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Serge und Beate Klarsfeld : Die berühmteste Ohrfeige der Nachkriegsgeschichte

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Beate und Serge Klarsfeld bei der Ordensverleihung in Paris. Die deutsche Botschafterin applaudiert. Bild: AFP

Ihre Ohrfeige für Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger machte Beate Klarsfeld weltberühmt. Mit ihrem Mann Serge brachte sie viele Nazi-Verbrecher vor Gericht. Nun werden beide mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

          Es ist eine bemerkenswerte Beziehung, die im Mai 1960 auf einem Pariser Metro-Bahnsteig ihren Anfang nimmt. Ein deutsches Au-Pair-Mädchen trifft den Sohn eines in Auschwitz ermordeten Juden, die beiden verlieben sich ineinander und widmen ihr Leben fortan der Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechen. In Frankreich und Israel erhielten Beate und Serge Klarsfeld dafür schon vor Jahren hohe Auszeichnungen. Mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland würdigt nun auch Deutschland ihr Engagement. Das Bundespräsidialamt äußerte zur Begründung gegenüber FAZ.NET, das Ehepaar Klarsfeld habe sich um die Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen verdient gemacht und setze sich bis heute gegen Antisemitismus und politische Unterdrückung ein.

          Die deutsche Botschafterin in Frankreich, die den beiden an ihrem Wohnort Paris die Orden übergab, würdigte das Ehepaar mit den Worten: „Ihr außergewöhnlicher, jahrzehntelanger Einsatz war für Deutschland, sein Ansehen in der Welt sowie für die deutsch-französischen Beziehungen äußerst wertvoll“. Gemeinsam habe das Paar als „Mission“ verfolgt, die „von den Nazis begangenen Abscheulichkeiten öffentlich anzuprangern und die Erinnerung an die Opfer der Schoa aufrechtzuerhalten“.

          Die gebürtige Berlinerin wurde im Jahr 1968 schlagartig bekannt, als sie den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger auf einem CDU-Parteitag ohrfeigte, um damit gegen dessen frühere Mitgliedschaft in der NSDAP zu protestieren. Durch die medienwirksame Aktion der damals 29 Jahre alten Klarsfeld erfuhr erstmals eine breite Öffentlichkeit von Kiesingers NS-Vergangenheit, Klarsfeld wurde dafür in Deutschland aber auch heftig kritisiert. Eine einjährige Freiheitsstrafe gegen sie wurde später zu vier Monaten auf Bewährung umgewandelt.

          Sie fanden Klaus Barbie, den „Schlächter von Lyon“

          Serge Klarsfeld war als Kind 1943 in Nizza selbst nur knapp der Razzia entgangen, bei der sein Vater festgenommen und deportiert wurde. Serge wurde später Rechtsanwalt, seine Frau arbeitete in ihrer neuen Heimat zeitweise für das Deutsch-Französische Jugendwerk. Auch dank ihrer akribischen Recherchen wurde 1983 der frühere Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, von Bolivien ausgeliefert.

          Beate und Serge Klarsfeld bei einer Demonstration gegen die nach ihrer Meinung schleppenden Ermittlungen gegen den ehemaligen SS-Obersturmbandführer und Gestapo-Chef Kurt Lischka 1979 vor dem Landgericht Köln

          Bei der Bundespräsidenten-Wahl 2012 stellte die Linkspartei Beate Klarsfeld als Gegenkandidatin zu Joachim Gauck auf, der dann gewählt wurde. Die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz bezeichnete die heute 76 Jahre alte Klarsfeld als „große Genugtuung“. Da beide in Paris leben, wurden die Orden und die Verleihungsurkunden durch die deutsche Botschafterin in Paris übergeben. Die Memoiren des Paares erschienen im Frühjahr auf Französisch; die deutsche Veröffentlichung ist für den kommenden November angekündigt.

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