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Dänemark : Mordanschlag auf Islamkritiker

Entging knapp dem Attentatsversuch: der dänische Islamkritiker Lars Hedegaard Bild: dpa

Der dänische Islamkritiker Hedegaard ist Ziel eines Attentatsversuchs geworden. Als Postbote getarnt feuerte ein bisher unbekannter Täter auf den 70 Jahre alten Publizisten.

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          Der dänische Islamkritiker Lars Hedegaard ist nach Polizeiangaben am Dienstag in Kopenhagen das Ziel eines Attentatversuchs geworden. Ein etwa 30 Jahre alter, dunkelhaariger Mann habe sich als Postbote ausgegeben und in Hedegaards Wohnung einen Schuss auf den 70 Jahre alten Publizisten abgegeben, ihn aber verfehlt. Nach einem Handgemenge sei der Täter geflohen. Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt bezeichnete den Anschlag als abscheulich.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hedegaard ist als entschiedener Befürworter der 2005 in der Zeitung „Jyllands-Posten“ veröffentlichten Mohammed-Karikaturen aufgetreten; auf zwei der Zeichner dieser Karikaturen sind in der Vergangenheit Attentate verübt worden. Hedegaard unterstellt muslimischen Zuwanderern Fundamentalismus. Die Mehrheit der Imame in Dänemark interpretiere den Islam als eine politische Ideologie, deren totalitärer Charakter mit dem von Kommunismus und Nazismus vergleichbar sei, lautet eine von Hedegaars Thesen. Außerdem werteten viele Muslime Gewalt gegen Frauen nicht als Verbrechen.

          Im vorigen Jahr hat das oberste dänische Gericht eine wegen solcher Äußerungen in erster Instanz verhängte Geldstrafe aufgehoben, weil sie ohne Hedegaards Wissen verbreitet worden seien. Hedegaard war Ende der achtziger Jahre Chefredakteur der linksliberalen Tageszeitung „Information“. Danach wurde er Kolumnist der konservativen Zeitung „Berlingske Tidende“, mit derer Führung er sich überwarf, weil er mehr über den Islam schreiben wollte.

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