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Cameron-Nachfolge : Der Weg für Theresa May ist frei

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Als Innenministerin im Kabinett von David Cameron kennt Theresa May Downing Street 10 schon. Bild: AFP

Die Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom zieht ihre Kandidatur für das Amt des Premierministers zurück. In der Labour-Partei beginnt der Führungskampf dagegen erst.

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          Im innerparteilichen Wettbewerb um die Nachfolge des britischen Premierministers David Cameron gibt es eine überraschende Wende: Die Kandidatin Andrea Leadsom hat ihre Kandidatur zurückgezogen. Das kündigte die Energie-Staatssekretärin am Montag in einer kurzen Rede vor ihrem Haus in London an. Damit ist Theresa May die einzige Kandidatin der Tories als Nachfolgerin von Cameron.

          Leadsom sagte, sie habe mit ihrer Kandidatur nur das beste für das Land gewollt. Sie glaube, dass der Verlassen der EU eine bessere Zukunft für Großbritannien bedeute. Dafür brauche das Land aber eine starke Führung. Theresa May sei wegen ihrer Position ideal, den Austritt aus der EU durchzusetzen und habe versprochen, dass auch zu tun. Außerdem genieße sie die Unterstützung von 60 Prozent der Tory-Fraktion im Parlament und Leadsom selbst nur 25, was nicht ausreiche.

          May war am Montag in Birmingham, um für sich zu werben. Bei Leadsoms Ankündigung war sie auf dem Weg nach London. An ihrer Stelle dankte ihr Kampagnen-Organisator Chris Grayling Leadsom für ihren Einsatz. May sei extrem geehrt, dass die Partei ihr dieses Vertrauen schenke. In ihrer Rede in Birmingham sagte May, dass Brexit auch Brexit bedeute und die Briten einen Erfolg daraus machen würden.

          Die Entscheidung, was nun passiert, trifft das sogenannte „1922-Komitee“ unter dem Vorsitzenden Graham Brady, an den auch Leadsoms Brief adressiert war, den sie am Montag verlas. Theresa May, die verbleibende Kandidatin im Rennen, könnte sehr bald zur Premierministerin gewählt werden, möglicherweise noch am Montag. Aus der Downing Street 10, dem Sitz des britischen Premierministers, heißt es, die Übergabe des Premierministerpostens könnte schon „sehr bald“ stattfinden.

          Als andere Option gilt, dass May zur Parteichefin ernannt wird und Cameron noch bis Oktober im Amt bleibt, so wie er es bei seinem Rücktritt angekündigt hat. Eine wichtige Rolle spielt der Parteivorstand der Konservativen. Dieser könnte auf eine Urabstimmung, wie sie ja eigentlich vorgesehen war, bestehen.

          Eine Rolle spielt auch Königin Elisabeth II. Premierminister David Cameron wird ihr sein Rücktritt erklären müssen und dann wir die Partei ihr mitteilen, wen sie als Nachfolger von Cameron gerne in Downing Street 10 sehen würde. Die Königin wird diese Person dann bitten, ihr Premierminister zu werden.

          Was ist mit Corbyn?

          Die britische Labour-Abgeordnete Angela Eagle hat ihre Bewerbung um den Vorsitz der Partei offiziell gemacht. „Dies sind dunkle Zeiten für Labour, und sie sind gefährlich für unser Land“, sagte die 55 Jahre alte ehemalige Gewerkschafterin bei einer Pressekonferenz am Montag. Der amtierende Parteichef Jeremy Corbyn sei „unfähig, die Führung zu geben, die für diese riesige Aufgabe nötig ist“, fügte sie in Anspielung auf den Brexit hinzu.

          Eagle zählte zu Corbyns Schattenkabinett, bevor eine parteiinterne Revolte gegen ihn losbrach. Nun hat sie die nötige Unterstützung von 51 Labour-Abgeordneten im Parlament, um Corbyn herauszufordern. Es wird nun noch geklärt, ob der derzeitige Labour-Vorsitzende qua Amt ebenfalls auf dem Wahlzettel steht, der den Parteimitgliedern vorgelegt wird, oder ob er ebenfalls 51 Unterstützer braucht. Dann könnte es eng für ihn werden. Ende Juni stimmten nur 40 Labour-Abgeordnete in einer Vertrauensabstimmung für ihn, 172 aber gegen ihn. Corbyn blieb dennoch im Amt und verwies darauf, dass er von den Parteimitgliedern mit großer Mehrheit gewählt worden sei.

          Nach dem Votum für den EU-Austritt Großbritanniens beim Referendum am 23. Juni geriet der Parteichef unter Druck. Viele warfen ihm vor, sich nur halbherzig gegen einen Brexit eingesetzt zu haben.

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