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Dankbares Irland : Auf der Insel der Merkelseligen

Fast synchron: Irlands Premierminister Enda Kenny und Bundeskanzlerin Angela Merkel Bild: AFP

Nach allerlei Anpassungsmaßnahmen hoffen die Politiker in Dublin, allmählich die Krise überwunden zu haben. Deutschland und die Bundeskanzlerin habe man als hilfreich erlebt, heißt es dort.

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          Irlands konservativer Regierungschef Enda Kenny wurde schon gelegentlich als „Angela’s Best Boy“ bezeichnet, aber auch sein Koalitionspartner von der Labour Party - Außenminister Eamon Gilmore - formuliert Sätze, die Bundeskanzlerin Merkel eher selten aus den europäischen Krisenländern zu hören bekommt. „Ich sehe keinen Wert in Schuldzuweisungen“, sagt Gilmore diplomatisch. „Deutschland hat seine Führungsrolle zu spielen, und wir in Irland konzentrieren uns darauf, aus der Krise herauszukommen.“

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Glaubt man dem offiziellen Dublin, ist nach sechs Sparhaushalten langsam das unter Politikern und Diplomaten so beliebte „Licht am Ende des Tunnels“ erkennbar. Vor zwei Jahren, als die Koalition in Irland gebildet wurde und er zum ersten Mal als Außenminister nach Berlin reiste, sei er noch gefragt worden, ob ein „zweiter Bail-out“ nötig werde, erinnert sich Gilmore. Inzwischen habe die Regierung „85 Prozent der schmerzhaften Anpassungsmaßnahmen“ umgesetzt und beginne sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch beim Wirtschaftswachstum kleinere Fortschritte zu sehen.

          „Die Liebe der Iren war schon größer“

          „Dieses Land hat von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble außerordentliche Unterstützung erhalten“, schwärmt Brian Hayes, Staatssekretär im Finanzministerium, und legt noch eine Schaufel Dankbarkeit drauf. „Deutschland war mehr als hilfreich beim Überwinden der Krise.“ Nicht den geringsten Zweifel will Hayes daran aufkommen lassen, dass auf die Iren - im Gegensatz zu den Südeuropäern, aber auch den europamüden Briten - Verlass ist und bleiben wird. „Es gibt eine Menge Unterstützung für den Euro“, versichert er. „Die Leute wollen, dass die Wirtschaft zurückkommt - deswegen sind sie bereit, all die Opfer zu ertragen.“

          Im Vergleich zu den Südeuropäern wirken die Iren fast irritierend duldsam. Hier und da wurde eine Demonstration gemeldet, aber für ein Land, das in der Geschichte durchaus Rebellions- und Widerstandsgeist (gegen das benachbarte Königreich) bewiesen hat, ist es erstaunlich ruhig geblieben. Man sollte dies aber nicht mit Zustimmung verwechseln, rät Sean Whelan, der die Krise für den Fernsehsender RTE verfolgt. „Die Liebe der Iren war schon größer“, sagt der Journalist - zum Euro, zur EU, auch zu den Deutschen, die viele für das „Spardiktat“ verantwortlich machten.

          Das Prinzip Buße

          Dass es auch unter der irischen Oberfläche gärt, zeigt ausgerechnet der höchste Repräsentant des Staates, Präsident Michael Higgins. In einer Rede vor dem EU-Parlament warnte er unlängst, dass die Bürger Europas von einem Verlust des Zusammenhalts ebenso bedroht seien wie von einem Defizit demokratischer Kontrolle. Ende vergangener Woche machte er dafür in der „Financial Times“ indirekt den Austeritätskurs der Bundeskanzlerin verantwortlich. Das als „hegemonial angesehene Modell“ sei „ein wirkliches Problem“, sagte Higgins und forderte stattdessen einen „mehrschichtigen Ansatz“. Gilmore bemüht sich seither, die Aussagen seines Präsidenten einzufangen und als regierungskonform zu interpretieren. Man sei schließlich immer der Auffassung gewesen, dass man „nicht auf einem Flügel“ fliegen könne, sagt er. Gemeint ist: Sparen und wachstumsfördernde Maßnahmen gehören zusammen.

          Bislang spüren die Iren nur Ersteres. Gehälter wurden gekürzt, Sozialleistungen eingeschränkt, Entlassungen vorgenommen. Dennoch regen sich - sieht man von der linken Sinn Fein ab - kaum Proteste. Die Erklärungen dafür variieren. In Wahrheit wisse man, dass nicht nur Banker und Politiker an der Misere schuld seien, sondern jeder einzelne Ire „überdreht“ habe, sagt ein Mann im Pub. Gemeint ist: In einem katholisch geprägten Land verstehe man etwas vom Prinzip Buße. Im Arbeitermilieu wird auch von „schlichter Resignation“ gesprochen. Nicht so gern präsentiert man in Irland das Argument, dass der hiesige Absturz aus vergleichsweise luftigen Höhen erfolgte und nicht im Bodenlosen endete: 14 Prozent Arbeitslose - davon können Portugal, Spanien oder Griechenland nur träumen.

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