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Fabrizio Saccomanni : Der Haushälter

Fabrizio Saccomanni Bild: AFP

Der Schatz- und Finanzminister Fabrizio Saccomanni soll dafür sorgen, dass das neue italienische Kabinett im Ausland Vertrauen und zu Hause Autorität genießt.

          Fabrizio Saccomanni soll dafür sorgen, dass das neue italienische Kabinett im Ausland Vertrauen und zu Hause Autorität genießt. Die Gewähr dafür soll seine bisherige Arbeit sein: Vor seiner Ernennung zum Schatz- und Finanzminister war Saccomanni die Nummer zwei in der italienischen Notenbank. Ministerpräsident Enrico Letta hat ihn in sein Kabinett geholt, weil gerade dieses Ministerium bei der Aufstellung der Kabinettsliste der großen Koalition nicht dem Parteienproporz unterworfen sein sollte - die Staatsfinanzen sollen jenseits des täglichen politischen Gezerres in sicheren Händen sein. Der 70 Jahre alte Ökonom Saccomanni personifiziert auf vielerlei Weise die Banca d’Italia, die über Jahrzehnte die besten Hochschulabsolventen des Landes angezogen hat und - trotz ihrer lange Zeit begrenzten Unabhängigkeit - für ihre wirtschaftlichen Analysen immer Anerkennung erhielt.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Wie andere Nachwuchskräfte war Saccomanni von der Banca d’Italia zum Aufbaustudium nach Amerika geschickt worden. Die Laufbahn von Saccomanni begann mit Erfahrungen beim Internationalen Währungsfonds und in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Notenbank in Rom. Doch schon bald wurde Saccomanni deren Chefdiplomat, was ihn während der Verhandlungen über die Aufnahme Italiens in die Währungsunion bekannt machte. 2003 ging er als Vizepräsident der Europäischen Entwicklungsbank nach London. Es waren auch die diplomatischen Qualitäten Saccomannis, wegen deren Mario Draghi ihn zu seinem Stellvertreter machte, als er 2006 Gouverneur der italienischen Notenbank wurde. In dieser Funktion versuchte Saccomanni an den Finanzplätzen London und New York davon zu überzeugen, dass Italien nicht mit Krisenländern wie Griechenland oder Spanien verglichen werden dürfe.

          Nun ist Saccomanni die Nummer eins des schwierigsten Ministeriums und sieht sich vielen schwer erfüllbaren Erwartungen gegenüber. Nach Steuererhöhungen und Sparkurs der Regierung Monti wollen die italienischen Politiker nun das Ende der Austerität einläuten und die Staatsausgaben gleich um mehrere Milliarden Euro steigern. Doch das italienische Haushaltsdefizit sollte nach den ursprünglichen Versprechungen gegenüber der EU in diesem Jahr bei null liegen, wird aber nach den bisherigen Planungen ohnehin 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Saccomanni ist daher doppelt vorsichtig und lässt sich auf keinerlei Versprechen für neue Ausgaben ein. Dennoch könnte es für ihn noch schwer werden, die Linie der haushaltspolitischen Vorsicht zu verteidigen. Denn Saccomanni kann zwar hinter den Kulissen vehement seine Positionen verteidigen, blieb nach außen hin aber immer reserviert. Die Rolle des Volkstribuns, der in der Öffentlichkeit markige Erklärungen abgibt, ist dem neuen Schatz- und Finanzminister völlig fremd. Umso mehr wird er nun auch noch im eigenen Haus herausgefordert, durch zwei ehrgeizige und politisch gegensätzliche Vizeminister von den Demokraten Lettas und von Berlusconis Partei.

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