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Die ukrainische Opposition : Ohne Wolfsangel

„Freiheit“ als Parteiname: Oleh Tjahnybok, Anführer der Nationalisten Bild: dpa

Einer der führenden Köpfe der ukrainischen Revolution ist Oleh Tjahnybok, Führer der nationalistischen Partei „Swoboda“. Welche Bedeutung hat der Nationalismus in der ukrainischen Opposition?

          Die ukrainische Revolution hat drei Köpfe: den Boxweltmeister Vitali Klitschko, den Fraktionschef der „Vaterlandspartei“, Arsenij Jazenjuk, und Oleh Tjahnybok, den Führer der nationalistischen Partei „Swoboda“ (Freiheit). Tjahnybok ist eine facettenreiche Figur. Er ist gemeint, wenn das Regime der Opposition vorwirft, sie sei von Rechtsradikalen durchsetzt, und in der Tat ist dieser Vorwurf nicht aus der Luft gegriffen. Während andere Regimegegner mit ukrainischem Nationalismus wenig gemein haben (Klitschko oder die inhaftierte frühere Ministerpräsidentin Timoschenko sind zum Beispiel russische Muttersprachler, und die Revolutionshochburg Kiew ist von nationaler Toleranz geprägt), stammt er aus der westukrainischen Tradition eines militanten Nationalismus, der im Zweiten Weltkrieg seine Kämpfer gegen Polen, Deutsche und Juden, vor allem aber gegen die Sowjetmacht ins Feld geschickt hat.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Bedeutung dieses Nationalismus ist außerhalb seiner westukrainischen Stammregion aber lange gering gewesen. Rechtsradikale Parteien haben nach der Unabhängigkeit im Jahr 1991 anders als etwa in Russland nie eine große Rolle gespielt, und Tjahnyboks „Swoboda“ hat noch in der Parlamentswahl von 2007 gerade 0,76 Prozent der Stimmen bekommen. Dann aber geschah das Überraschende: 2012 gewann die Partei 10,44 Prozent, und Tjahnybok saß fortan im Führungstrio der Opposition. Seither suchen Soziologen nach Erklärungen. Zwei Theorien stehen zur Wahl: Die Ukraine ist zwischen 2007 und 2012 so weit nach rechts gerückt, dass eine nationalistische Partei einen natürlichen Platz in ihrer Mitte hat, oder die „Swoboda“ hat sich so verändert, dass sie akzeptabel geworden ist.

          Von der SS-Wolfsangel hat sich „Swoboda“ getrennt

          In der Tat hat „Swoboda“ einen weiten Weg zurückgelegt. Der westukrainische Nationalismus, auf den sie sich beruft, ist in der Zwischenkriegszeit entstanden, als die Ukraine zwischen Polen, der Sowjetunion, Rumänien und der Tschechoslowakei geteilt war. Die „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN) stand damals unter dem Einfluss des europäischen Faschismus. Autoritär, rücksichtslos, nach dem Führerprinzip aufgebaut, kämpfte sie in ihren diversen Ausprägungen (unter anderem als „Ukrainische Aufständische Armee“ UPA) im Zweiten Weltkrieg erfolglos für eine unabhängige Ukraine – gegen Russen und Polen, dann aber auch gegen die deutschen Besatzer. Streckenweise suchte sie auch das Bündnis mit Deutschland, wobei sie in dessen Verbrechen und den Holocaust verwickelt wurde.

          Tjahnyboks „Swoboda“ hat in den neunziger Jahren noch erkennbar die Merkmale dieser Linie getragen. Sie hieß damals in Anlehnung an die NSDAP „Soziale Nationale Partei der Ukraine“ und trug in ihrem Wappen die „Wolfsangel“, das Symbol der SS-Division „Das Reich“. Ihre Publikationen feierten die Ukraine als „Wurzel der weißen Rasse“, als „Vorposten Europas“ gegen Russland und die „asiatische Horde“. Die Hauptrichtung war antirussisch, aber auch Antisemitismus und Feindschaft gegen sexuelle Minderheiten kamen zutage – nicht zuletzt in einer Rede Tjahnyboks, in der er noch 2004 die Partisanen der Kriegszeit dafür pries, dass sie nicht nur gegen Russen und Deutsche gekämpft hätten, sondern auch „gegen Juden und anderen Abschaum“.

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