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Showdown in Österreich : Marathon-Wahlkampf mit gravierenden Folgen

Tag der Entscheidung: Wird Alexander Van der Bellen (links) oder Norbert Hofer Österreichs kommender Bundespräsident? Bild: Reuters

Ein Jahr lang dauerte der Wahlkampf um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten. Er hat die Machtverhältnisse zwischen den Parteien ziemlich durcheinander gebracht.

          5 Min.

          Ein Jahr Wahlkampf endet in Österreich an diesem Sonntag. Ein Jahr, das Wendungen bereithielt, an die manche mit Schaudern zurückdenken werden. Da waren die schweren Verfahrensmängel bei der Auszählung. Sie bewogen den Verfassungsgerichtshof, die Stichwahl für das Amt des Bundespräsidenten zu annullieren. Dann ist noch der zunächst für Oktober angesetzte Termin für die Wahlwiederholung geplatzt, weil Umschläge für die Briefwahl nicht ordentlich zuklebten. Das hat das Duell zwischen dem einstigen Grünen-Vorsitzenden Alexander Van der Bellen und dem Politiker der rechten FPÖ noch einmal um zwei Monate verlängert.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Den ersten Paukenschlag hätte man bei alldem schon fast wieder vergessen. Er erscholl beim ersten Wahlgang im April. Die beiden Kandidaten der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP schieden aus. Nein, sie wurden vernichtend geschlagen. 11,3 Prozent für den Sozialdemokraten Rudolf Hundstorfer und 11,1 Prozent für den Christdemokraten Andreas Khol reichten nicht einmal für den dritten Platz. Den belegte hinter dem „Grünen“, Van der Bellen, und dem „Blauen“, Hofer, die einstige Höchstrichterin Irmgard Griss. Die beiden Parteien, die bis dato in der zweiten österreichischen Republik praktisch alle Spitzenposten unter sich ausgemacht haben, waren auf einmal auf den Rang von Splitterparteien und Mehrheitsbeschaffern reduziert worden.

          Was macht es aus zwei so erfolgsgewohnten Parteien, wenn sie auf einmal im entscheidenden Match zusehen müssen, wenn die anderen Wahlkämpfer um ihre Wähler buhlen? Und das aufgrund der Besonderheiten dieser Pech- und Pannenwahl nicht nur einen Monat lang, sondern bis Jahresende.

          Wechsel an der Spitze der Sozialdemokraten

          Die Sozialdemokraten haben als erste sichtbare Konsequenzen gezogen. Sie löste den langjährigen, aber glücklosen und blassen Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Werner Faymann kurzerhand ab. An seine Stelle ist Christian Kern getreten, bis dahin Chef der staatlichen Eisenbahngesellschaft. Kern trat auf mit einem Selbstbewusstsein, als wollte er den jüngst verstorbenen Muhamed Ali beerben. Für den Moment hatte er die Bühne für sich und die SPÖ zurückerobert. Das Publikum applaudierte, die Partei war begeistert; der Koalitionspartner allerdings etwas weniger.

          Die ÖVP hatte einen Wechsel des Obmanns, so heißen in Österreich die Vorsitzenden, zu dem Zeitpunkt schon hinter sich. Aber den nächsten pfeifen die Spatzen bereits von den Dächern des Stephansdoms.

          Reinhold Mitterlehner, seit geraumer Zeit Wirtschaftsminister, wurde vor zwei Jahren Parteivorsitzender. Damals erhielt auch er reichlich Vorschusslorbeer. Die Medien entdeckten seinen Spitznamen aus Studentenzeiten, „Django“, nach dem gleichnamigen Westernhelden. Aber der Django-Effekt war im Frühjahr 2016 längst wieder verpufft. Bei der Nominierung Andreas Khols hatte Mitterlehner den Start verpatzt.

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