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Carles Puigdemont : Der Mann, der Katalonien in die Unabhängigkeit führen will

  • -Aktualisiert am

Der Neue und der Alte: Carles Puigdemont und hinter ihm sein Vorgänger Artur Mas Bild: AFP

Völlig überraschend ist Carles Puigdemont, bislang Bürgermeister von Gerona, zum Ministerpräsidenten Kataloniens gewählt worden. Den Bruch mit Spanien vertritt er noch kämpferischer als sein Vorgänger.

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          Noch am vorigen Samstagmorgen hatte Carles Puigdemont keine Ahnung davon, dass er nur wenige Stunden später neuer Ministerpräsident der spanischen Region Katalonien sein würde. Doch kurz bevor die Frist zur Regierungsbildung ablief und automatisch Neuwahlen verfügt worden wären, war der amtierende Regierungschef Artur Mas bei der Wahl eines Platzhalters auf ihn verfallen. Der 53 Jahre alte Bürgermeister von Gerona sollte garantieren, dass die „antikapitalistische“ CUP-Partei, die Mas ablehnt, einen anderen als Ersatz akzeptiert, um so vorgezogene Wahlen zu vermeiden.

          So geschah es. Aber so recht wusste der Wuschelkopf noch immer nicht, wie ihm geschah, als er am Abend im Parlament verloren um sich schaute, bis sein Mentor ihn aufmunternd umarmte. Zu diesem Zeitpunkt wussten beide schon, dass der häufigste Vergleich zwischen ihnen der zwischen Putin und Medwedew war. In der Tat will Mas´ Medwedew nur die kommenden achtzehn Monate bis zur „Unabhängigkeit“ regieren. Der scheidende Schatten-Regierungschef schloss hingegen ein Comeback nicht aus.

          Eigentlich wollte Puigdemont Astronaut werden, weil die Mondlandung auf ihn als Kind gehörigen Eindruck gemacht hatte. Doch dann wurde er Journalist und aktiver Separatist. In dem einen Beruf diente er verschiedenen „katalanistischen“ Publikationen, dann wagte er den Sprung in die Politik. Als Parlamentsabgeordneter und schließlich Bürgermeister von Gerona vertrat er offensiv den Bruch mit Spanien. Er gelangte rhetorisch sogar bis zu dem Punkt, an dem er „die Invasoren vertreiben“ wollte.

          Der militante Sohn eines Konditors gehört zu der ursprünglich bürgerlich-konservativen Convergència-Partei von Mas. Als solcher verteidigte er in den vergangenen Monaten auch den früheren, wegen diverser Finanzdelikte in das Visier der Justiz geratenen früheren Präsidenten der Generalitat Jordi Pujol. Ebenso wie Mas das Thema Korruption, nämlich die berüchtigten „drei Prozent“ Provision aus öffentlichen Aufträgen, aussparte, so erwähnte auch Puigdemont es in seiner Antrittsrede mit keinem Wort.

          Dafür fand er allerlei kämpferische Formulierung bis zu seiner eigenen „Haut“, die er gerne für die Unabhängigkeit opfern werde. Katalonien, so versicherte er, befinde sich für die nächsten achtzehn Monate in einer Phase der „Post-Autonomie und Vor-Unabhängigkeit“. Wem das zu unklar war, für den schob er nach: „Mein Regierungsprogramm ist das gleiche wie das von Artur Mas.“

          Damit bewegt sich Puigdemont auf glattem Grund. Er könnte der erste Ministerpräsident Kataloniens in der vierzigjährigen demokratischen Geschichte Spaniens werden, der wegen Ungehorsams gegenüber dem Verfassungsgericht von seinem Amt suspendiert wird. Dabei hat er so viel vor. So möchte er als Antimonarchist verhindern, dass Kronprinzessin Leonor einen Titel ihres Vaters Felipe VI. übernimmt und sich „Prinzessin von Gerona“ nennen darf.

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