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Eindrücke aus Brüssel : Sirenengeheul durchbricht die gespenstische Stille

Verletzte werden an der Brüsseler Metrostation Maelbeek abtransportiert. Vorher war es dort es zu einer Explosion gekommen. Bild: AP

Eigentlich ein ganz normaler Morgen in Brüssel. Bis zwei Explosionen Belgiens Hauptstadt in den Ausnahmezustand versetzen. Wie F.A.Z.-Korrespondent Werner Mussler die Stunden des Schreckens erlebt.

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          Es ist gegen 9.30 Uhr, als ich mich im Auto der Metro-Station Maelbeek nähere, sie liegt an meinem täglichen Weg ins Büro. Ich bin ein paar Minuten später dran als normalerweise. Eine Rauchwolke hängt über der Gegend, es stinkt, Menschen rennen weinend in die Gegenrichtung. Eine Frau stößt empört das Fernsehmikrofon weg, das ihr ein Reporter unter die Nase hält.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Dass es einen Anschlag gegeben haben muss, ist schnell klar – zumal ich ein paar Minuten vorher im Autoradio gehört habe, dass am Brüsseler Flughafen eine Bombe explodiert sei. Mehr ist in diesem Moment aber nicht zu erfahren; die Polizei hat den Ort des Geschehens provisorisch abgesperrt und lenkt den Autoverkehr nervös in eine Nebenstraße – und dann in den Tunnel, den sie kurz danach absperren werden.

          Krankenwagen rast vorbei

          Erst im Büro erfahre ich: In einer U-Bahn ist wenige Minuten vorher kurz vor der Einfahrt in die Station Maelbeek eine Bombe explodiert. Mittlerweile hat die Feuerwehr bestätigt, dass es dabei 15 Tote und mehr als 50 Verletzte gegeben hat. Die U-Bahn-Station liegt im Herzen des EU-Viertels, nur einen Steinwurf von den Zentralen der Europäischen Kommission und des EU-Ministerrats entfernt. Vor allem für die Mitarbeiter des Rats ist sie die nächstgelegene Station.

          Alle Bediensteten der EU-Institutionen in den umliegenden Gebäuden wurden sofort angewiesen, diese nicht zu verlassen.  Schon auf dem Weg ins Büro rast der erste Krankenwagen an mir vorbei. Viele von ihnen stecken indes zunächst im Verkehrschaos fest, das sich schnell nach dem Anschlag im ganzen EU-Viertel gebildet hat.

          Gespenstische Stille kehrt ein

          Mittlerweile herrscht hier eine gespenstische Stille, die nur immer noch gelegentlich vom Heulen der Krankenwagen durchbrochen wird. Polizeiwagen blockieren Kreuzungen, schwer bewaffnete Soldaten patrouillieren durch die sonst so belebten Straßen des EU-Viertels, auf dem jetzt kaum Menschen zu sehen sind. Die Polizei hat die Menschen aufgefordert, die Häuser nicht zu verlassen.

          Ungefähr einen Kilometer stadteinwärts hat Premierminister Charles Michel nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats in seinem Amtssitz eine erste Bilanz der schrecklichen Ereignisse gezogen. Er spricht von „feigen, gewalttätigen und verabscheuenswürdigen“ Anschlägen und ruft die Bürger des Landes auf, Ruhe zu bewahren. Genaue Zahlen zu den Opfern nennt er nicht. Auch Bundesanwalt Frédéric Van Leeuw gibt unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen erst wenige Details preis. Inzwischen hat die Feuerwehr die Zahl der Todesopfer bei den ersten, am Brüsseler Flughafen verübten Anschlägen auf 11 beziffert.

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