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Krieg in der Ukraine : Fachleute: „Beschuss kam aus Russland“

Prorussische Separatisten feuern im Februar 2015 mit einem „Grad“-Raketenwerfer auf die ukrainische Armee. Bild: AFP

Ein Militärblogger hat möglicherweise Beweise dafür gefunden, dass die ukrainische Armee im vergangen Sommer von Russland aus beschossen wurde. Moskau hat diese Anschuldigung stets zurückgewiesen.

          Im Sommer des vergangenen Jahres haben die ukrainischen Truppen die prorussischen Separatisten immer weiter zurückgedrängt. Jedoch nur, bis sie heftigem Artilleriefeuer ausgesetzt waren, von dem sei behaupteten, es komme aus Russland. Wirkliche Beweise gibt es dafür bis heute nicht. Nun haben Fachleute Anzeichen gefunden, die diese Theorie stützen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Das Waffen-Recherche-Portal „Bellingcat“ hat für seinen neuesten Bericht öffentlich zugängliche Videos und Satellitenbilder untersucht. Auf den Bildern von „Google Earth“ war ein Feld mit 330 Kratern von Artillerieeinschlägen in der Ostukraine zu sehen. Die Fachleute von Bellingcat haben an diesen Einschlägen eine eigens entwickelte Krateranalysemethode eingesetzt, die nach eigenen Angaben auf international anerkannten Methoden zur Krateranalyse beruht, um die Abschussrichtung der Geschosse zu ermitteln. Als sie dieser Richtung gefolgt sind, haben sie eine mögliche Abschussstelle in Russland gefunden.

          Durch dieses Vorgehen haben sie sechs Orte identifiziert, von wo die Raketen abgefeuert worden sein könnten; fünf davon liegen in Russland. Anhand der Satellitenbilder konnte sogar ermittelt werden, dass es sich bei dem eingesetzten Waffensystem wahrscheinlich um den Mehrfachraketenwerfer „Grad“ oder „Tornado“ handelt.

          Der Waffen-Fachmann Stephen Johnson sagte der britischen Zeitung „The Guardian“, die Anwendung von Krateranalysemethoden auf Satellitenbilder sei „hoch experimentell und fehleranfällig“. Jegliche Ergebnisse müssten mit Vorsicht behandelt und verifiziert werden. Der interessanteste Punkt des Reports sei der Fund möglicher Abschussstellen.

          „Bellingcat“ wird vor allem von dem englischen Militärblogger Eliot Higgins betrieben, der die Plattform im Juli 2014 gegründet hat. Die Mittel dafür kamen aus einer Crowdfunding-Kampagne.  Mit seinen Aktivitäten, die vor allem den Krieg in Syrien betreffen, hat sich Higgins, der auch unter dem Pseudonym Brown Moses bekannt ist, einiges Renommee erarbeitet. 

          Unter anderem beschäftigt sich „Bellingcat“ auch eingehend mit dem Abschuss des Fluges MH-17 über der Ukraine. So hat das Portal Bilder und Videos zusammengetragen, dass ein Raketensystem „Buk“ zeigt, dass für den Abschuss verantwortlich sein könnte. Für ein weiteres Projekt wurden Nutzer aufgerufen, Bilder und Videos von Waffensystemen in der Ostukraine zur Verfügung zu stellen, um deren Bewegungen nachvollziehen zu können.

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