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Enrico Letta im Porträt : Nervenstarker Problemlöser

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Kein Misserfolg erlaubt: Enrico Letta Bild: dpa

Für die Politiker von Berlusconis Partei war Enrico Letta stets einer der vertrauensvollen Ansprechpartner der Sozialdemokraten. Nun wird Letta Italiens zweitjüngster Regierungschef.

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          Enrico Letta soll Italien als neuer Ministerpräsident aus der Krise führen. Der 46 Jahre alte stellvertretende Vorsitzende der Demokratischen Partei (PD) ist einer der jungen Politiker Italiens, gehört aber zum überkommenen Parteiensystem. Damit kann er eine Brücke zwischen den altbekannten Namen und den jungen Italienern bauen, bei denen jeder Dritte ohne Arbeit ist.

          Für Italiens Politik sei Letta ein geradezu „sehr junger“ Mann, sagte Staatspräsident Giorgio Napolitano nach dessen Ernennung, aber auch ein Politiker mit „sehr viel Erfahrung“. Letta, der im August 1966 in Pisa in einen Professorenhaushalt hineingeboren wurde, war oftmals der Jüngste: der jüngste Abgeordnete im Parlament, der jüngste Europaminister und zwischen 2006 und 2008 der jüngste Bürochef eines Ministerpräsidenten, von Romano Prodi. Nun wird Letta Italiens zweitjüngster Regierungschef.

          Anfang der neunziger Jahre war der Politologe und promovierte Europarechtler Letta in die Jugendbewegung der Christdemokraten eingetreten, umgehend wurde er in den Vorstand gewählt. Grund seines Erfolgs sei nicht ein großer Ehrgeiz, sondern seine zähe und verantwortungsbewusste Art, Probleme zu lösen und auf Menschen zuzugehen, sagen Freunde. Als im Jahr 2007 Links- und Christdemokraten die Demokratische Partei (PD) gründeten, wurde Letta - wie selbstverständlich - stellvertretender Vorsitzender. Letta hielt stets im Hintergrund die Fäden zusammen und wusste die Wogen zwischen den Parteiflügeln zu glätten. Er arbeitete loyal dem früheren PD-Parteichef Dario Franceschini zu, so wie er es heute gegenüber dem Parteichef Pier Luigi Bersani tut. Zugleich ist er einer der Vertrauten des früheren Ministerpräsidenten Prodi. Alle drei haben ihn wohl dem Staatspräsidenten empfohlen.

          Gute Verbindungen auch ins rechtsbürgerliche Lager

          Auch ins rechtsbürgerliche Lager unterhält Letta Verbindungen. Seinen Onkel Gianni Letta hatte er 2006 als Bürochef des Ministerpräsidenten abgelöst, als das Amt von Silvio Berlusconi auf Prodi überging. Gianni Letta wird gern die graue Eminenz hinter Berlusconi genannt. Enrico und Gianni Letta sind nicht ersten Grades verwandt, und sie sehen sich seltener, als gemeinhin angenommen wird. Für die Politiker von Berlusconis „Volk der Freiheit“ (PdL) war Letta stets einer der vertrauensvollen Ansprechpartner im PD. Berlusconi war es wohl nicht schwergefallen, Lettas Kandidatur zu unterstützen.

          Letta, der mit einer Journalistin vom „Corriere della Sera“ verheiratet ist und mit ihr drei Söhne hat, wird nachgesagt, er habe Nerven wie Drahtseile. Die braucht er jetzt. Napolitano gab ihm mit auf den Weg, er dürfe keinen Misserfolg haben, er müsse ein stabiles und lange arbeitendes Kabinett gründen, das Italien aus der Krise führen könne. Letta habe bei allem einen klaren ethischen Kompass, sagt ein früherer Senator. Er sehe sich als einen sozial engagierten Katholiken und denke jetzt vor allem an Reformen in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Seine Freunde sind sich gewiss: Letta, der als Schüler einige Jahre in Straßburg verbrachte, werde bald zu den angesehenen Regierungschefs in Europa gehören.

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