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D-Day und die Ukraine-Krise : Obama und Putin reden doch miteinander - kurz

  • Aktualisiert am

Kein Handschlag vor den Kameras: Obama und Putin Bild: AFP

Eigentlich wollten sie sich bei den D-Day-Feierlichkeiten aus dem Weg gehen. Doch jetzt haben sich der amerikanische Präsident Obama und Russlands Präsident Putin doch zu einem kurzen Gespräch getroffen. Die Stimmung bleibt eisig.

          Damit hatten viele nicht mehr gerechnet: Der amerikanische Präsident Barack Obama und der russische Präsident Wladimir Putin haben sich am Rand der D-Day-Feiern nun doch zu einem kurzen Gespräch getroffen. Das teilte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag mit. Das Weiße Haus in Washington sprach von einem „informellen Gespräch“. „Obwohl das kein eigens angesetztes Treffen war, hatten die Staatsoberhäupter die Möglichkeit, ihre Meinungen über die Lage in der Ukraine auszutauschen - und auch über die Krise in der Ostukraine“, sagte Kremlsprecher Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Putin und Obama hätten sich für ein rasches Ende aller militärischen Handlungen ausgesprochen.

          Obama, der Putin während seiner Europa-Reise immer wieder scharf kritisiert hatte, hatte ein direktes Gespräch mit dem russischen Präsidenten zuvor nicht ausgeschlossen. „Sollten wir die Gelegenheit zum Reden haben, werde ich dieselbe Botschaft wiederholen, die ich ihm während der Krise gesagt habe. Wir werden sehen, was Putin in den nächsten zwei, drei, vier Wochen macht“, sagte Obama. Bleibe Putin auf seinem Kurs, müsse er mit weiteren Strafmaßnahmen rechnen.

          Kühle Begegnung zwischen Merkel und Putin

          Am Rande der D-Day-Feierlichkeiten war am Freitag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Putin  zusammengetroffen. Sie sprachen im französischen Deauville beim ersten persönlichen Treffen seit Beginn der Ukraine-Krise über Wege zur Wiederannäherung. Zur Begrüßung gaben sich Merkel und Putin kurz die Hand, die Atmosphäre wirkte kühl. Die Politiker saßen vor den Flaggen beider Länder an einem Tisch relativ weit voneinander entfernt. Das Treffer dauerte etwa eine Stunde.

          Merkel habe bei ihrem Treffen mit Putin die Überzeugung geäußert, dass nach der international anerkannten Präsidentenwahl in der Ukraine jetzt die Zeit genutzt werden müsse, „um eine Stabilisierung der Lage insbesondere in der Ostukraine zu erreichen“, teilte die Bundesregierung nach dem Gespräch mit. Russland müsse seiner großen Verantwortung dabei gerecht werden. Nach russischen Angaben soll bei dem Gespräch ein Plan auf dem Tisch gelegen haben, um die schwerste Sicherheitskrise in Europa nach Ende des Kalten Krieges zu entschärfen. Putins Sprecher sagte der Agentur Interfax: „Putin und Merkel haben sich voll und ganz auf die ukrainischen Angelegenheiten konzentriert - auf die Suche nach einer ukrainischen Lösung.“ Auf die Frage, ob es auch um Meinungsverschiedenheiten gegangen sei, sagte der Sprecher: „Genau dem war das Gespräch gewidmet.“

          Am Rande der Feiern trafen erstmals auch Putin und der designierte ukrainische Staatschef Petro Poroschenko zusammen. Wie aus dem Umfeld des französischen Präsidenten François Hollande am Freitag verlautete, dauerte das Treffen etwa eine Viertelstunde und fand vor dem Mittagessen der Staats- und Regierungschefs im Schloss von Bénouville statt. Auch Bundeskanzlerin Merkel nahm neben Hollande an dem Treffen teil.

          Merkel hatte seit der international scharf kritisierten Annexion der Krim durch Russland vor knapp drei Monaten immer wieder mit Putin telefoniert, ihn aber nicht mehr persönlich getroffen. Nach dem Treffen mit Putin wollte Merkel auf Einladung des französischen Präsidenten François Hollande in Bénouville knapp 40 Kilometer westlich von Deauville an einem gemeinsamen Mittagessen der Staats- und Regierungschefs teilnehmen.

          Auf dem Soldatenfriedhof von Colleville-sur-Mer, nahe des wegen seines hohen Blutzolls berühmt gewordenen Omaha-Strandes verneigte sich Amerikas Präsident Barack Obama vor den Kriegsveteranen der alliierten Landung. „Wir sind Euch für immer dankbar“, sagte Obama in Anwesenheit von Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande.“ Die Soldaten von damals hätten Demokratie und Freiheit verteidigt. „Dieser Anspruch steht auf diesem Strand in Blut geschrieben“, so Obama unter dem Applaus Tausender Zuhörer.

          Sollte die diplomatische Initiative scheitern, drohen die führenden westlichen Industriestaaten Russland schärfere Wirtschaftssanktionen an. Das kündigten die G7-Staaten auf ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag in Brüssel an.

          Am Donnerstagabend hatte Putin bereits in Paris den britischen Premier David Cameron getroffen. Cameron übermittelte dem Kremlchef nach Angaben einer Sprecherin „einige sehr klare und sehr deutliche Botschaften“. Die beiden Politiker kamen auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle zusammen. Die russische Agentur Interfax meldete, bei der Begrüßung hätten beide Politiker einen Handschlag vermieden. Im Anschluss wurde Putin vom französischen Präsidenten François Hollande im Élysée-Palast empfangen.

          Nach einer Umfrage sind 89 Prozent der Deutschen der Meinung, dass die westlichen Staaten weiterhin im Gespräch mit Russland bleiben sollen. Nur neun Prozent hätten die Überzeugung geäußert, dass man Russland so weit wie möglich isolieren sollte. Das ergab eine Umfrage des ARD-Deutschlandtrends.

          Der amerikanische Botschafter John B. Emerson lobte die Ukraine-Politik Merkels. „Die Bundeskanzlerin und Präsident Obama arbeiten in der Ukraine-Krise sehr gut und sehr eng zusammen – von Anfang an“, sagte Emerson der „Berliner Morgenpost“. Merkel sei in der Ukraine-Politik der wichtigste Verbündete Amerikas, so Emerson.

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