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„Ehe für alle“ : Vincent und Bruno sagen „Oui“

Sie sind jetzt Mann und Mann: Vincent Autin (l.) und Bruno Boileau Bild: Reuters

Unter großem Polizei- und Journalistenaufgebot, Jubel und Applaus haben in Frankreich die ersten beiden Männer geheiratet. Sogar die Wortführerin der Gegner der „Ehe für alle“, Frigide Barjot, gratulierte dem Hochzeitspaar.

          Sogar Frigide Barjot übermittelte dem Paar ihre Glückwünsche: In Montpellier haben zum ersten Mal in der Geschichte Frankreichs „Monsieur“ und „Monsieur“ den Bund der Ehe geschlossen. Der 40 Jahre alte Vincent Autin und der zehn Jahre jüngere Bruno Boileau gaben sich am Mittwochabend im Rathaus das Jawort. Das „Oui“ der beiden Männer verfolgten hunderte Journalisten aus aller Welt, die sich zu der Feier eingefunden hatten. Das französische Fernsehen übertrug die Zeremonie live. Dutzende Polizisten hielten Wache, aus Sorge vor den Gegnern der Homosexuellen-Ehe, die in den vergangenen Wochen auch mit Spontanaktionen wie Straßensperren und Pfeifkonzerten auf sich aufmerksam gemacht hatten. Doch Wortführerin Frigide Barjot hat mittlerweile die Proteste für beendet erklärt und dem Paar gratuliert.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Vincent, Bruno, wir werden, Sie werden einen historischen Moment erleben. Einen historischen Moment für unser Land, für unsere Republik“, sagte Bürgermeisterin Hélène Mandroux, als sie die Eheschließung vornahm. Die Sozialistin trug die blau-weiß-rote Schärpe der Bürgermeister, die in Frankreich auch als Standesbeamte wirken. „Sie haben sich diesen Tag erträumt, jetzt wird dieser Tag Wirklichkeit“, sagte Frau Mandroux.

          „Erster Schritt zur vollen Gleichberechtigung“

          Die französische Regierungssprecherin und Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem, die in der ersten Reihe Platz genommen hatte, klatschte besonders laut. Frau Vallaud-Belkacem hatet bereits angekündigt, dass die „Ehe für alle“ ein erster Schritt zu einer vollen Gleichberechtigung Homosexueller sein soll. Sie will die Schulbücher ändern und die Homosexualität von Schriftstellern, Künstlern oder Wissenschaftlern herausstellen.

          Diese Aufwertung behagt einem Teil der Franzosen jedoch weiterhin nicht. Obwohl das Gesetz über die Ehe für alle schon in Kraft ist, protestierten am Sonntag mehrere hunderttausend Gegner in Paris. Sie sehen die Grundfesten der Gesellschaft in Gefahr und warnen vor einer weiteren Auflösung der traditionellen Familienstrukturen.

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