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Serbenführer Vojislav Šešelj : Formal unschuldig

Im Krieg: Der Führer der serbischen Ultranationalisten, Vojislav Šešelj (Mitte), 1991 im kroatischen Vukovar Bild: AFP

Nach fast zwölf Jahren Prozessdauer entlässt das Haager Tribunal den einstigen serbischen Kriegstreiber Vojislav Šešelj aus der Haft. Ein Urteil liegt immer noch nicht vor.

          Als das UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien im Februar 2003 Anklage gegen den serbischen Radikalenführer Vojislav Šešelj erhob und seine Überstellung nach Den Haag verlangte, war der mutmaßliche Kriegsverbrecher einer der wichtigsten Politiker seines Landes. Bei der Präsidentenwahl im Jahr zuvor hatte er 36 Prozent der Stimmen erhalten. Seine „Serbische Radikale Partei“ (SRS) befand sich im Aufwind und hoffte auf eine baldige Rückkehr an die Macht.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Die äußerst umfangreiche Anklageschrift des Tribunals, vorgelegt von dessen damaliger Chefanklägerin Carla Del Ponte (die Šešelj als „Schweizer Nutte“ beschimpfte), bezichtigte den einstigen Freischärlerführer unter anderem, für die Deportation von Kroaten und Muslimen in den jugoslawischen Zerfallskriegen der neunziger Jahre verantwortlich zu sein. Sie lastete ihm und seinen Untergebenen Mord, Folter, Plünderungen, die Zerstörung ganzer Dörfer und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kroatien, Bosnien und in der serbischen Provinz Vojvodina an. Šešelj habe von 1991 bis 1993, als er mit dem damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milošević in Konflikt geriet (weil der ihm zu weich und nachgiebig war), an einem „kriminellen Unternehmen“ teilgenommen.

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