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Deutungsstreit um FAZ.NET-Video : „Nicht werfen, nicht schlagen. Keine Steine, nichts“

Bild: F.A.Z.

Die Kämpfe der Demonstranten mit der Polizei sind nur gespielt - das behaupten regierungsnahe ukrainische Medien und strahlen zum Beweis Szenen eines Videos dieser Redaktion aus. FAZ.NET veröffentlicht die ungeschnittene Version.

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          Während in der ukrainischen Hauptstadt Kiew die Massenproteste der europafreundlichen Opposition gegen die Regierung von Präsident Viktor Janukowitschs weitergehen, ist in den Medien des Landes am Mittwoch ein Video von FAZ.NET zum Thema des Tages geworden. Mehrere Fernsehsender zeigten Ausschnitte des Films in ihren Hauptnachrichten, eine weitere Raubkopie auf der Website Korrespondent.net wurde bis zum Donnerstagabend mehr als hunderttausend Mal aufgerufen. Auch russische Medien wie der regierungsnahe Sender NTV berichteten.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Film zeigt Boxweltmeister Wladimir Klitschko, den Bruder des Oppositionsführers Vitali Klitschko, bei einer Verhandlung mit Offizieren der Sonderpolizei Berkut über die friedliche Räumung einer Barrikade am frühen Dienstagmorgen. An diesem Tag hatte die ukrainische Polizei die Blockade des Regierungsviertels durch Gegner Präsident Janukowitschs gewaltsam durchbrochen. Der Hauptstützpunkt der oppositionellen Europabewegung, der Unabhängigkeitsplatz „Majdan Nesaleschnosti“ konnte einen massiven Polizeiangriff am Tag darauf allerdings abwehren und hält sich bis heute.

          Vitali Klitschko spricht am Dienstag auf dem Unabhängigkeitsplatz mit Polizisten
          Vitali Klitschko spricht am Dienstag auf dem Unabhängigkeitsplatz mit Polizisten : Bild: AFP

          Wladimir Klitschko und Abgeordnete aus der Partei seines Bruders Vitali bitten in dem Film von FAZ.NET einen Polizeiführer darum, bei der Einnahme der Barrikade auf übermäßige Gewalt zu verzichten. Sie versprechen im Gegenzug, dass die Demonstranten sich an bestimmte Spielregeln halten würden. Die Sicherheitskräfte müssten allerdings hinnehmen, das man sie bei der Aktion ein wenig „schubsen“ werde. „Das muss sein“, sagt einer von Klitschkos Begleitern. Man könne aber versprechen, dass die Demonstranten weder Steine werfen noch Polizisten schlagen würden. „Keiner wird etwas werfen“, sagt Wladimir Klitschko.

          Anschließend wendet er sich an die Demonstranten und fordert sie auf, keine Gewalt anzuwenden und jeden „Provokateur“ zu „packen“, der irgendetwas auf die Polizei werfe. Dann fügt der Boxweltmeister hinzu: „Wenn hier einer etwas wirft, um den kümmere ich mich persönlich“. Anschließend reißt die Polizei die Barrikade ein – wie verabredet mit ein wenig „Schubsen“. Zu schweren Gewaltanwendungen aber kommt es auf beiden Seiten nicht. 

          Klitschko: „Wer etwas wirft, um den kümmere ich mich persönlich“

          In regimenahen ukrainischen Medien wie dem Fernsehsender 1+1 wurde die erfolgreiche Intervention Wladimir Klitschkos als Beweis dafür dargestellt, dass die Kiewer Opposition die Gewalt des Regimes gegen sie mit Hilfe williger Polizeioffiziere lediglich „spiele“. Ein Nachrichtensprecher sagte, es scheine, dass Klitschko sich mit der Polizei „darauf verständigt, wie dieser Kampf imitiert werden kann“. Auch im russischen Fernsehen, wo die ukrainische Europabewegung in den schwärzesten Farben dargestellt wird, waren solche Deutungen zu hören. Der Sender NTV, der die Politik Präsident Wladimir Putins unterstützt, schrieb, auf dem FAZ.NET-Video sei zu sehen, wie Opposition und Polizei sich „über einen gespielten Kampf verständigen“.

          Vitali Klitschko wies FAZ.NET gegenüber die Darstellung am Donnerstag zurück. Er sagte, die Worte seines Bruders Wladimir in dem Film seien „aus dem Zusammenhang gerissen“ worden. Um den vermissten Zusammenhang herzustellen veröffentlicht FAZ.NET die Aufnahme von der Verhandlung mit der Polizei nun ungekürzt.

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