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Bundespräsident in Athen : Gauck weist Forderungen nach Reparationen zurück

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Brüsk:Bundespräsident Gauck und der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias am Donnerstag in Athen Bild: dpa

Bundespräsident Gauck hat dem griechischen Staatspräsidenten Papoulias in der Frage deutscher Reparationen für die Zeit der Besatzung während des Zweiten Weltkriegs widersprochen. „Der Rechtsweg dazu ist abgeschlossen“, sagte Gauck in Athen.

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          Bundespräsident Joachim Gauck hat in Athen griechische Forderungen nach Reparationszahlungen in Milliardenhöhe als Entschädigung für die Besatzung Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht von 1941 bis 1944 zurückgewiesen. Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias hatte gefordert, mit Verhandlungen über Reparationen sowie die Rückzahlung einer von der NS-Diktatur erhobenen Zwangsanleihe müsse „so schnell wie möglich“ begonnen werden. „Griechenland hat diese Forderungen nie aufgegeben“, sagte der 1929 geborene Papoulias, der als Heranwachsender in der Spätphase der deutschen Okkupationszeit noch selbst gegen die Besatzer seines Landes gekämpft hatte.

          Gauck entgegnete darauf: „Sie wissen, dass ich darauf nur so antworten kann, dass ich meine, der Rechtsweg dazu ist abgeschlossen.“ Dies sei auch die Haltung der Bundesregierung, der er nicht widersprechen wolle. Deutschland erkenne aber die moralische Schuld an. Gauck bezeugte Papoulias Anerkennung dafür, dass er im Krieg „gegen das böse Deutschland“ gekämpft habe. Es sei ihm jedoch wichtig zu betonen, „wie sehr ich ein Deutschland vertrete, das so grundsätzlich anders ist als das Deutschland, das Sie als junger Mensch bekämpften“.

          Gauck: Haben Verfolgten Schutz geboten

          Gauck erinnerte daran, dass Deutschland zur Zeit der griechischen Militärdiktatur (1967 bis 1974) vielen tausenden Griechen Schutz vor politischer Verfolgung geboten hat. Einer der damals von Deutschland aufgenommenen Flüchtlinge war Papoulias, der fließend Deutsch spricht. „Dieses gastfreundliche und Ihnen freundschaftlich gesonnene Deutschland existiert. Das ist das heutige Deutschland“, sagte Gauck und behauptete, „die allermeisten Deutschen“ hegten „freundschaftliche Gefühle“ für Griechenland. „Wir Deutschen stehen in Solidarität zu unseren Partnern in Griechenland – egal, welche Schlagzeilen es gibt“, so Gauck.

          Das Thema der Reparationszahlungen und der Zwangsanleihe hatte schon den Griechenland-Besuch des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Jahre 1987 begleitet. Damals schrieben griechische Zeitungen, Deutschland schulde Griechenland „mehr als 800 Millionen Dollar“ als Folge der Griechenland auferlegten Zwangskredite. Inzwischen handelt es sich gemeinsam mit Reparationszahlungen nach offiziöser griechischer Darstellung um Schulden von bis zu 160 Milliarden Euro.

          Der griechische Außenminister und stellvertretende Regierungschef Evangelos Venizelos hatte vor Gaucks Eintreffen jedoch gewarnt: „Wenn wir den juristischen Weg einschlagen, werden wir keinen Erfolg haben.“ Gauck forderte in einer Rede in Athen dazu auf, es nicht zuzulassen, „dass wieder ein Freund-Feind-Denken geschürt wird“. An diesem Freitag werden Gauck und Papoulias in dem Dorf Ligiades in Nordwestgriechenland (Epirus) erwartet, wo deutsche Truppen 1943 ein Massaker an Zivilisten verübten.

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