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Franziskus über Erziehung : Billigt der Papst das Schlagen von Kindern?

Papst Franziskus während einer Videokonferenz am 5. Februar in Rom. Bild: AFP

Mit einer Äußerung während der jüngsten Generalaudienz hat Papst Franziskus für Wirbel gesorgt. Er soll leichte Schläge als Erziehungsmittel gerechtfertigt haben. Doch die Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen.

          Medienberichte haben Irritationen und Empörung über den Papst ausgelöst. Danach soll Franziskus angeblich großes Verständnis für die körperliche Züchtigung von Kindern als Erziehungsmittel gezeigt haben. Es sei „OK“, Kinder zu schlagen, um sie zu disziplinieren, soll das Oberhaupt der Katholischen Kirche während der wöchentlichen Generalaudienz im Petersdom Eltern gesagt haben. Allerdings nur, wenn „ihre Würde gewahrt bleibt“, zitiert die britische Zeitung „The Guardian“ angebliche Äußerungen des Papstes.   

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Seine wöchentliche Generalaudienz am vergangenen Mittwoch hatte Franziskus diesmal der Rolle der Väter in der Familie gewidmet. In seinen Ausführungen in italienischer Sprache hatte der Papst unter anderem gesagt, es zeichne einen guten Vater aus, zu vergeben, aber auch in der Lage zu sein, sein Kind „mit Bestimmheit zu korrigieren, ohne es zu demütigen“. Für die vom Guardian zugespitzte und auch von deutschen Online-Medien übernommene Schlagzeile: „Papst findet Schlagen von Kindern okay - wenn sie ihre Würde behalten“ diente allein eine Passage gegen Ende der Papst-Predigt.

          In der Übersetzung der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) sagte der Papst in jenem Abschnitt: „Ein guter Vater versteht zu warten und zu vergeben, und das aus ganzem Herzen. Gewiss, er kann auch entschlossen zurechtweisen: Er ist kein schwacher Vater, kein nachgiebiger, sentimentaler. Der Vater, der zurechtweisen kann, ohne zu demütigen, ist der gleiche, der zu schützen weiß, ohne sich zu schonen. Einmal hörte ich in einem Treffen von Eheleuten einen Vater sagen: „Manchmal muss ich die Kinder ein bisschen schlagen - aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen.“ Wie schön: Er hat einen Sinn für Würde. Er muss bestrafen, er macht’s auf rechte Weise, und dann geht es normal weiter.“

          Nach Angaben des „Guardian“ verteidigte Pfarrer Thomas Rosica, ein Mitarbeiter der Pressestelle des Vatikan, die Äußerungen des Papstes. Das Kirchenoberhaupt habe offensichtlich nicht darüber gesprochen, Gewalt gegenüber einem Kind anzuwenden oder grausam zu sein. Sondern es gehe darum, „jemanden beim Wachsen und Reifen zu helfen.“

          Rosica verwies zudem auf die Erfahrung vieler Eltern: „Wer hat nicht schon einmal sein Kind gezüchtigt oder ist in seiner Kindheit von den Eltern gezüchtigt worden?“ In seiner per Mail verbreiteten Stellungnahme an den „Guardian“ verwies der Vatikan-Sprecher zudem auf den Umgang des Papstes mit Kindern: „Schauen Sie sich einfach Papst Franziskus an, wenn er mit Kindern zusammen ist und lassen Sie die Bilder und Gesten für sich selbst sprechen.“

          Auch Papst-Sprecher Federico Lombardi verteidigte Franziskus: „Der Papst hat nicht dazu eingeladen, Kinder zu schlagen. Wie ganz richtig beobachtet wurde, zeigt der Papst gegenüber Kindern immer große Zuneigung und Zärtlichkeit.“

          Schon vor wenigen Wochen hatte der Papst mit Äußerungen zur Meinungsfreiheit nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ für Aufsehen gesorgt. Auf Beleidigungen dürfe man zwar nicht mit Gewalt reagieren, aber wenn ein guter Freund seine Mutter beleidige, erhalte er einen Faustschlag.

          Kritik von Familienministerium und Kinderhilfe

          Das Bundesfamilienministerium reagierte irritiert auf die Äußerungen von Papst Franziskus zu Gewalt in der Kindererziehung. Eine Ministeriumssprecherin sagte, es gebe kein „würdevolles Schlagen“. Jegliche Gewalt gegen Kinder sei vollkommen inakzeptabel. Kinder hätten in Deutschland laut Gesetz ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.

          Die Deutsche Kinderhilfe kritisierte den Papst für dessen so nie gefallene Äußerung. Franziskus mache sich mitschuldig, wenn auch nur einem einzigen Kind unter Verweis auf seine Aussage Schmerzen zugefügt werden, sagte Rainer Becker, Vorstandvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe: „Es gibt kein würdevolles Schlagen eines anderen Menschen.“

          Becker sagte, in Deutschland sei jegliche physische und auch psychische Gewalt gegen Kinder verboten. „Dies gilt für Eltern genauso wie für katholische Geistliche“, sagte der Kinderhilfe-Vorstandschef. Er appellierte an das Kirchenoberhaupt, seine Aussage schnellstmöglich zu korrigieren.

          Bis 1980 erlaubte übrigens auch das deutsche Recht Eltern, ihre Kinder körperlich zu züchtigen. Mit dem Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Familie im Jahr 2000 wurde der Begriff der „elterlichen Gewalt“ abgeschafft, seither ist von „elterlicher Sorge“ die Rede.

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