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Christoph Blocher : Der Oberschweizer

  • -Aktualisiert am

Aus kleinen Anfängen zu Erfolg und Reichtum: Christoph Blocher Bild: Eilmes, Wolfgang

Er ist 73, Milliardär und ganz nach dem Geschmack konservativer Schweizer. Mit der Zustimmung zu seiner Initiative gegen die „Masseneinwanderung“ erlebt der alte Kämpfer Blocher eine politische Neugeburt.

          Mit 73 Jahren ist Christoph Blocher in einem Alter, in dem sich selbst viele umtriebige Politiker in den Ruhestand verabschiedet haben. Nicht so der Matador der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP). Dem Milliardär aus Herrliberg hoch über dem Zürichsee hat die Partei den Aufstieg zur wählerstärksten politischen Kraft im Land zu verdanken. Aus der Parteiarbeit hat sich der kraftvolle, aber auch polternde Redner weitgehend zurückgezogen. Er amtiert aber weiter als stellvertretender Parteipräsident und Chefstratege.

          Immer im Januar zieht es viele Anhänger auf das „Albisgüetli“ bei Zürich, um der Grundsatzrede zu lauschen, die Blocher dann dort hält – in einer Art vorgezogenem politischen Aschermittwoch der SVP. Am vergangenen 17. Januar beherrschte die von der SVP lancierte Volksinitiative für eine Zuzugsbegrenzung von Ausländern Blochers Auftritt. Der Volkstribun aus einem Pfarrerhaushalt, wie so oft begleitet von seiner Frau, enttäuschte seine Anhänger nicht. Er warb in seiner mit historischen Rückgriffen gespickten Rede für ein Ja gegen die „Masseneinwanderung“. Denn bei einem Nein werde es der Schweiz jedes Jahr schlechter gehen. „Dann drohen soziale Spannungen“, sagte er dunkel und erntete, wie immer, großen Beifall.

          Nach dem Geschmack konservativer Schweizer

          Bundespräsident Didier Burkhalter von der FDP als Gast blieb vor dieser Kulisse nur noch der – nicht ungeschickte – Versuch, die Zuhörer mit dem Bekenntnis für sich einzunehmen: „Wir alle sind Schweiz-Turbos. Wir alle sind Patrioten.“

          Blocher ist nach dem Geschmack konservativer Schweizer. Geboren nahe Schaffhausen, hat er es aus kleinen Anfängen zu Erfolg und Reichtum gebracht. Davon zeugt seine bedeutende Sammlung von Gemälden Schweizer Maler wie Albert Anker und Ferdinand Hodler, die im Keller seiner weitläufigen Villa hängen. Sein Unternehmen, der Automobilzulieferer Ems-Chemie nahe Chur, wird heute erfolgreich von einem seiner vier Kinder geleitet. Zwar lebt die Ems-Chemie von ihrer Einbettung in die Weltwirtschaft, während Blocher doch stets der „Heimattreue“ das Wort redet und die EU geradezu verteufelt. Der Mann mit württembergischen Vorfahren ist für seine Anhänger aber ein Patriot, wie er im Buche steht.

          Mit der – wenn auch knappen – Zustimmung zu seiner Initiative gegen die „Masseneinwanderung“ erlebt der alte Kämpfer eine politische Neugeburt. 1992 hatten er und seine SVP mit derselben hauchdünnen Mehrheit die Ablehnung eines Beitritts der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erkämpft. Auch an jenen Triumph erinnerte der Politiker auf dem „Albisgüetli“. Damals habe das ganze Establishment bei einem Nein den Untergang der Schweizer Wirtschaft vorhergesagt; heute gehe es dem Land besser denn je, frohlockte Blocher. Auch er stieg auf und brachte es bis zum Justizminister in Bern. 2007 wurde er in einem parteiübergreifenden Coup abgewählt. Am Sonntag plädierte er über seinen Internetsender „Tele-Blocher“ für „harte Verhandlungen“ mit Brüssel. Seit Juni 2013 gehören ihm auch 20 Prozent der „Basler Zeitung“.

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