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Erdogan trifft Putin : Ein Zweckbündnis eingefleischter Machtpolitiker

Recep Tayyip Erdogan (links) und Wladimir Putin Bild: AFP

Vieles spricht dafür, dass Erdogan und Putin in St. Petersburg keine antiwestliche Allianz von strategischer Tiefe geschmiedet haben. Sondern allenfalls ein mit Versöhnungsrhetorik verziertes Zweckbündnis.

          So schnell können nach einem politischen Wettersturz die Aussichten wieder äußerst freundlich werden, zumindest im Urteil eingefleischter Machtpolitiker. Drohte nach dem Abschuss eines russischen Jagdbombers im vergangenen November das türkisch-russische Verhältnis eisekalt zu werden (zumal Moskau schmerzliche Strafmaßnahmen verhängte und für den Fall einer Wiederholung mit drastischer Vergeltung drohte), so scheint jetzt wieder eitel die Sonne. Schon sieht der türkische Präsident Erdogan eine neue Epoche in den Beziehungen zu Russland anbrechen – eine Epoche, in der Erdogan und Putin mit väterlicher Strenge über das Wohl ihrer Völker wachen, gar einen Ausweg aus den syrischen Ruinenfeldern finden?

          In der Nato und in der EU sehen einige die Wiederannäherung mit Sorgen, weil sie sich gegen den Westen richten könnte. Man sollte sich nicht selbst Angst einjagen. Zunächst ist festzustellen, dass nicht zuletzt die Nato in höchstem Maße alarmiert war von den Vorfällen im vergangenen Herbst; eine militärische Eskalation schien tatsächlich möglich und musste unbedingt vermieden werden. Dass sich wenigstens diese Wolken verzogen haben, ist Anlass, erleichtert zu sein. Dass der türkische Präsident nun Zuwendung bei Putin sucht, weil er die in Europa nicht zu finden glaubt, ist eher ein Beleg dafür, dass in St. Petersburg keine antiwestliche Allianz von strategischer Tiefe geschmiedet wird, sondern allenfalls ein mit Versöhnungsrhetorik verziertes Zweckbündnis entsteht.

          Denn Russland und die Türkei stehen wirtschaftlich nicht gut da; es gibt Projekte, die wiederaufgenommen oder vorangetrieben werden sollen. Außenpolitisch hat Erdogan schon gegenüber Israel gezeigt, dass er wieder zu vernünftigen Beziehungen bereit ist; diese Flexibilität ist auch notwendig angesichts der langen Liste außenpolitischer Misserfolge. Ja, das türkisch-europäische Verhältnis ist gespannt, nicht anders als das türkisch-amerikanische.

          Aber vielleicht wird auch die Führung in Ankara wieder erkennen, dass der Vorwurf unberechtigt ist, der Westen stehe auf Seiten der Putschisten – und dass Europa der Partner ist, auf den die Türkei nicht verzichten kann. Was die nach dem Putschversuch entdeckte „Solidarität“ zwischen Russland und der Türkei wert ist, sollte sich nirgendwo anders als in Syrien zeigen. Dort aber sind beide Länder faktisch Gegner, die entgegengesetzte Interessen verfolgen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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