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Felipe VI. : König in vier Sprachen

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König Felipe VI. während der Zeremonie im Palacio de la Zarzuela Bild: REUTERS

Mit der Vereidigung von Felipe VI. bricht für das krisengeplagte Spanien eine neue Epoche an. Bei seiner Proklamation verzichtet der Monarch bewusst auf religiöse Symbole – ob das seine Kritiker überzeugt?

          Päpste und Könige können schweigen und Geheimnisse bewahren. Offenbar auch untereinander. Jedenfalls sagte der Spanier Juan Carlos dem Argentinier Franziskus kein Wort, als er ihn im April zum letzten Mal im Vatikan besuchte. Zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung über seine Abdankung längst gefallen. Seit Donnerstag weiß nun alle Welt, dass Spanien einen neuen König hat und der alte zumindest seinen Titel behält. So gibt es fortan neben den beiden Päpsten auch noch zwei Monarchen aus der Dynastie der Bourbonen – aller Voraussicht nach in friedlicher Koexistenz vereint.

          In der spanischen Hauptstadt, wo die Bürgermeisterin die Madrilenen erfolgreich zu festlichem Jubel und die radikale Linke – trotz Demonstrationsverbot – für den Abend zur Verbrennung von Bildern Felipes VI. aufgerufen hatten, begann der Tag mit einer roten Schärpe. Juan Carlos I., der seit Mitternacht Generaloberst der Reserve ist, überreichte seinem Sohn das seidene Tuch und legte so letzte Hand an die Gala-Uniform des neuen Oberkommandierenden der Streitkräfte.

          Kommunistische Partei verlangte Referendum über Staatsform

          Nächste Station war, wie es sich für eine parlamentarische Monarchie gehört, das Parlament. Die beiden Kammern der Cortes hatten mit großen Mehrheiten jenes Abdankungsgesetz verabschiedet, welches der scheidende König am Mittwochabend als letzte Amtshandlung selbst unterzeichnete. Die große Koalition aus Konservativen und moderaten Linken, die im Jahr 1978 die erste demokratische Verfassung nach dem Ende der Franco-Diktatur zuwege gebracht hatte, hielt. Die Kommunistische Partei, die dem damals überraschend pluralistisch voranstrebenden Juan Carlos I. ihre politische Existenz verdankt, stimmte zwar dagegen und verlangte ein Referendum über die Staatsform. Auch die baskischen und katalanischen Separatisten enthielten sich überwiegend oder forderten nationale Unabhängigkeit. Sie verfügen jedoch nicht über genügend Stimmen.

          Felipe VI. konnte sich bei der Proklamation die Krone aus vergoldetem Silber und Samt, die zusammen mit einem Zepter auf einem Kissen lag, nicht aufsetzen, weil sie sich dafür nicht eignet und derlei in Spanien auch nicht vorgesehen ist. So hatte das Zeremoniell zumindest einen republikanischen Hauch. Das Hauptrequisit war eben jene Verfassung, auf die der König seinen Eid ablegte. Bewusst hatte man auf alle religiösen Symbole verzichtet: kein Kruzifix im Saal – und auch keine Messe im Anschluss in der Kathedrale. Hatte sich der Vater vor vier Jahrzehnten als „König aller Spanier“ definiert, so möchte der Sohn, wie er in seiner Antrittsrede sagte, König eines Landes „in Einheit und Vielfalt“ sein. Seine wichtigsten Stichworte waren: politische Neutralität, mehr Volksnähe, beispielhaftes Verhalten (keine Korruption), Solidarität mit den Arbeitslosen, Respekt für die Opfer des Terrorismus und vor allem nationaler Zusammenhalt. Für die Unterstützung dankte er vorab in den vier offiziellen Sprachen: Spanisch, Katalanisch, Baskisch und Galicisch.

          Nach der Verabschiedung mit militärischen Ehren vor den Cortes und einem „Bad in der Menge“ im königlichen Rolls Royce auf den Straßen Madrids, traf der Sohn im Palast nun auch den Vater wieder. Dieser war anders als die Mutter der Proklamation ferngeblieben, weil an diesem Tag Felipe im Vordergrund stehen sollte. Nun winkte man aber gemeinsam dem Volk vom Balkon aus zu. Nur die Schwester Cristina, die wegen der Korruptionsaffären ihres Mannes schon vor einer Weile von allen öffentlichen Auftritten der Königsfamilie ausgeschlossen wurde, fehlte.

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