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Britisches Königshaus : Die royale Klammer

  • -Aktualisiert am

Großvater und Vorbild: Prinz Charles Bild: AFP

Die Begeisterung mit der Großbritannien auf die Geburt eines weiteren Thronfolgers reagiert, zeigt, dass das Königshaus für die Briten deutlich mehr ist als ein Kostenfaktor.

          Was wäre Großbritannien ohne sein Königshaus? Überzeugte Republikaner - auch sie gibt es - würden sagen, das Land wäre reicher, weil es viel Geld für überflüssige Repräsentation sparte. Aber wenn man sieht, mit welcher Begeisterung nicht nur auf der Insel selbst, sondern in großen Teilen des ehemaligen Empires auf die Geburt eines weiteren Thronfolgers reagiert wird, muss man wohl sagen, dass das Haus Windsor deutlich mehr ist als ein Kostenfaktor.

          Zumindest die gegenwärtige Königin weckt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit in einem Land, dem es wirtschaftlich nicht gutgeht und das politisch - wider besseres Wissen - sehr gern so tut, als sei es global immer noch ganz besonders wichtig. Sie ist allerdings nicht nur wegen ihres Lebensalters eine Figur aus einer anderen Welt. Zwar hat sie es, zum Erstaunen vieler, im Laufe der Jahre geschafft, sich behutsam der neuen Zeit anzupassen. Aber sie ist auf ihre Art einzigartig.

          Ungebrochenes Verhältnis zur eigenen Geschichte

          Angesichts dieser Verhältnisse besteht natürlich immer die Gefahr, dass der Monarchin, vor allem aber ihren potentiellen Nachfolgern Erwartungen aufgeladen werden, die sie nicht erfüllen können.

          Zwar gebricht es vielen Briten nicht an Selbstbewusstsein. Aber der rituelle Griff in die Nostalgiekiste bei jeder sich bietenden Gelegenheit ist mindestens so sehr Ausweis gegenwärtiger Unzulänglichkeiten und Unsicherheiten wie eines ungebrochenen Verhältnisses zur eigenen Geschichte.

          Doch Großbritannien kann sich auch glücklich schätzen. Die Thronfolge ist durch das frohe Ereignis vom Montag jetzt über drei Generationen gesichert. Wenn sich die künftigen Könige ihrer Ahnherrin Elisabeth II. würdig erweisen, wird sich zwar die Welt weiter und in vermutlich ständig wachsendem Tempo ändern. Aber die Briten werden das Gefühl haben, bei ihnen sei irgendwie alles wie seit vielen hundert Jahren.

          Im Idealfall könnte dann ein in sich ruhendes Land zu neuen politischen und wirtschaftlichen Ufern aufbrechen und - zum Beispiel - sein Verhältnis zu dem immer noch gern so genannten „Kontinent“ deutlich entspannen.

          Britanniens Freunde in Europa und anderswo wären froh und zufrieden. Nostalgie ist ja ganz schön, aber wenn sie zur inneren Abgrenzung von den Nachbarn führt, wie das zurzeit mitunter in der Europa-Debatte zu beobachten ist, werden am Ende alle verlieren.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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