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Bosporustunnel : Einer der sichersten Orte Istanbuls

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Bild: F.A.Z.

Durch den von einem japanisch-türkischen Konsortium gebauten Bosporus-Tunnel können mit der S-Bahn im Zwei-Minuten-Takt insgesamt bis zu 75.000 Personen je Stunde von Europa nach Asien und zurück gelangen.

          Bis zu 56 Meter unter dem Bosporus verläuft der Tunnel, der den europäischen und asiatischen Teil Istanbuls verbindet, und dem nach den Aussagen der beteiligten Ingenieure auch schwerste Erdstöße nichts anhaben können. Eine enorme Herausforderung, liegt der Tunnel doch nur rund 20 Kilometer nördlich einer tektonischen Plattengrenze, die sich von Anatolien bis zu den Inseln im Marmara Meer erstreckt. Durch Verschiebungen an der anatolischen Platte ist die Stadt einer ständigen Erdbebengefahr ausgesetzt. In den zurückliegenden zwei Jahrtausenden gab es zehn folgenschwere Erdbeben.

          Der neue Tunnel soll künftig einer der sichersten Orte in Istanbul sein, das haben umfangreiche Simulationen ergeben. Während in der Stadt selbst ein Beben gewaltige Zerstörungen hervorrufen kann, soll die Tunnelröhre unversehrt bleiben. Wie beim Bau anderer, in gefährdeten Bereichen gebauter Tunnel, wie dem BART-Tunnel (Bay Area Rapid Transit) in San Francisco oder dem Kobe-Tunnel in Japan, hat man daher nicht nur Schotts installiert, mit denen im Katastrophenfall Teile des Tunnels hermetisch abgeschlossen und gesichert werden können. Man hat die Röhre auch so gebaut, dass sieBodenbewegungen aufnehmen kann, ohne ernsthaft beschädigt zu werden.

          Im Leitstand: Staatspräsident Gül und Ministerpräsident Erdogan lenken die U-Bahn zur Eröffnung des Bosporustunnels. Bilderstrecke

          Durch den von einem japanisch-türkischen Konsortium gebauten Bosporus-Tunnel können mit der S-Bahn im Zwei-Minuten-Takt insgesamt bis zu 75.000 Personen je Stunde von Europa nach Asien und zurück gelangen. Der Tunnel ist auch Bestandteil der 76 Kilometer langen „Marmaray“-Schienenstrecke, die entlang des Ufers des Marmara-Meeres führt und, wenn sie fertig ist, die beiden Flughäfen der Stadt verbinden wird. Rund 1,5 Millionen Menschen sollen dann täglich auf dieser Stecke mit drei Dutzend Haltepunkten fahren, was einem Fünftel des momentanen Verkehrsaufkommens der Stadt entspricht.

          Bereits 2004 mit dem Bau begonnen

          Mit dem Bau des 13,6 Kilometer langen Bosporus-Tunnels hatte man bereits 2004 begonnen. 9,8 Kilometer der Strecke wurden – auf beiden Seiten der Meerenge – mit zwei Tunnelbohrmaschinen bis auf eine Tiefe von 50 Meter an den Grund des Bosporus heran aufgefahren. Völlig anders hat man dagegen den 1400 Meter langen Unterwasser-Abschnitt hergestellt. Dieser Teil des Bosporus-Tunnels besteht aus elf vorgefertigten Tunnelelementen, die auf dem Wasser mit Hilfe von Schwimmkörpern an die jeweiligen Einbaustandorte geschleppt und abgesenkt wurden. Hier hat man sie in eine zuvor ausgespülte Rinne gelegt und anschließend teilweise mit Kies und Geröll überdeckt.

          Technisch anspruchsvoll sind auch die Arbeiten, die man zur Stabilisierung des Untergrunds entlang eines Teils des Tunnelverlaufs vornehmen musste. So gibt es im gesamten Bereich keinen festen Fels auf dem man hätte die Tunnelröhre gründen können. In einigen Bereichen trafen die Geologen und Ingenieure gar auf ein Sand-Wasser-Gemisch, das sich auf Erschütterungen im Zuge eines Erdbebens unkontrollierbar verhalten kann: Die Formation sortiert sich um, man spricht von „Bodenverflüssigung“. Um ihr vorzubeugen, wurde auf einer Länge von 400 Meter das Erdreich mit einem speziellen Mörtel verfestigt, den man bis zu zehn Meter tief in den Boden injiziert hat.

          Doch nicht die komplexe Geologie war maßgeblich für die aufgetretenen Verzögerungen verantwortlich. Vielmehr fanden Archäologen, als man 2004 mit den Arbeiten begann, auf der europäischen Seite die Überreste eines byzantinischen Hafens mit zum Teil erstaunlich gut erhaltenen 33 Schiffen. Ein Baustopp war die Folge. Erst Anfang 2011 waren die Ausgrabungen abgeschlossen. Für die gefundenen Objekte soll ein Museum errichtet werden.

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