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Burkini-Debatte in Frankreich : Religion darf sichtbar sein

Burkini-Trägerin am Strand von Marseille Bild: AP

Religion gehört zum öffentlichen Leben. Sie darf deshalb sichtbar sein, solange sie ein friedliches Zusammenleben ermöglicht. Man darf sich öffentlich zum Kreuz bekennen – und am Strand auch einen Burkini tragen.

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          Wer religiöse Zeichen aus dem öffentlichen Raum verbannen will, der muss auch das offene Tragen eines Kreuzes polizeilich unterbinden lassen. Frankreich hat im Angesicht des islamistischen Terrors seinen Laizismus auf die Spitze getrieben. Es hat schon vor Jahren die Verschleierung des Gesichts in der Öffentlichkeit gesetzlich untersagt. Und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat darin keinen Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention gesehen. Doch mit seinem Burkini-Strandverbot geht der französische Staat auch seinen eigenen Richtern zu weit – der Staatsrat hat die Maßnahme am Freitag aufgehoben.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Tatsächlich lässt auch ein Land, dem die strikte Trennung von Staat und Religion heilig ist, jedes Maß vermissen, wenn Frauen in Ganzkörperbadeanzügen von staatlichen Organen öffentlich gemaßregelt werden oder sich gar zum Enthüllen gezwungen sehen. Das heißt freilich überhaupt nicht, dass Burkinis ein Allheilmittel zur Integration wären und nicht jeder frei wäre, die dahinterstehende Haltung zu missbilligen. Doch gibt es eben einen Unterschied zwischen der Verhüllung des Gesichts im öffentlichen Raum, gar an Schulen, in Gerichten und Universitäten, und dem Bedecken von Armen und Beinen am Strand. Der Staatsrat sieht in dem staatlichen Verbot eine Verletzung grundlegender Freiheiten.

          Nicht nur Frankreich muss sich freilich die Gretchenfrage stellen, wie sich Staat und Islam in Zeiten islamistisch geprägten Terrors zueinander verhalten sollen. Es ist eine Gratwanderung zwischen klarer Kante und offenem Austausch. Nicht nur Gewalttäter, sondern auch Fundamentalisten, welche Freiheit und Gleichheit bekämpfen, müssen sich ändern – oder sie haben hier allenfalls im Gefängnis Platz.

          Doch jeder Bürger und Gast, der sich an das europäische Wertefundament hält, muss auch mit seinem Glauben und seinen Haltungen ernst genommen werden. Der Säkularismus, wie er in Deutschland eine lange Tradition hat, scheint bisher eher zu gesellschaftlichem Frieden und Integration beizutragen als die strikte Laizität Frankreichs. Religion gehört zum öffentlichen Leben. Religion darf deshalb sichtbar sein, solange sie ein offenes, friedliches Zusammenleben ermöglicht. Man darf sich also bekennen – auch zum Kreuz.

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