslager von Calais Bild: AP

Die Räumung des „Dschungels“ von Calais soll nach dem Wochenende beginnen. Die meisten Flüchtlinge könnten in Aufnahmezentren in ganz Frankreich gebracht werden. Für unbegleitete Minderjährige besteht noch Hoffnung, nach Großbritannien zu gelangen.

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          Das Flüchtlingslager im nordfranzösischen Calais wird ab Montag geräumt. Das Innenministerium und die zuständige Präfektur teilten am Freitag mit, die Vorbereitungen würden am Sonntag beginnen. In dem sogenannten Dschungel halten sich nach letzten offiziellen Schätzungen rund 6500 Menschen auf, Hilfsorganisationen gehen von mehr Bewohnern in der Zeltstadt aus.

          Die eigentliche Räumung soll am Montagfrüh um 08.00 Uhr beginnen. Ab dann sollen die meisten der Menschen mit Bussen in Aufnahmezentren im ganzen Land gebracht werden. Dort sollen sie eine Asylantrag stellen können. In den vergangenen Tagen wurden bereits erste Flüchtlinge in andere Orte in Nord- und Südfrankreich gebracht.

          "Wir wollen nicht gezwungen sein, Gewalt einzusetzen", hieß es aus Ministeriumskreisen. Bei einer Teilräumung war es Anfang des Jahres zu Zusammenstößen gekommen, für die der Staat politische Aktivisten verantwortlich machte. Die Behörden schätzen, dass sich in Calais 150 bis 200 Aktivisten der "No Border"-Bewegung aufhalten, die eine Welt ohne Grenzen fordert.

          Hoffnung für unbegleitete Minderjährige

          In Calais sammeln sich seit Jahren Menschen, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen. Das slumartige Lager aus Zelten, Hütten und inzwischen auch staatlich finanzierten Containern entstand Anfang 2015. Die Situation ist ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl auch politisch brisant.

          Für Minderjährige, die sich ohne Verwandte in dem Camp aufhalten gibt es jetzt ein spezielles Verfahren. Sie können zunächst in Containern in Calais bleiben. Bei Kindern, die Angehörige in Großbritannien haben, pocht Frankreich auf eine Familienzusammenführung. Verhandlungen mit London laufen. Die Briten hätten für diese Gruppe den klaren Willen bekundet, zu helfen, heißt es in Paris. Gut 50 Minderjährige aus Calais trafen bis Donnerstag in Großbritannien ein. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass insgesamt rund 1300 unbegleitete Minderjährige im "Dschungel" leben.

          Das Lager am Ärmelkanal hatte immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Im vergangenen Jahr versuchten teils Hunderte Migranten, das Gelände vor dem Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal zu stürmen. Inzwischen sind das Zug-Terminal und der Fährhafen von Calais streng bewacht. Migranten haben aber immer wieder versucht, Lastwagen zu stoppen, um sich an Bord zu verstecken. Der Handel in Calais klagt vor dem Hintergrund der Lage über deutliche Umsatzeinbrüche.

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