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Bulgarien : Der Druck der Straße

Erstmals ist es bei den nun schon über drei Wochen andauernden Protesten gegen Korruption und Vetternwirtschaft in Sofia zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Nervosität auf beiden Seiten wächst.

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          Seit nun schon vier Wochen protestieren in der bulgarischen Hauptstadt Sofia jeden Abend bis zu 30.000 Menschen gegen eine Regierung, deren erste Amtshandlungen Anfang Juni in dem Versuch bestanden, zwielichtigen Geschäftsleuten direkt und indirekt Zugriff auf Staatsämter zu verschaffen. Die bisher ausgesprochen friedliche Hartnäckigkeit der Demonstranten ist beeindruckend, aber einen kurzfristigen Erfolg kann die Bewegung nicht haben: Selbst wenn die Regierung ihrer Forderung nach Rücktritt und Neuwahlen nachgäbe, würde sich wenig ändern - nicht nur, weil das Resultat laut Umfragen dem der ebenfalls schon vorgezogenen Wahl ähnlich wäre, sondern auch, weil alle derzeit im Parlament vertretenen Parteien von Gruppierungen aus der Grauzone zwischen legaler Wirtschaft und organisierter Kriminalität durchdrungen sind.

          Die Demonstranten dagegen sind eine Masse ohne Sprecher und Organisationen. Die Proteste können Bulgarien dennoch verändern: Wenn durch sie ein Druck entsteht, durch den sich alle Politiker ständig zur Rechtfertigung für ihr Handeln gezwungen sehen.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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