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Streiks : Frankreichs Brandstifter

Von einem radikalen Konfrontationskurs überzeugt: CGT-Chef Philippe Martinez Bild: AFP

Brände in Frankreich, Proteste im ganzen Land: Der Kopf dahinter ist Philippe Martinez. Sein Aufstieg in der Gewerkschaft CGT verlief schnell, er gilt als Meister der Selbstinszenierung. Und wird selbst zum Brandstifter. Ein Portrait.

          2 Min.

          Sein Markenzeichen ist ein dichter, dunkler Schnauzbart. Der erinnere ein bisschen an Stalin, schreibt die Presse. Philippe Martinez kann darüber nur schmunzeln. Der 55 Jahre alte Vorsitzende der ältesten französischen Gewerkschaft „Confédération générale du travail“ (CGT) ist ein Meister der Selbstinszenierung.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Er ließ sich jetzt dabei fotografieren, wie er einen brennenden Reifen vor die Barrikade eines Treibstofflagers warf. Der CGT-Chef höchstpersönlich als Brandstifter – das ist selbst in seiner Gewerkschaft ungewöhnlich, die schon so manchen Arbeitskampf angezettelt hat. Martinez ist davon überzeugt, dass nur ein radikaler Konfrontationskurs gegenüber der Regierung die CGT vor Bedeutungsverlust und Mitgliederschwund retten kann.

          Regierende Sozialisten haben ihn lange unterschätzt

          Seit Anfang Februar 2015 sitzt er in der achten Etage des Gewerkschaftsgebäudes im Pariser Vorort Montreuil in dem Büro, dessen aufwendige Renovierung seinem Vorgänger Thierry Lepaon den Posten gekostet hat. Im Skandal um die „Verschwendungssucht“ hielt sich Martinez zurück. Er wartete geschickt ab, bis nach monatelangem Führungsstreit sein Name fiel. Im April wurde er in Marseille an der Spitze der CGT bestätigt. Die regierenden Sozialisten haben ihn lange unterschätzt. Sie glaubten, auf ihn als Verhandlungspartner verzichten zu können. Tatsächlich hat die CGT, die nach Kriegsende fünf Millionen Mitglieder zählte, nur noch knapp 700.000.

          Martinez zeigt jetzt mit seiner Strategie des „totalen Kampfes“, dass sich die CGT längst nicht mit dem Schicksal der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) abgefunden hat. Die CGT war stets der verlängerte Arm der KPF, und auch Martinez war Parteimitglied, bis 2002. In seinem Führungsstab wird er von Kommunisten und Mitgliedern der Linksfront beraten. Martinez überraschte die Linksregierung mit seiner hartnäckigen Ablehnung der Notstandsgesetze. Er kritisierte heftig, dass diese die latente Islamophobie fördern würden. Als Hüter der Laizität fällt Martinez aus. Die CGT toleriert in ihren Hochburgen, den Verkehrsbetrieben RATP, aber auch bei Air France und SNCF, religiöse Sonderforderungen. „Halal und Klassenkampf“, nennt ein CGT-Beobachter die Strategie von Martinez.

          Der Sohn spanischer Einwanderer, die vor dem Franko-Regime geflohen waren, wurde in der Welt der Renault-Fabrik und Arbeiterhochburg in Boulogne-Billancourt politisch groß. Zu den prägenden Bildern seiner Kindheit zählte der Intellektuelle Jean-Paul Sartre, der mit den Renault-Arbeitern diskutierte. 1982 fing Martinez selbst bei Renault an, allerdings nicht am Fließband, sondern als Techniker. Bei dem Automobilhersteller fiel er zunächst als begnadeter Kicker in der Renault-Fußballelf auf.

          Sein Aufstieg in der CGT verlief schnell, 2008 kam er an die Spitze des Metallurgie-Verbands. Seine Lebensgefährtin, Nathalie Gamiochipi, sitzt für den Pharma-Verband in der CGT. Das Kräftemessen mit Premierminister Valls, dem anderen spanischen Einwanderersohn, stärkt das Ansehen von Martinez an der rebellischen Basis.

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