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Putin-Film : Zum Kampf bereit

Der russische Präsident Wladimir Putin vor einem Jahr nach der Annexion der Krim. Bild: AP

Der Film „Die Krim - der Weg ins Vaterland“ transportiert neben Putins Version der Krim-Annexion auch eine politische Botschaft: Der Westen sollte froh sein, dass Putin in Moskau an der Macht ist.

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          Schon vor seiner Ausstrahlung im russischen Fernsehen am Sonntagabend hatte der Film „Die Krim - der Weg ins Vaterland“ hohe Wellen geschlagen. Der Grund dafür war ein als Vorankündigung gezeigter kurzer Ausschnitt, in dem Wladimir Putin ein Datum dafür nannte, wann die Operation zur „Rückholung“ der Krim begonnen habe. Der Beschluss war demnach schon mehr als eine Woche alt, als Putin Anfang März vergangenen Jahres öffentlich sagte, ein Anschluss der Krim an Russland stehe nicht auf der Tagesordnung. Auf der Grundlage eines Gesprächs mit Putin zeichnet der Film zweieinhalb Stunden lang mit vielen Details nach, wie sich die Ereignisse auf der Krim in den dreieinhalb Wochen zwischen dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und der Annexion der Krim am 18. März aus Sicht der russischen Führung entwickelt haben.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Die eigentliche Bedeutung des Films liegt aber nicht in Putins erzählfreudigen Schilderungen, wie er die Flucht Janukowitschs aus der Ukraine organisierte und wie er das Krim-Parlament vor den entscheidenden Abstimmungen von russischen Sondereinheiten besetzen ließ, sondern in einer Botschaft an den Westen: Russland ist zu einer militärischen Konfrontation bereit - und Putin selbst ist in Moskau eine mäßigende Kraft.

          Am Anfang, so sagt Putin in dem Film, sei nicht klar gewesen, ob der Westen auf der Krim militärisch eingreifen werde. Daher habe er angeordnet, Einheiten des Raketensystems „Bastion“, eine der modernsten Waffen der russischen Streitkräfte, an der Küste der Krim zu stationieren: „Wir haben sie bewusst so aufgestellt, dass sie aus dem Kosmos zu sehen waren.“ Auf die Nachfrage des Reporters, ob das bedeute, dass auch die russischen Atomwaffen in Kampfbereitschaft versetzt worden seien, antwortete Putin: „Wir waren bereit, das zu tun.“ Russland sei auf die „ungünstigste“ Entwicklung vorbereitet gewesen. Er schiebt dann nach, er glaube nicht, dass irgendwer einen „globalen Konflikt“ herbeiführen wollte, denn der Westen habe „keine Ahnung“, wofür er auf der Krim gekämpft hatte, „aber wir wissen das, und wir sind dazu bereit“.

          Auf diese Worte folgt eine Stelle, die auffällt, weil es die einzige des Films ist, an der von verschiedenen Meinungen in der russischen Führung die Rede ist und an der Worte Putins in indirekter Rede wiedergegeben werden: Später, so der Filmemacher, habe man ihm im Verteidigungsministerium erzählt, dass die Militärs dem Präsidenten eine Demonstration aller Mittel der Streitkräfte vorgeschlagen hätten. Darauf habe Putin geantwortet: Bei aller Dramatik der Lage sei der Kalte Krieg doch vorüber, man brauche keine Situation wie während der Kuba-Krise - und außerdem seien die Systeme der nuklearen Abschreckung ohnehin immer einsatzbereit.

          Der Gegensatz zwischen Militärs, die zu einem konfrontativeren Auftreten geneigt waren, und dem abwägenden Putin wird dann nochmals anekdotisch aufbereitet. Zuerst darf der Kommandeur der Schwarzmeerflotte Aleksandr Witko aus seiner Sicht schildern, weshalb russische Kampfflugzeuge bis auf Schussweite an amerikanische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer herangeflogen seien: Das sei eine Warnung an die Amerikaner gewesen, die diese durch ihr Verhalten erzwungen hätten. Dann wird Putin zu diesem Vorfall befragt. „Da haben sie Unfug getrieben und mir vorher nichts gesagt“, sagt er - dabei nachsichtig lächelnd wie ein Vater, der seine Kinder zwar tadeln muss, insgeheim aber stolz auf ihre Frechheit ist.

          Für das russische Publikum wird in dem Film die Dämonisierung der Ukrainer vorangetrieben - vielleicht auch im Ausblick auf den kommenden Sommer: Gegen Ende wird ein fast leerer Stausee gezeigt, der das Trinkwasserreservoir der Krim-Hauptstadt Simferopol ist. Es sei zu „hundert Prozent bewiesen“, dass ukrainische Nationalisten geplant hätten, das Wasser dort zu vergiften, was zu einem Massensterben auf der Krim geführt hätte. Mit dem ursprünglich antisemitischen Klischee der Brunnenvergiftung wird auf eine der Schwierigkeiten der Krim verwiesen: Ihre Wasserversorgung hängt vom ukrainischen Festland ab. Schon im vergangenen Sommer gab es damit Schwierigkeiten, die auf der Krim zu gewaltigen Ernteausfällen geführt haben sollen. Eine Lösung ist im Moment nicht abzusehen. Und wenn der Sommer trocken wird, könnte er auch wegen des Wassers heiß werden.

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